Wer rettet den Euro?

Neue Ideen Ideen zur Rettung des Euros unterbreitete Hans-Olaf Henkel am Donnerstag in der ZDF-Fernsehsendung Maybritt Illner. Ein Modell für Skandinavien?

In der illustren Runde, die Maybritt Illner zu ihrer neuesten Sendung versammelt hat, saß neben Außenminister Guido Westerwelle, Ex-Finanzminister Hans Eichel und dem politischen Enfant terrible Oskar Lafontaine auch der Manager und ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel. In der hitzigen Diskussion um die Perspektiven für die Rettung des Euros unterbreitete er einen bemerkenswerten Vorschlag.

Teilung der Eurozone

Seiner Ansicht nach sollte man in Europa nicht den selben Fehler machen, wie man ihn in Deutschland seit Jahrzehnten betreibt. Dort gibt es den Lastenausgleich, der dafür sorgt, dass Regionen mit finanziellen Schwierigkeiten von Regionen, die diese Schwierigkeiten nicht haben unterstützt werden. Eine ähnliche Lösung gäbe es derzeit auch für Europa und die Eurozone. Das werde aber am Ende unbezahlbar sein, so der Manager.

Sein Vorschlag stattdessen ist, Ländern, die derzeit in großen Schwierigkeiten sind, eine zweite Chance im Euro zu geben, notfalls mit einem Austritt und späteren Wiedereintritt in die Eurozone. Und darüber hinaus empfahl er einen Euro der zwei Geschwindigkeiten, einen Nord-Euro und einen Süd-Euro. Zum Bereich des Nord-Euros sollten Länder wie Deutschland und die skandinavischen Länder gehören. Der Süd-Euro sollte Frankreich und den Mittelmeerländern offen stehen. Insbesondere eine Trennung zwischen Deutschland und Frankreich stieß jedoch auf härtesten Protest des Außenministers.

Modell für Skandinavien

Henkels Vorschlag könnte indes ein Modell für Skandinavien bieten. Bisher ist nur Finnland Mitglied der Eurozone, Dänemark und Schweden nicht. Norwegen ist nicht einmal Mitglied der Europäischen Union. Eine Zweiteilung des Euros scheint dabei allerdings nicht die Lösung zu sein, aber möglicherweise eine nordeuropäische Währungsunion, bei der die Währungen Dänemarks, Schwedens und Norwegens zu einer gemeinsamen skandinavischen Krone vernetzt werden könnten. Das könnte den drei Nordlichtern Probleme ersparen, die der Euro derzeit hat, aber dennoch die Möglichkeit eines größeren vernetzten Binnenmarktes in Skandinavien eröffnen. Das wäre insbesondere ein Plus für die Öresundregion und die Region um Oslo. Doch auch im Verhältnis zum übrigen Europa könnte eine solche Währungsunion Signalwirkung und positive Auswirkungen auf den Handel mit anderen EU-Ländern haben.

Skandinavische Zusammenarbeit mit langer Tradition

Dabei ist eine Vernetzung und Zusammenfügung der Wirtschaften dieser drei nordischen Länder in der Geschichte nicht ohne Beispiel. Bereits 1397 schuf die dänische Königin Margarete I. mit der Kalmarer Union ein nordisches Großreich, das immerhin fast 150 Jahre Bestand hatte. Später bildeten Dänemark und Norwegen eine Einheit, und bis 1905 bildeten Schweden und Norwegen einen gemeinsamen Staat. Die drei Staaten haben also seit jeher eine Tendenz zum gemeinsamen Handeln. So gründeten sie gemeinsamen mit einigen anderen europäischen Staaten im Jahre 1960 in Stockholm die EFTA, die Europäische Freihandelsassoziation, deren Ziel es war, eine europäische Freihandelszone zu bilden. Diese Funktion übernahm dann nach und nach die EU, was die EFTA nahezu unbedeutend machte. Eine Wiederbelebung könnte jedoch zu einer gemeinsamen EFTA-Währung, also einer gemeinsamen Krone, neben dem Euro führen.

Auch der Grenzverkehr zwischen den nordeuropäischen Ländern ist seit Jahr und Tag sehr stark erleichtert. Schon lange, bevor die EU sich auf das Schengener Abkommen einigen konnte, hatte man in Nordeuropa den grenzfreien Verkehr zwischen diesen Ländern durchgesgetzt. Und nicht zu vergessen ist natürlich auch das sprachliche Phänomen, dass Dänisch, Schwedisch und Norwegisch so eng miteinander verwandt sind, dass sie von manchen Wissenschaftlern als Dialekte einer gemeinsamen nordischen Sprache angesehen werden. Dieser Logik folgt übrigens auch der Fremdenverkehrsverband der deutschen Hauptstadt, der keine Stadtführungen auf Dänisch, Schwedisch oder Norwegisch anbietet, sondern lediglich auf Skandinavisch.

Auch die Wirtschaftskraft der Länder ist ähnlich gelagert. Tonangebend dabei ist natürlich das an wichtigen Bodenschätzen reiche Norwegen. Aber auch Dänemark und Schweden lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Mit grenzüberschreitenden Ballungsräumen in der Öresundregion im Großaum Kopenhagen / Malmö mit 3,5 Millionen sowie im Ballungsraum Oslo mit knapp zwei Millionen Einwohnern ist bereits jetzt ein wichtiger Schritt für eine engere Zusammenarbeit getan. Wichtige Ballungszentren der Region sind darüber hinaus die Regionen um die schwedische Hauptstadt Stockholm und um Göteborg mit je etwa einer Million Einwohnern. Gleichzeitig sind diese Ballungszentren auch Sitz weltmarktführender Firmen, wie Tetra Pak, Sony Ericsson und vieler anderer mehr.

Ein Blick in eine mögliche Zukunft

Die Nordeuropäer sind nach wie vor skeptisch zum Euro. Die derzeitige Entwicklung des Euros wird an dieser Skepsis nichts ändern. Allerdings könnten die drei nordischen Länder neue Wege für sich auftun und damit ein noch stärkerer Akteur auf dem europäischen und dem Weltmarkt werden.

Der Autor mit seiner Familie, Joakim Rasmussen

Jeremiah S. Richter - Geboren 1964 in Magdeburg, Studium in Dresden, Kaluga, Stockholm und Lund (Slawistik und Geografie im Lehramt, Germanistik, ...

rss