Mozart in der Warteschleife - Nicht nur Service-Nummern nerven

Warteschleifen nerven - wenn man eine teure Service-Nummer gewählt hat ohnehin, wenn sie nichts kosten aber auch, und wenn ständig Mozart dudelt erst recht.

In letzter Zeit war sie in den Medien häufiges Thema: die Warteschleife. Gemeint waren stets jene Warteschleifen, in denen man verweilen muss, wenn man als Kunde Service-Nummern anruft. Wer dies tut, kann oft eine unangenehme Überraschung erleben, wenn er später seine Rechnung erhält. Wer beruflich häufig in Behörden anruft, muss keine Angst vor teuren Rechnungen haben, weil er nicht über Service-Hotlines kommuniziert, Angst vor Mozart kann man aber schon bekommen, wenn man es mit dem Öffentlichen Dienst zu tun hat.

Günstiger Preis - Teure Warteschleife?

Warteschleife ist nicht gleich Warteschleife. Der professionelle Anbieter unterscheidet da, wie man auf den diversen Websites der Anbieter nachlesen kann, zwischen der „Ansage vor Melden“ , auch „Annehmen vor Abheben“ genannt und „on hold“ oder auch „Music on hold“. Ersteres tritt unmittelbar nach dem Wählen ein, wenn alle Leitungen belegt sind, Letzteres, wenn man weiterverbunden wird. Dabei lässt man den Anrufer in beiden Fällen gerne mal etwas länger warten, denn Warteschleifen, das weiß man nicht erst seit jenem Test, den die Grünen vor kurzem machten, sind für manche Firmen ein Geschäftsmodell, das Geld einbringt. Es könnte allerdings auch sein, dass die teuren Warteschleifen die Strafe dafür sind, dass die Kundschaft gerne das billigste haben will und auf diese Art der Service bezahlt wird, der im günstigen Preis nicht enthalten ist. Egal wie sich die Sache verhält: Für Behörden, städtischen Kliniken oder Universitäten gilt dies ohnehin nicht, dort gibt es keine teuren 0900er-Nummern.

Finanzamts- und andere Warteschleifen

Weil aber auch in manchen dieser Institutionen häufig angerufen wird, kann etwa auch das Finanzamt nicht stets sofort einen Ansprechpartner präsentieren. Früher hätte man das Besetztzeichen gehört, aufgelegt und es später noch einmal probiert. Weil aber mittlerweile die Telefonwarteschleife „Ansage vor Melden“ erfunden wurde, kann es nun passieren, dass man dort anklingelt und die Ansage „Herzlich willkommen bei ihrem Finanzamt“ hört, so euphorisch vorgetragen als ob man in der Event-Agentur angerufen hätte und verbunden mit dem Versprechen, dass bald eine Leitung frei werde. Wobei man es den Leuten vom Finanzamt durchaus positiv anrechnen kann, dass sie die Anrufer auf solch humorvolle Art begrüßen. Ruft man dagegen beim Amt für Abfallwirtschaft an, hat man im Normalfall sofort eine Verwaltungsangestellte an der Strippe. Diese erklärt dann allerdings, dass für derlei Fragen Herr Müller zuständig sei und sie versuche, einmal zu verbinden. Früher hätte man in einem solchen Fall bestenfalls ein Knacken oder Brummen gehört, weil aber mittlerweile auch die Telefonwarteschleife „Music on hold“ erfunden wurde, ist das Warten auf Herrn Müller meist mit einer musikalischen Darbietung verbunden.

Mozarts Kleine Nachtmusik

Pech hat dabei, wer aus beruflichen Gründen häufiger Fragen an Herrn Müller vom Amt für Abfallwirtschaft oder seine Kollegen von den diversen anderen Ämtern hat, denn Herr Müller und seine Kollegen verbringen ihre Tage hauptsächlich damit, in Besprechungen zu sein. Das bedeutet viele Anrufe beim Amt für Abfallwirtschaft und den anderen Behörden, genauso viele Weiterverbindungsversuche und entsprechend häufig das Erklingen von Mozarts Kleiner Nachtmusik. Müsste man eine rein subjektiv wahrgenommene Hitliste der on-hold-Melodien aufstellen, nähme vor Vivaldis Frühlingskonzert die Kleine Nachtmusik den ersten Platz ein genau genommen der erste Satz jener laut Mozarts eigenen Aufzeichnungen am 10. August 1787 in Wien beendeten Serenade für Streicher, von der man zwar weiß, dass sie wegen damals noch nicht vorhandenen Bedarfs nicht als on-hold-Melodie für das Amt für Abfallwirtschaft komponiert wurde. Aus welchem Anlass Mozart das Werk eigentlich schuf, ist allerdings auch nicht bekannt.

GEMA-freie Warteschleife

Sicher ist, dass seine Verwendung nichts kostet, also GEMA-frei ist, weil Mozart schon seit mehr als 200 Jahren nicht mehr auf Erden weilt. GEMA ist die Abkürzung für Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, und diese Gesellschaft sorgt dafür, dass Musikverleger, Textdichter, Komponisten und deren Nachfolger Geld bekommen, wenn andere die Werke nutzen. Das ist aber nicht mehr der Fall, wenn der Urheber einer Melodie länger als 70 Jahre tot ist. Wem vor Mozart und Vivaldi in der Warteschleife graut, weil er sie im Konzertsaal lieber hört, dem sei also geraten, auf keinen Fall einen Beruf zu ergreifen, in dem er es häufiger telefonisch mit dem Öffentlichen Dienst zu tun hat. Dabei könnte es doch schön sein, riefe man beim Amt für Abfallwirtschaft an und während man auf Herrn Müller wartete, hörte man ein vom Amtsleiter persönlich vorgetragenes Gedicht oder auch wie früher – einfach nichts.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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