
- Wer schrieb die Bibel? Foto einer Hausbibel - Astrid Treumann
Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen oder als Eingebung diktiert worden. Sie ist ein Buch aus Büchern, ein vielschichtiges Zeugnis eines historischen Zeitraums. Zusammengesetzt aus mehreren einzelnen Büchern vieler Verfasser, die zu verschiedenen Zeiten lebten.
Die Texte der Bibel
Älteste Texte in der Bibel sind vermutlich poetische Teile, Lieder oder Psalmen. Gesetzliche Regelungen, Berichte zu Kriegen, Eroberungen und Niederlagen kamen später hinzu. Weiterhin die Aufzeichnungen der Propheten und die Sprüche der Weisen. Zudem die Erzählungen des Leben Jesu, die Evangelien, Briefe und Prophetie des Johannes, die so genannte Apokalypse.
Die Bibel in heutiger Form entstand über eine Zeitspanne von etwa 1.200 Jahren. Obwohl die Bibel immer wieder Verfasser benennt, erkannte die moderne Bibelforschung Widersprüchliches. Früher eindeutig bestimmte Autoren von Texten wurden gar nicht von dieser Person geschrieben, sondern ihr nur später zugeschrieben. So wurde beispielsweise im Buch des Propheten Jesaja ein Teil zu einer späteren Zeit geschrieben, als er nicht mehr am Leben war. Doch im Sinne des Glaubens wertet es diese Textteile nicht ab, da sie inhaltlich zu den wichtigen Aussagen biblischer Überlieferung gehören.
Der Charakter biblischer Buchteile
Die Verfassergruppen biblischer Texte waren beeinflusst von der Kultur ihrer Zeit und ihrer Umgebung. So entstanden die Bibeltexte auch in der Auseinandersetzung mit gleichzeitig umlaufenden Erzählungen und Überlieferungen aus anderen Kulturkreisen. So haben diese Überlieferungen eigenes Erleben und überkommene Erfahrung relativiert. Die biblische Schöpfungsgeschichte veränderte beispielsweise Bilder und Vorstellungen babylonischer Tradition.
Das Neuen Testament entstand im Spektrum jüdischer und griechischer Vorstellungen. Bibelforscher sehen die Bibel wie ein Bauwerk aus verschiedensten Elementen. Die Bezeichnung dieser Textsammlungen als “Bibel” geht auf einen um 400 lebenden Prediger zurück, wegen seiner beeindruckenden Predigten “Chrysostomus” (Goldmund) genannt, der das Wort “biblia” (Buch oder Buchrolle) für die Schriftensammlung wählte.
Die Heilige Schrift der ersten Christen
Zu den ältesten Handschriften - der Hebräischen Bibel - gehört die in den Felsenhöhlen bei Qumran gefundene Jesajarolle. Vermutlich wurde sie im ersten oder zweiten vorchristlichen Jahrhundert geschrieben. Der etwa 1000 Jahre jüngere “masoretische Text”, welcher im 10. und 11. Jh. als Altes Testament gebraucht wurde, ist fast identisch. Nach moderner Bibelforschung reichen die biblischen Textteile nicht weiter zurück, als bis in das siebente vorchristliche Jahrhundert. Doch viele Elemente stammen aus einer viel älteren Zeit.
Die “Vätergeschichten” (Abraham, Isaak, Jakob im ersten Buch Mose) und die Sammlung der Zehn Gebote stammen vermutlich aus einer Zeit zwischen 1300 und 1100 v.Chr.. Mit Beginn der so genannten “Königszeit” (König David von Jerusalem) um 1030 v.Chr. wurde vermutlich verstärkt damit begonnen, bislang nur mündlich überlieferte Erzählungen aufzuschreiben. Ebenso die Befreiung aus Ägypten, die Wanderung durch die Wüste, die Gesetzgebung am Berg Sinai und die Eroberung des Landes Kanaan in Schriftform zu dokumentieren.
Historische Ereignisse beeinflussten die Bibel
Die Eroberung Israels durch die Babylonier 587 v. Chr. führte dazu, dass die verschiedenen Quellen redaktionell zusammengefügt wurden. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse lernten die Schriftgelehrten, die Geschichte ihres Volkes neu zu betrachten. So entstanden in diesem Zeitraum die “Fünf Bücher Mose” in heutiger Form. Weiterhin die alten Prophetenschriften, ergänzt durch die neuen Propheten. Alte Quellen (“jahwistische Quelle” nach dem vom Verfasser gebrauchten Gottesnamen “Jahwe” und “elohistische Quelle” nach dem zweiten Gottesnamen “Elohim”) wurden zusammengeführt und systematisiert.
Das Buch des Propheten Daniel ist das jüngste Buch, da es erst Mitte des 1.Jh. v.Chr. hinzukam. Die Hebräische Bibel war in ihrer Entwicklung an einen Endpunkt gelangt, als Jesus geboren wird. So war sie die Heilige Schrift der ersten christlichen Gemeinden. Mit dem Verständnis des Jesus von Nazareth als dem verheißenden Messias Israels wertete man die Verheißungen vom Alten Testament als erfüllt.
Die Weiterentwicklung zum Neuen Testament
Das Christentum hat sich nicht an die jüdische Festlegung des Kanons (39 Bücher) gehalten, sondern größeres Interesse an einen Schriftenkanon zum Neuen Testament entwickelt. Die ältesten Teile sind die Briefe des Apostel Paulus. Das neue Testament entwickelte sich langsam aus Sammlungen und Erzählungen zu den Worten Jesu und seinem Leben. So befinden sich in der heutigen Bibel vier unterschiedliche Schilderungen vom Wirken Jesu - die Evangelien. Sie enthalten zahlreiche Anweisungen zum Verhalten der neuen Gemeinschaften. Das letzte Buch ist die “Offenbarung des Johannes”. Es enthält viele Visionen, vermutlich aufgeschrieben im 1. Jh. n. Chr..
Keine neutestamentarische Schrift ist im Original enthalten. Sie gehen auf Handschriften in griechischer Sprache zurück. Der ursprüngliche Text wurde von Bibelwissenschaftlern durch Textvergleiche rekonstruiert. In Kapitel und Verse wurden die biblischen Bücher erst recht spät eingeteilt, etwa im 13. Jh.. Ihrem Charakter nach ist die Bibel eine Sammlung von Geschichtsbüchern, jedoch nicht im chronologischen Verlauf der Ereignisse. Verschiedene Personen haben in ihr ihre eigenen und die Erfahrungen ihres Volkes und ihrer Gemeinschaft mit dem Glauben an Gott niedergeschrieben. Die biblischen Geschichten bezeugen, dass Gott die Menschen trotz ihrer Fehler nicht aufgibt. Das er ihnen Vergebung zuteil werden lässt. Texte und Zeugnisse des Glaubens sowie historisch nachvollziehbare Menschheitsgeschichte.
Quelle: Ralph Ludwig, Christentum - Alles, was man wissen muss, 2007, Stuttgart, Verlag Kreuz GmbH, 192 Seiten, 16,95 Euro
