Wer ist Bernard-Henri Lévy?

Bernard-Henri Lévy im Hotel Le Bristol Anfang 2011 - LCP
Bernard-Henri Lévy im Hotel Le Bristol Anfang 2011 - LCP
Als Mitbegründer der Nouvelle Philosophie gehört Lévy zu einem der bekanntesten - noch lebenden - französischen Philosophen.

1948, nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs geboren, beschäftigte sich der gebürtige Algerier sehr früh mit Philosophie und dem politischen Journalismus. Als Sohn einer wohlhabenden Familie, sein Vater war Besitzer der Holzverarbeitungsfirma Becob, war er in der Lage, sich sein Betätigungsfeld auszusuchen und entschied sich für ein Philosophiestudium an der École normale supérieure.

BHL und die Nouvelle Philosophie

Bernard-Henri Lévy, der selbst gerne seine Initialen BHL verwendet und mit diesen auch offen umgeht, gründete Anfang der 1970er – gemeinsam mit anderen Weggefährten wie zum Beispiel André Glucksmann, Jean-Paul Dollé und Alain Finkielkraut – die intellektuelle Gruppe Nouvelle Philosophie. Die neuen Philosophen um Lévy traten in seinen Anfangsjahren vor allem durch Kritik an Existenzialisten und Poststrukturalisten wie Jean-Paul Sartre, Michel Foucault und Jacques Lacan in Erscheinung. Durch die Publikationsreihe „L'Archipel du Goulag“ erreichte die Nouvelle Philosophie eine breite Öffentlichkeit und verkauften mehr als 1,3 Millionen Bücher. In den Folgejahren verlegte sich die Kritik der Gruppe vor allem auf die sozialphilosophischen Ansätze des Multikulturalismus.

Journalismus und Kriegsberichterstattung

Nach seinem Studium begann Bernard-Henri Lévy seine Arbeit bei der Zeitung Combat, für die er 1971 nach Bangladesh reiste, um dort über den Krieg zwischen Pakistan (vormals Westpakistan) und Bangladesch (vormals Ostpakistan) zu berichten. Die dort gesammelten Erfahrungen verarbeitete Lévy später in dem Buch „Bangla-Desh, Nationalisme dans la révolution“, das 1973 erschien. Nach der Veröffentlichung arbeitet er für das Verlagshaus Grasset, um dort an den drei Serien „Enjeux“, „Figures“ und „Théoriciens“ mitzuarbeiten.

Gemeinsam mit Marek Halter und Renzo Rossellini reiste er Anfang der 1980er Jahre nach Afghanistan, um den dortigen Widerstandskämpfer mit allem zu versorgen, was sie benötigen, um eine funktionierende Radiostation einzurichten. Kurz danach ist „Radio Free Kaboul“ geboren. Über seine Reise nach Afghanistan – welches zu dieser Zeit noch von der Sowjetunion besetzt war – und die dortigen Erfahrungen berichtete BHL anschließend im Le Nouvel Observateur.

2004 reist Bernard-Henri Lévy neun Monate lang durch die USA. Bewaffnet mit einem Chauffeur und einer gewissen positiven Grundstimmung für den American Way of Life, hält BHL die Eindrücke seiner Reise für das US-amerikanische Magazin Atlantic Monthly fest. Am Ende seiner Reise – wie so oft in seinem Leben – beschreibt Lévy seine Erfahrungen in Buchform: „American Vertigo: Traveling America in the Footsteps of Tocqueville“.

Bernard-Henri Lévy polarisiert

BHL ist sicherlich alles andere als ein Intellektueller auf Schmusekurs. Er ist oft ungemütlich, eckt an und nennt Dinge beim Namen, auch wenn diese – vor allem von seinen zahlreichen Kritikern – als unüberlegte Schnellschüsse abgetan werden. In diesem Punkt ähnelt er dem französischen Diplomaten Stephane Hessel. Auch vermeintliche Freunde und Bekannte, wie zum Beispiel der amtierende französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, sind vor den Ansichten BHLs nicht gefeit. So weigerte dieser sich Anfang 2007 für die Wahl von Sarkozy aufzurufen, da er seiner Meinung nach unberechtigte Kritik an den 1968ern übte. 2011 zeigte sich Lévy aber wieder als enger Verbündeter von Sarkozy und gilt als einer seiner engsten Berater in der Libyenkrise.

Im SPIEGEL spricht BHL ebenfalls über Libyen und geht explizit auf die Rolle Deutschlands ein und dessen Enthaltung bei der Frage der Flugverbotszone im UN-Sicherheitsrat. „Wir haben sehr viel Zeit verloren wegen der Deutschen, und das ist eine Katastrophe, vor allem für die Libyer, aber auch für die Deutschen, die ihre Entscheidung noch bitter bezahlen werden“, sagte Lévy im SPIEGEL. Er sieht Guido Westerwelle als ein Desaster an und dessen Entscheidungen als ein „Tal der Schande“.

Quellen:

Andreas Schnell, Andreas Schnell

Andreas Schnell - Andreas Schnell ist freier Autor / Journalist und lebt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Töchtern in Frankfurt/Main. Redaktionell ...

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