"Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!"

Dieses ist das wohl bekannteste Zitat Marie Antoinettes, doch heute weiß man: es ist frei erfunden

Nach der Krönung Ludwig XVI. zogen Aufrührer durch die Straßen Paris und forderten billiges Brot. Die Zeiten waren hart, die schlechte Ernte hatte den Weizenpreis in die Höhe schnellen lassen und der Staat war hoch verschuldet.

Das Volk hoffte, dass sein neuer König die Not lindern würde. Es waren wirklich sehr schwere Zeiten, doch Frankreichs eigentliches Problem waren die stark überalterten Regierungsinstitutionen. Damit sie funktionierten brauchte das Land einen brillanten König. Ludwig XVI. war ein liebenswerter, anständiger, recht intelligenter und sehr gewissenhafter Mann, der jedoch nie König werden wollte. Ludwig war kein Machtmensch, der den Thron anstrebte. Er fand die Rolle des Königs belastend, stellte sich aber der Verantwortung. Während er sich selbst jeder Art von Ausschweifung streng enthielt, gönnte er hingegen seiner Gemahlin und seinen Kindern einen Aufwand, welcher umso weniger in der Ordnung war, als der Zustand Frankreichs mit jedem Jahr schlechter wurde.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war Versailles eine Oase an Extrawahnganz und Luxus, umgeben in einem Land in dem die Verzweiflung herrschte. Der stetige Niedergang ließ die Unruhe im Volk wachsen. Für das französische Volk war Mehl zu dieser Zeit die Existenzgrundlage. Mehl bedeutete Brot, Brot bedeute Leben. Für die einfachen Menschen war Brot wichtiger als alles andere. Den Preis spürte jeder Mann. Wenn er sich verdoppelte, dann hatte man ein riesiges Problem. Die spärlichen Vorräte wurden gehamstert. Ein Leib Brot kostete ein Monatseinkommen, aus Hunger wurde Wut. Im ganzen Land brachen Unruhen aus, es ging ums Überleben. Bäckereien wurden geplündert und Ladenbesitzer, die man verdächtigte Brot zu horten, wurden an Ort und Stelle gelyncht.

Seit Jahren kursierten im Land pornografische Satire über den König und die Königin, sie machten sich über Ludwigs Impotenz lustig und zeichneten von Marie Antoinette das Bild einer Hure an einem zügellosen und verdorbenen Hof. Sie wurde als ein sexuell unersättliches Wesen verteufelt, das sich in alle einmischte und nach dem Blut des Volkes dürstete. Die Königin sollte als Monster dargestellt werden. „Der Hass auf Marie Antoinette war sehr stark“, schrieb der britische Botschafter, „wäre sie durch die Straßen von Paris gelaufen, man hätte sie in Stücke gerissen.“

Das Wohl berühmteste Zitat von Marie Antoinette „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche [Kuchen] essen.“ ist jedoch nur ein Gerücht, dieser Ausspruch stammt nachweislich nicht von ihr, denn bereits vier Jahre vor Marie Antoinettes Thronbesteigung wurde es von Jean-Jacques Rousseau in der Autobiografie „Die Bekenntnisse“ veröffentlicht. Dies ist eine Wanderanekdote, die schon der Frau von Ludwig XIV. vorgeworfen wurde. Wörtlich heißt es dort: "je me rappelai le pis-aller d’une grande princesse à qui l’on disait que les paysans n’avaient pas de pain, et qui répondit: Qu’ils mangent de la brioche." (deutsch: „Endlich erinnerte ich mich des Notbehelfs einer großen Prinzessin, der man sagte, die Bauern hätten kein Brot, und die antwortete: Dann sollen sie Brioche essen!“)

Quellenangaben

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Antoinette
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution
  3. http://www.dieterwunderlich.de/Marie_Antoinette.htm
  4. Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters
  5. Antonia Fraser: Marie Antoinette