
- Musiker und Klavierbauer Gerd Stamm - Kadereit
Mehr als zehn Zentimeter dick ist jenes Album, in dem er unter dem Titel “Die drei Remscheider Parodisten” gut sechs Jahrzehnte lebendiger Musikgeschichte dokumentiert hat. Gerd Stamm ist ein Leben lang der Musik verbunden – sowohl beruflich als auch von der musischen Neigung her. 1933 geboren, wuchs er in Remscheid auf. Mit fünf Jahren bekam er Akkordeonunterricht und hatte bereits ein Jahr später mit dem Lenneper Akkordeon-Orchester seinen ersten öffentlichen Auftritt. Da mag er da schon auf den Geschmack gekommen sein. Eigentlich sollte er Architekt werden, doch als sich eine frei gewordene Lehrstelle als Klavierbauer ergab, brauchte der musikbegeisterte Junge keine lange Bedenkzeit. Er stellte sich sofort vor und bekam in Wermelskirchen den erträumten Ausbildungsplatz.
Klaviere und Flügel
Alles, was mit Klavieren und Konzertflügeln zu tun hatte, lernte er hier von der Pike auf, erfuhr, dass in großen Höhenlagen der Karpaten die besten Fichtenhölzer für die Resonanzböden zu holen sind und auf einem Rahmen des Instrumentes sage und schreibe 20 Tonnen Spannung hängen. So erwarb er die Fertigkeiten für ein Handwerk, in dem er mit Klavieren und Flügeln aller Art Bekanntschaft machen sollte. Gerd Stamm arbeitete nach Abschluss der Ausbildung in Wuppertal in einem großen Klavierbauergeschäft, ehe er sich schließlich am Remscheider Zentralpunkt selbständig machte. Klaviere verkaufen und die Instrumente stimmen wollte er fortan auf eigenes Risiko. Die Entscheidung erwies sich als richtig, denn er machte sich in der Region einen Namen und betreute mehr als zwei Jahrzehnte lang die Musikschulen in Elberfeld, Remscheid, Solingen und Wermelskirchen.
International bekannter Pianist zu Besuch
Als der russische Pianist Grigorij Sokolow in Remscheid gastierte, musste Stamm nicht nur dessen Klavier stimmen, sondern auf Wunsch des hypernervösen Künstlers auch vorn im Publikum sitzen, erinnert er sich schmunzelnd. 1953 gründete er zusammen mit Hans Rehborn und Otto Arntz die Musikgruppe “Remscheider Parodisten”. Die ehemaligen Sänger des Männerchors “Germania” starteten mit Auftritten bei Vereinsfesten und anderen örtlichen Veranstaltungen. So wurde das Unterhaltungstrio regional bekannt, ehe es zu Verpflichtungen in Kur- und Badeorten an Ost- und Nordsee, im Allgäu und in Berlin, in der Schweiz sowie im österreichischen Vorarlberg kam. Zur Mitwirkung beim “Spiel ohne Grenzen” fuhr das Remscheider Tanz- und Unterhaltungsensemble nach Verona, und viele Jahre lang spielte die Gruppe im Karneval beim WDR. Auftritte mit Rudi Carell, Trude Herr, Heinz Erhard, aber auch Howard Carpendale, Bruce Low und Peter Orloff ergaben sich als besondere Highlights. Rebecca Black und Adele lernte er jedoch nicht kennen.
Sextett gegründet
1965 gründete er zusammen mit gleich gesinnten Sportlern den Hobbyfußballclub Rot-Weiß Menninghausen, dessen Ziel es war, neben dem Kicken in den Veranstaltungen Überschüsse für wohltätige Zwecke zu erzielen. An die 100 000 DM konnten so im Laufe der Jahre gesammelt werden. Dreizehn Jahre später rief er das Bergland-Septett ins Leben, das nicht nur mit Oberkrainer Musik bestens ankam. Seit einigen Jahren organisiert er mit seinem langjährigen Mitstreiter Werner Franken die Veranstaltungen der “Remscheider Spätlese”. 1998 wurde Gerd Stamm die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen, vor allem eine Anerkennung für viele Jahre uneigennützigen Wirkens als Pianist, Akkordeonspieler, Heimorgelkünstler und Organisator. “Hinter jedem Erfolg steckt sehr viel Probenarbeit, aber es macht Freude”, blickt Stamm zurück.
