Wenn die alten Eltern sterben

Barbara Dobrick hat in diesem Buch Erfahrungsberichte gesammelt

Dobrick: Wenn die alten Eltern sterben - Kreuz Verlag
Dobrick: Wenn die alten Eltern sterben - Kreuz Verlag
Wie wird es sein, wenn die Eltern alt und pflegebedürftig sind und irgendwann sterben? Wie kommt man als (erwachsenes) Kind damit klar? Darum geht es in diesem Buch.

„Ich verstand nicht, dass man allen Ernstes um einen Angehörigen, einen alten Verwandten weinen kann, der über 70 Jahre alt ist. Wenn ich einer 50jährigen Frau begegnete, die verzweifelt war, weil sie eben ihre Mutter verloren hatte, hielt ich sie für neurotisch.“ Dieses Zitat von Simone de Beauvoir steht am Anfang des Buches „Wenn die alten Eltern sterben“ und spiegelt eine weit verbreitete Einstellung in unserer Gesellschaft wider. Dass der Tod der Eltern allerdings auch für das erwachsene Kind ein Einschnitt ist, der die unterschiedlichsten Gefühle und Reaktionen hervorrufen kann, wird in den verschiedenen Erfahrungsberichten deutlich, die Barbara Dobrick hier zusammengestellt hat.

Trauer äußert sich bei jedem anders

Die Trauer äußert sich bei jedem anders, der eine spürt tiefen Schmerz, der andere Wut oder sogar Erleichterung. Wie man den Tod eines Elternteils empfindet, hat auch sehr viel mit der Beziehung zu tun, die man zu Lebzeiten hatte. Oft wird das Verhältnis zu den Eltern im Nachhinein auch verklärt, dabei ist es für das weitere Leben durchaus wichtig, dass man die Beziehung, die man zu dem Verstorbenen hatte, bewusst aufarbeitet und nicht verdrängt.

Manchmal kann es als Erleichterung empfunden werden, wenn der dominante Vater oder die alles bestimmende Mutter nicht mehr leben. Das Kind fühlt sich plötzlich befreit und kann seinem Leben eine ganz andere Richtung geben. Doch auch wenn das Verhältnis zu den Eltern gut und von Zwängen frei war, wird man als Kind bei seiner Lebensplanung von den Eltern immer auf irgendeine Weise beeinflusst. Wenn die Eltern dann nicht mehr da sind, besteht die Gefahr, in ein Loch zu fallen, weil eine wichtige Stütze oder auch ein Gegenpol fehlt.

Trauerrituale helfen

Trauerrituale können bei der Verabschiedung helfen. So beschreibt eine Tochter, wie sie mit ihrer Mutter stundenlang Totenwache beim verstorbenen Vater hielt. Man hat den Eindruck, dass es allen Kindern in diesem Buch wichtig war, sich von Vater oder Mutter in Ruhe verabschieden zu können, sei es, dass sie die Eltern beim Sterben begleitet oder nach dem Tod einige Zeit in Stille mit ihnen verbracht haben. Die anschließende Vorbereitung der Trauerfeier wird dann sehr unterschiedlich beurteilt. Für die einen ist es ein Belastung, die anderen sind froh, sich ablenken zu können, oder zum Handeln gezwungen zu werden.

Verhältnis zu den Geschwistern

Ein weiterer Punkt in diesem Buch ist, wie der Tod der Eltern das Verhältnis zu den Geschwistern beeinflusst. In manchen Fällen wird der Kontakt intensiver, der Familienzusammenhalt enger. Manchmal leben aber auch alte Konflikte wieder auf, die den Eltern zuliebe verdrängt wurden. Die Beziehung zu den Geschwistern wird dadurch problematischer, gelegentlich bricht der Kontakt auch ganz ab.

Die Autorin hat ein einfühlsames Buch geschrieben. Es kann denen helfen, deren Eltern vor Kurzem gestorben sind und die ihre Erlebnisse verarbeiten möchten. Denjenigen, die kranke und pflegebedürftige Eltern haben, wird gezeigt, was auf sie zukommen kann. Das Buch macht auch deutlich, dass man sich als Kind – wenn der Tod der Eltern nicht unerwartet eintritt – schon vorher mit dem Bevorstehenden auseinandersetzen und sich Gedanken machen sollte, wie man sich von den Eltern verabschieden möchte.

Barbara Dobrick: Wenn die alten Eltern sterben. Das endgültige Ende der Kindheit. Kreuz Verlag 2007. Broschiert, 199 Seiten. Euro 17,95.

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