Wenn kleine Kinder schwindeln oder lügen

Wie Eltern mit Lügen umgehen und adäquat reagieren

Kinder lügen aus verschiedenen Gründen. Oft spielen Überforderung, Ängste, der Drang nach Aufmerksamkeit oder auch nur eine blühende Phantasie eine Rolle.

"Ich habe zum Geburtstag ein Pferd bekommen", erklärt die fünfjährige Emma ihrer besten Freundin. "Mama das kleine Gespenst hat den Saft umgeschüttet!" beteuert Max mit ernster Miene, als ihn seine Mutter zur Rede stellt. Eltern kennen solche Geschichten. Kinder erfinden Dinge, erzählen mit Begeisterung Geschichten und flunkern mit einem Grinsen im Gesicht. Es gibt aber auch Kinder, die regelmäßig lügen und so ihren Eltern Sorgen machen.

Wenn Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren lügen

Kinder lernen etwa ab dem dritten, vierten Lebensjahr, abhängig vom jeweiligen Entwicklunsstand, Reales von Phantastischem zu unterscheiden. Wobei die Grenzen für die Kinder oftmals noch stark verschwimmen. Wenn Kinder in diesem Alter Geschichten erfinden, ist das nicht nur ganz normal, sondern zeigt auch von einer positiven kognitiven Entwicklung. Da geht es nicht um bewusstes Lügen, sondern um kreatives Ausleben von Phantasie. Kinder erforschen ihre Umwelt und spielen das Erlebte in Rollenspielen nach.

Wenn Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren lügen

Ab dem Schulalter setzten Kinder Lügen auch bewusst und aus bestimmten Gründen ein. Sie versuchen sich mit Schwindeleien aus einer brenzligen Situation zu bringen. Oft haben Kinder Angst vor einer Bestrafung und wollen so die Verantwortung für ihr Tun nicht übernehmen. Das in Scherben liegende Teller wurde vom kleinen Bruder kaputt gemacht, obwohl das Baby, das noch in der Wiege liegt, es ganz offensichtlich nicht gewesen sein kann. Selbst wenn sie ganz ertappt worden sind, bleiben manche Kinder hartnäckig bei ihrer Schwindelei.

Manchmal kann bei bestimmten Geschichten schon auch einmal die Phantasie mit den Kindern durchgehen. Situationen, die Kinder besonders beeindruckt haben, werden dann noch zusätzlich ausgeschmückt. Kinder betonen so den starken Eindruck, den dies bei ihnen hinterlassen hat. Beispielsweise erklärt der kleine Konstantin seiner Mutter, dass er heute nach dem Kindergarten eine Million Menschen auf der Straße gesehen hat. Dies hat nichts mit bewusster Provokation oder Täuschung zu tun. Konstantin war einfach nur von dem gesehenen Menschenauflauf derart beeindruckt, dass er dies so ausdrückt.

Oft prahlen Kinder auch, weil sie vor anderen gut dastehen möchten. Sie wollen sich interessant machen und haben oft noch kein Gespür dafür, was glaubwürdig ist oder nicht.

Wie soll man als Eltern auf Schwindeleien reagieren?

Das hängt vom Alter des Kindes und der Häufigkeit der Lügen ab. Es verunsichert gerade kleine Kinder sehr, wenn die Eltern sie permanent ausbessern und ihnen vor Augen halten, dass die Geschichte nur ihrer Phantasie entsprungen ist. Hier ist es angebrachter, den Kinder zuzuhören und bei den Rollenspielen und kleinen Geschichten liebevoll mitzuspielen. Bei älteren Kindern, besonders dann wenn sie sich vor der Verantwortung drücken wollen wie beispielsweise bei der Geschichte mit dem Gespenst und dem Saftsee, kann man als Mutter oder Vater zwar ruhig mitspielen, das Kind aber nicht aus der Verantwortung lassen: "Du kannst dem Gespenst helfen den Saft aufzuwischen!" oder "Was, das Gespenst ist schon wieder weg? Dann musst du den Saft wegmachen."

Wiederholtes Lügen kann aber auch aus Angst vor Strafen geschehen. Man sollte dann als Eltern überlegen, ob die gewählten Strafen auch adäquat waren.

Tanja Guserl, Tanja Guserl

Tanja Guserl - Nach meinem Psychologiestudium an der Hauptuniversität Wien, absolvierte ich Zusatzausbildungen zur Klinischen Psychologin und ...

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