Archäologisches Museum Kelheim, Altmühltal, wo die Kelten feiern

Keltensiedlung bei Oberhofen - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Keltensiedlung bei Oberhofen - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Keltisch ging es zu vom 30. Juli bis 1. August 2010 in Kelheim: wer sich für die Geschichte der Kelten interessiert, dem boten sich interessante Einblicke.

Sie verstanden es zu feiern - die Kelten in Bayern. Und ihre Freunde tun dies bis heute. Am Wochenende fand in Kelheim zwischen Donau und Altmühl ein Fest zu Ehren der Kelten statt.

Stadt - Dorf - Hof: keltisches Leben in Bayern

Unter diesem Motto stand der Einführungsvortrag von Dr. Walter Irlinger vom Landesamt für Denkmalschutz, der einen Einstieg lieferte in das Leben der Kelten. Vier Siedlungstypen sind zwischen Österreich und Franken gefunden worden:

  • einzelne Gehöfte, die abseits größerer Siedlungen entdeckt wurden, und in denen sich das Leben hauptsächlich um Landwirtschaft drehte. Nur ab und zu gibt es Hinweise darauf, dass dort auch das eine oder andere Handwerk ausgeübt wurde.
  • Großsiedlungen, in denen die Wohngebäude - meist sogenannte "Sechspfostenhäuser", die auf hölzernen Pfosten errichtet waren, und deren geflochtene Wände mit Lehm abgedichtet waren - oft weit verstreut angelegt waren, besitzen außerdem landwirtschaftliche Flächen in ihrem Innern. Daneben gibt es die "Vierpfostenhäuser", bei denen es sich wahrscheinlich um Speicher handelt.
  • In der Nähe oder in diesen Großsiedlungen finden sich immer wieder Vierecksschanzen, in denen Irlinger höhergestellte Mitglieder der Siedlungsgemeinschaft vermutet. Selten gibt es Hinweise auf kultische Nutzung dieser auffälligen Gehöfte nahe der Großsiedlungen. Die Bewohner lebten vom Ackerbau, aber die Hinweise auf Handwerke werden vielfältiger.
  • Die größten Siedlungen waren Oppida - Städte, in denen wahrscheinlich zwischen 2000 bis 2500 Menschen lebten. Sie waren umgeben von Stadtmauern, die prächtige Tore besaßen und bedeckten eine recht große Fläche. Das Oppidum von Kelheim - oder Alkimoennis - umfasste eine Fläche von 650 Hektar und ist damit eines der größten in Süddeutschland. Eisenobjekte, Mahlsteine, Gefäße, Schmuck, aber auch Waffen deuten auf die Bedeutung dieser Siedlung hin. Außerdem finden sich Hinweise darauf, dass diese Städte Handelszentren waren, deren Handelswaren sogar bis aus dem mediterranen Raum stammten.

Die Einführung in die verschiedenen Wohn- und Siedlungsformen machte die Besichtigung einiger besonders detailliert rekonstruierter Keltensiedlungen und -gräber am nächsten Tag leicht verständlich.

Idyllische Schifffahrt mit Ausblicken auf keltische Siedlungen entlang des Archäologieparks Altmühltal

Am zweiten Festtag befassten sich Keltenfreunde intensiver mit keltischem Leben, Wohnen und ihren Bestattungsriten. Per Schiff ging die Fahrt durchs idyllische Altmühltal mit wundervollen Ausblicken auf langsam vorbeigleitende Flussufer, das alte Siedlungsgebiet der Kelten. Am Ufer der Altmühl tauchten zwischen dem üppigen Uferbewuchs in unregelmäßigen Abständen rekonstruierte Siedlungsformen der Kelten auf:

  • ein Brennofen, in dem Eisen aus den umliegenden Hügeln geschmolzen wurde und zu Gebrauchsgegenständen, Schmuck, aber auch Waffen verarbeitet wurde.
  • einen rekonstruierten eisenzeitlichen Herrenhof mit Sechspfostenhaus und Speicher sowie Hinweise darauf, was man an anderer Stelle in der Region gefunden hat. Umgeben ist dieser mit dem für die Gegend typischen Palisadenzaun aus behauenen viereckigen Holzstämmen.

Auf der Rückfahrt nach Kelheim per Bus, die von der Kreisarchäologin Frau Dr. Sandner begleitet wurde, stellte diese weitere Stationen des Archäologieparks Altmühltal vor:

  • Einen Einblick in eisenzeitliche Bestattungsriten der Kelten lieferte ein aufgeschnittener Grabhügel bei der Schleuse Haidhof. In diesen Gräben fanden die Archäologen Keramik, Schmuck und auch Waffen als Grabbeigaben.
  • Einige Stationen des Archäologieparks haben eher künstlerischen Charakter - wie zum Beispiel das Webhaus, das nur durch verschiedenfarbige Pfosten angedeutet wird, in deren Inneren sich die Reste eines Webstuhls fanden, der an die Hauswand gelehnt war. An einer anderen Station ist die Rekonstruktion eines 1.500 Jahre alten Opferaltars zu sehen, der sich inmitten eines bronzezeitlichen Friedhofs mit 24 hügelartigen Gräbern befand.
  • Die eindeutig spektakulärste Rekonstruktion entlang des Archäologieparks ist jedoch die Rekonstruktion eines keltischen Stadttores des Oppidums Alkimoennis aus dem 2. oder 1. Jahrhundert vor Christus. Den keltischen Ort an der Stelle des heutigen Kelheims konnte man vor 2.100 Jahren nur durch ein solches hölzernes Tor betreten.

Keltisches Leben in Bayern beim Keltenfest in Kelheim

Bunt, erlebnisreich und lebendig wurde das Ganze dann am letzten Tag des Keltenfestes. Im Hof des Keltenmuseums von Kelheim entstand ein echtes und authentisches Keltenlager, in dem das Leben der Kelten nachgespielt wurde: Gabanorix - ein Name, der in der Keltensprache nichts anderes als "Schmied" bedeutet - führte sein Handwerk vor. Kinder luden zu keltischen Spielen ein, und an den verschiedenen Lagerstätten erfuhren die Besucher viel Interessantes über das Alltagsleben der Kelten: welche Gewürze standen keltischen Köchinnen zur Verfügung, wie sahen die Waffen, Kettenhemden und Schutzhelme der Keltenkrieger aus, wo kochte man die Speisen für die gesamte Familie und vor allem wie sahen die Kelten selbst aus.

Erstmals fand das Keltenfest 2010 in Kelheim auch auf dem Marktplatz der Stadt statt. Regionale Handwerker und Händler reisten ganz der keltischen Tradition entsprechend aus dem Umland an und präsentierten ihre Waren und Produkte: Honig, selbstgebrauten Met aus Honig, Kirschen oder (wenn auch nicht ganz stilecht) aus Zitronen, Schmuck in den typischen Formen keltischer Schmiede, Glasperlen - keltisch inspiriert, aber mit modernem Einschlag.

Das Keltenfest in Kelheim war ein gelungenes Fest zu Ehren der Kelten, die das Tal der Altmühl schon vor Tausenden von Jahren bevölkerten. Wer sich für die Kelten interessiert, kann das ganze Jahr über ihren Spuren folgen im Archäologiepark Altmühltal und im Archäologischen Museum in Kelheim.

Monika Fuchs, Monika Fuchs

Monika Fuchs - Seit 1989 ist Monika Fuchs ganzjährig auf Reisen in den USA, Kanada, Zentralamerika, Australien, Südafrika, Namibia, Zimbabwe, ...

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