Wenn Männer vor der Liebe flüchten. Von Rhonda Findling

Die Beziehung mit Beziehungsneurotikern meistern! - Reichel Verlag
Die Beziehung mit Beziehungsneurotikern meistern! - Reichel Verlag
Mr. Right zu finden ist nicht einfach. Ewiges Sorgenkind ist der in seinen Gefühlen verworrene Mann. Dieses Buch gibt allen betroffenen Frauen Rat.

Männer sind definitiv keine Fabelwesen. Manchmal fühlen sie sich aber so an. Von Odysseus über Don Quichotte, Robinson Crusoe bis zu Casanova bietet der Markt der potentiellen Ehemänner alle möglichen Prototypen. Ernsthafte Männer mit ernsthaften Beziehungswünschen findet man aber nur, wenn frau auf die richtigen Zeichen achtet. Dieser Ratgeber verspricht Hilfe.

Typologie des ambivalenten Mannes

Im Blick dieses Buches steht der in seinen Gefühlen verworrene Mann. Die Autorin nennt ihn auch ambivalent (zwiespältig). Um diese Kategorie von Mann genauer zu beschreiben, erstellt sie dann sechs Untertypen, die die Autorin als Wegläufer, Spielchentreiber, Fehlerfinder und ähnliches bezeichnet. Jeder dieser Untertypen hat seine spezifischen Eigenschaften, die ihn für eine gesunde Beziehung entweder gar nicht oder nur bedingt tauglich machen. Jedem dieser Männer ist ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem die Autorin erklärt, welche Ursachen diese Art von ambivalenten Mann "hervorruft" und wie man mit ihm umgehen sollte.

Als Beispiel: Der Spielchentreiber

Einer dieser Untertypen ist der sogenannte Spielchentreiber. Rhonda Findling charakterisiert ihn als jemanden, der äußerst charmant ist, gerne flirtet, Avancen macht, aber es dann nie zu einer ernsthaften Beziehung kommen lässt. Häufig lässt er "seine" Frau nicht aus den Augen, bleibt aber platonisch. Die Ursachen dieses Verhaltens liegen oft in der Kindheit: "Der Spielchentreiber wuchs wahrscheinlich mit einer Mutter auf, die kalt, distanziert und zurückweisend, vielleicht sogar verächtlich ihm gegenüber war." (Seite 26) Dies führe dazu, dass der Spielchentreiber Angst vor Nähe habe, um seine sexuelle Identität ringe (ist er heterosexuell oder homosexuell?) oder Frauen verachtet und dies zeigt, indem er sie "an der Nase" herumführt.

Was Frauen bindet

Damit der ambivalente Mann "funktioniert", braucht er eine Frau, die auf seine Eigenschaften hereinfällt. Natürlich hat dieser Mann seine Strategien angepasst. Und trotzdem können Frauen aus ihrer eigenen Geschichte Charakterzüge haben, die sie für diesen Typ Mann empfänglich machen. Dazu gehört zum Beispiel, dass eine Frau in ihrer Kindheit mit einem ambivalenten oder abweisenden Elternteil aufgewachsen ist. Doch auch andere Probleme im Jugendalter (Schulwechsel, Mobbing und Bullying in der Schule, Magersucht) können eine Frau in ihrer Partnerwahl falsch prägen.

Was Frauen bei ambivalenten Männern hilft

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie sich eine Frau vor einem zwiespältigen Mann schützen kann. Die oberste Regel heißt jedoch Transparenz. Diese erreicht die Frau auf einem doppelten Wege: zum einen ist sie sich selbst gegenüber ehrlich, was sie überhaupt will; zum anderen klärt sie gegenüber dem Mann ihre Position und setzt Grenzen und Regeln. Dies sind jedoch nur grobe Richtungen, die im Buch besser und feiner ausgearbeitet werden.

Ratgeber oder reduzierte Psychoanalyse?

Eines muss bei diesem Ratgeber klar sein: er ersetzt keine Therapie bei gravierenden Problemen und keinen Anruf bei der Polizei bei gravierenden Belästigungen. Hier bleibt das Buch öfter verschwommen. Sicherlich werden die wenigsten Männer, auch wenn sie ambivalent sind, kriminell handeln. Und doch hätte man sich hier mehr Klarheit gewünscht, wo die rechtlichen Grenzen sind. In einigen Fällen, die im Buch geschildert werden, liegt nach deutschem Recht ein solcher Straftatbestand vor. Dies ist der Nachteil, wenn ein amerikanisches Buch übersetzt wird.

Auch die Abgrenzung gegenüber pathologischen Fällen von Beziehung wird nur ungenügend vollzogen. Zwar wird die Sprache der Psychoanalyse immer wieder genutzt, aber der innere Zusammenhang, den eine Theorie wie die Psychoanalyse aufbaut, nicht nachvollzogen. Sicher ist es auf der einen Seite richtig, Beziehungsstörungen lebenspraktisch zu erfassen; doch unter der Hand wird ein Wortschatz eingeführt, mit dem selbst informierte Laien höchst vorsichtig umgehen sollten. Das Buch birgt die Gefahr, seine eigenen Probleme zu sehr auf den (möglichen) Partner zu übertragen.

Frau oder Mutter - auch eine Art von Sexismus

Frappierend an vielen modernen Darstellungen der Frau ist, wie seltsam diese mit den Vorstellungen von Müttern "verknotet" werden. Auf der einen Seite scheinen sich Frauen nichts mehr zu wünschen als Mutter zu sein; die Autorin spricht des öfteren davon, dass "die biologische Uhr tickt", also die Möglichkeit, schwanger zu werden, verstreicht. Auf der anderen Seite seien es häufig die Mütter, die die Frau empfänglich für den beziehungsgestörten Mann gemacht haben. Die Väter tauchen in diesem Buch selten auf. Auch die Väter beziehungsgestörter Männer werden kaum beachtet. Zwar ist die Trennung von Frau und Mutter nie ausdrücklich benannt, doch kann das nicht beruhigen. Oftmals sind (trennende) Bilder eindrücklicher als eine offene Argumentation. Dass eine Frau sich vor allem wünscht, Mutter zu sein, Mutter-sein allerdings bedeutet, seine Kinder wahrscheinlich zu missbrauchen, liest sich unterschwellig mit. Hier offenbart sich bei genauerem Lesen ein undeutlicher, aber dennoch abgründiger Sexismus.

Der Wert eines lebensnahen Frauenratgebers

All dies macht das Buch nicht wertlos. Vor allem die sprachlich ansprechende Übersetzung zeigt, dass zumindest die Übersetzerin ihr Unbehagen mit vorsichtiger Ironie ausdrücken kann. Dies wäre natürlich mit dem Original zu vergleichen. Insgesamt macht die Sprache mit ihren kleinen Metaphern, Verdrehungen und Bildern aber Spaß. Und auch die Ratschläge sind, wenn man ihnen nicht allzugroßes Gewicht beilegt, durchaus akzeptabel. Sie sind in gewisser Weise in der Psychoanalyse verankert, zeigen aber auch eine Nähe zu systemischen Ansätzen. Insofern sind die Tipps legitim, wenn auch die Klarheit insgesamt hätte deutlicher sein dürfen. Redaktionell muss man lobend hervorheben, dass es kaum Fehler im Text gibt. Schriftsatz und Bindung lassen nichts zu wünschen übrig.

Literatur

Findling, Rhonda: Wenn Männer vor der Liebe flüchten. Wie man mit Beziehungsneurotikern glücklich wird - oder sie meidet. Weilersbach 2011. Übersetzt von Brigitte van Hattem.

Link

Reichel-Verlag

Frederik Weitz, Frederik Weitz

Frederik Weitz - "Ich denke gern." hat der französische Philosoph Michel Foucault mal gesagt. Das ist zwar nicht mein einziges Lebensmotto, aber ...

rss