Weltwirtschaftsforum in Davos – auf der Suche nach Ideen

Weltwirtschaftsforum - die Welt schaut nach Davos - Gerd Altmann / pixelio.de
Weltwirtschaftsforum - die Welt schaut nach Davos - Gerd Altmann / pixelio.de
Am 26. Januar 2011 beginnt das 41. Wirtschaftsforum in Davos. Wie sich Davos vom Symposium für Unternehmensführung zum Weltwirtschaftsforum entwickelt hat.

„Gemeinsame Normen für eine neue Realität“ ist das Motto des Weltwirtschaftsforums, das vom 26. bis zum 30. Januar 2011 in Davos stattfindet. Zum 41. Mal trifft sich die selbsternannte Elite aus Wirtschaft und Politik in dem Schweizer Skiort. Zwischen Canapés und Violinenkonzert stellen sich alle Teilnehmer ihrer eigenen neuen Realität: die europäischen Länder ihrer Schuldenkrise, die Banken den neuen Regulierungen und China seiner wachsenden Macht. Kritiker werden über die Dekadenz der Kapitalisten in dieser Zeit der wirtschaftlichen Not schimpfen. Und der gemeine Bürger fragt sich, was ihn das alles angeht. Das Weltwirtschaftsforum will die Welt verbessern, und manchmal in seiner 41-jährigen Geschichte hat es einen wichtigen Beitrag dafür geleistet. Denn am Anfang jeder wichtigen Veränderung steht immer die Idee.

Klaus Schwabs Ideen zur Unternehmensführung standen am Anfang

Klaus Schwab, deutscher Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler, entwickelte die Idee, dass Unternehmensführung allen Interessengemeinschaften dienen sollte. Zu den sogenannten Stakeholdern gehören laut Schwab neben den Aktionären auch Mitarbeiter, Kreditgeber, Kunden, Lieferanten, die Gesamtwirtschaft, die Regierung und die Gesellschaft. Diese Stakeholder-Theorie, die Schwab 1971 in seinem Buch „Moderne Unternehmensführung im Maschinenbau“ veröffentlichte, galt damals als revolutionär. Schwab begnügte sich jedoch nicht mit der Theorie. Seine Idee von einer Multi-Stakeholder-Plattform setzte er mit der Gründung des Europäischen Management Forums um. Zum ersten Treffen am 24. Januar 1971 kamen 450 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien. Die Wahl des Konferenzortes fiel auf Davos, wo kurz zuvor ein neues Konferenzzentrum eröffnet wurde. Davos war die perfekte Wahl, denn es lag nicht nur in der Mitte Europas, sondern bot den Konferenzteilnehmern die notwendige Abgeschiedenheit, um sich in informeller Umgebung von neuen Ideen inspirieren zu lassen.

Europäisches Management Forum – Ideen für eine bessere Welt

Die siebziger Jahre waren geprägt vom Ende des Goldstandards, der Ölkrise und wirtschaftlicher Rezession. Außerdem fanden tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen statt. Die Liebe wurde freier, die Sicherheitsbestimmungen strenger. Dafür sorgte nicht nur der Kalte Krieg, der in Vietnam alles andere als kalt war, sondern auch die Rote Armee Fraktion (RAF) und ähnliche Bewegungen in anderen entwickelten Ländern. Als Hanns Martin Schleyer, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Arbeitgeberverbände 1977 von der RAF ermordert wurde, holte das Thema Terrorismus auch das Europäische Management Forum ein. Schleyer hätte Anfang 1978 das Symposium in Davos leiten sollen. Die weltweiten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen rückten Themen wie Grenzen des Wachstums, Wohlstandsgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und Umweltschutz in den Mittelpunkt der jährlichen Treffen in Davos. Neben diesen Treffen begann das Forum regionale Konferenzen zu organisieren und unterstützte den Beginn der Uruguay-Runde, der Welthandelsrunde, die als Vorläufer von Doha gilt.

Weltwirtschaftsforum und Plattform für politische Annäherung

Das Europäische Management Forum gehörte seit seiner Gründung zu den Unterstützern einer engeren europäischen Zusammenarbeit. Was auf Unternehmensebene begann, wurde bald auf politischer Ebene fortgesetzt. Davos bot schon immer eine gute Gelegenheit für Politiker, sich informell über Möglicheiten und Grenzen europäischer Integration auszutauschen. Aus der europäischen Runde wurde schnell eine globale Runde. 1975 wurde die erste offizielle Delegation eines nicht-europäischen Staates begrüßt – Mexico. Das Europäische Management Forum gehörte zu den ersten Organisationen, die Chinas Politik der Offenen Tür ernst nahmen. So erschien 1979 das erste Mal eine chinesische Delegation auf der Konferenz. Die Umbenennung in Weltwirtschaftsforum 1987 war eine logische Konsequenz. Aber Davos wurde auch zu einem Ort der politischen Annäherung. Von den griechisch-türkischen Friedensverhandlungen über die deutsche Wiedervereinigung bis zum Nahost-Konflikt, Davos führte politische Gegner zusammen und bot Raum für friedlichen Gedankenaustausch.

Davos Club – eine Elite gegen den Rest der Welt

Davos galt von Anfang an als ein Club der Elite, Zutritt nur mit persönlicher Einladung. Mitglieder sind im wesentlichen große internationale Unternehmen. Als das Forum 1994 sein tausendstes Mitglied aufnahm, traf es die Entscheidung, keine weiteren Mitglieder zuzulassen, um das Merkmal der Exklusivität des Clubs nicht zu gefährden. Diese Abgrenzung, aber auch die wirtschaftsliberale Ausrichtung haben in den letzten Jahren immer wieder zu Kritik geführt. Jedes Jahr kommt es zu Demonstrationen gegen das Weltwirtschaftsforum und es gibt eine Reihe von Gegenveranstaltungen, die sich mit den negativen Auswirkungen von Kapitalismus und Globalisierung auseinandersetzen. Dabei verschließt sich das Forum keineswegs den Argumenten Andersdenkender. So lud man in der Vergangenheit Persönlichkeiten wie den brasilianischen Erzbischof Dom Hélder Câmara, Vertreter der Befreiungstheologie und selbsternannter Sprecher der Armen, oder Arthur Scargill, den britischen Gewerkschaftsboss und bitteren Gegner Margaret Thatchers, ein.

Davos 2011 – „Gemeinsame Normen für eine neue Realität“

Die Finanzkrise hat das Gleichgewicht der Welt von den Industrieländern weg in Richtung Schwellenländer verschoben. Die BRICs – Brasilien, Russland, Indien und China – befinden sich nicht nur wirtschaftlich auf der Überholspur, sondern entwickeln sich zu bedeutenden Machtzentren. Diese Pluralität ist im Grunde ganz im Sinne des von Schwab entwickelten Stakeholder-Prinzips. Aber diese neue Realität bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Die Entwicklung einer neuen pluralistischen Weltordnung, die mit möglichen Nahrungsmittel- und Rohstoffkrisen, Klimawandel und Risiken der komplexen Finanzwelt umgehen kann, ist keine Aufgabe, die in Davos gelöst werden kann. Davos ist und bleibt vor allem ein Ideenaustausch. Und daran sollte es gemessen werden.

Peggy Richter, Peggy Richter

Peggy Richter - Als Finanzanalystin konnte ich 15 Jahre lang Erfahrungen mit sehr vielen Bank- und Finanzprodukten sammeln. Meine Bankausbildung, das ...

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