Werbung im Bestattungsgewerbe

Zwischen gutem Geschmack und Pietätlosigkeit

Im Gegensatz zu anderen Unternehmenssparten inserieren Bestattungshäuser kaum in der lokalen Presse.

Die meisten Bestattungshäuser und Beerdigungsinstitute sind lediglich in Telefonbüchern oder in den Gelben Seiten zu finden. Im November, insbesondere zu den Feiertagen Allerheiligen und Totensonntag, gibt es häufig Sonderbeilagen in den Tageszeitungen zum Thema Tod, Trauer und Bestattung, wobei die Anzeigen meist schlicht gehalten sind und sich im Groben auf die durch das Institut angebotenen Möglichkeiten der Bestattung beziehen. Neben Name, Anschrift und Telefonnummer des jeweiligen Bestattungshauses findet sich häufig noch ein Hinweis darauf, seit wann jenes Unternehmen in der jeweiligen Stadt besteht. Im Allgemeinen ist die Werbung für Bestattungshäuser schlicht und unaufdringlich gehalten.

Bestattungen zu Discount-Preisen

Im Ruhrgebiet ist in Einzelfällen das Phänomen zu beobachten, dass mit Tiefpreisen für Bestattungen geworben wird. Ein Essener Bestattungsunternehmen mit mehreren Zweigniederlassungen inseriert regelmäßig in der lokalen Tages- oder Wochenpresse und wirbt marktschreierisch mit seinen günstigen Preisen. Diese Annonce erinnert eher an die bunten Prospekte von Lebensmittel- oder Textildiscountern, in der mit Niedrigstpreisen für bestimmte Produkte geworben wird. Bei dieser aufdringlichen Form der Werbung, in der der Inhaber des Beerdigungsinstituts explizit darauf hinweist, dass sein Beerdigungsinstitut führend im Ruhrgebiet ist, stellt sich die Frage, ob trauernde Angehörige sich im Zusammenhang mit dieser marktschreierischen Werbung wirklich gut beraten und betreut fühlen. Allerdings musste der Inhaber offensichtlich eine Einschränkung seines Slogans „das führende Beerdigungsinstitut im Ruhrgebiet“ vornehmen, denn mittlerweile findet sich in etwas kleinerer Schrift der Zusatz „bezüglich der Anzahl durchgeführter Bestattungen“. Gleichwohl wird direkt in der Anzeige mit dem Preis von Särgen/Urnen und kompletten Bestattungsprogrammen geworben.

Um die eigene Seriosität zu unterstreichen, findet sich in dem Inserat ein Hinweis, dass im Heft 11/2004 der Stiftung Warentest über die von dem Bestattungshaus erbrachten Leistungen berichtet wurde. Interessanterweise findet sich jedoch kein Hinweis dazu, ob die Beurteilung durch die Stiftung Warentest positiv oder negativ ausgefallen ist. Eine Recherche hat ergeben, dass die Gesprächsführung und Atmosphäre mit der Durchschnittsnote „gut“ bewertet wurden (wie bei den anderen getesteten Bestattern auch, manche schnitten in diesen Punkten sogar mit „sehr gut“ ab). Die Kostentransparenz wurde mit "ausreichend" bewertet, dies gilt jedoch auch für weitere Bestatter. Die Stiftung Warentest beurteilt die Kostentransparenz aller getesteten Institute bestenfalls mit befriedigend, meist jedoch mit ausreichend. Es stellt sich die Frage nach der Repräsentativität des Tests, denn es wurde nur eine kleine Anzahl von Bestattungshäusern im gesamten Bundesgebiet getestet.

Neuerdings findet sich im Internet-Auftritt des o. g. Anbieters, der der Zeitungsanzeige sehr gleicht, der Zusatz, dass das Beerdigungsinstitut Informationsfahrten zum Krematorium nach Venlo durchführt. Unwillkürlich fühlt man sich bei dieser Art der Werbung an eine Kaffeefahrt erinnert.

Vergleicht man diese Annonce mit den Homepages von alteingesessenen Beerdigungsinstituten, so stellt man fest, dass sich dort nicht ein einziger Hinweis auf Pauschalangebote nebst Angabe der Kosten befindet. Meist stellt sich das Unternehmen selbst kurz vor und erläutert übersichtlich, welche Formalitäten anfallen und durch das Bestattungshaus erledigt werden. Offensichtlich wird dort mehr Wert auf eine persönliche Beratung gelegt, so dass die Kostenfrage ebenfalls im persönlichen Gespräch mit den Hinterbliebenen erörtert wird. Oft findet sich noch ein Hinweis auf die Möglichkeit, eine Vorsorgeversicherung abzuschließen, um die Frage nach der Kostenübernahme für die Bestattung bereits vor Eintritt des Todesfalls zu klären.

Veränderte Bestattungskultur

Wie bereits an anderer Stelle erläutert, haben sich die Bestattungssitten in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren verändert. Die Zahl der (anonymen) Urnenbeisetzungen steigt, während viele Erdgräber und -gruften nach Einebnung zumindest für einige Zeit nicht neu belegt werden. Sofern keine Vorsorgeversicherung abgeschlossen wurde, stellt sich für die Hinterbliebenen häufig die Frage nach der Finanzierung eines Begräbnisses. In bestimmten Fällen werden die Kosten vom Sozialamt übernommen, wobei Bestattungen, die von den Behörden bezahlt werden, natürlich nicht mit allen möglichen Sonderwünschen der Hinterbliebenen umgesetzt werden können, so dass in diesen Fällen die angemessene Ehrung des Verstorbenen hinter finanziellen Aspekten zwangsweise zurücktritt.

Trotz der veränderten Bestattungskultur und knapper werdenden finanziellen Ressourcen vieler Bürger stellt sich die Frage, ob diese Grundbedingungen eine marktschreierische Werbung rechtfertigen, in der Särge, Urnen und Bestattungsprogramme zu vermeintlichen Schleuderpreisen angeboten werden. In den letzten o. a. Sonderbeilagen in der lokalen Presse wiesen alteingesessene Bestattungshäuser, die der Handwerkskammer angehören, implizit darauf hin, dass Berufskollegen, die mit Discount-Preisen für Bestattungen werben, gerne verschweigen, dass sie sich bestimmte Leistungen, die normalerweise im Preis inbegriffen sind, ebenfalls vergüten lassen. In der Konsequenz entpuppt sich das vermeintliche Sparangebot häufig als Mogelpackung. Entweder unterscheiden sich die Kosten bei einem Discount-Anbieter nicht oder nur geringfügig von denen, die bei einem alteingesessenen Bestatter auch angefallen wären oder im ungünstigsten Fall sind Beerdigungen, die über Discount-Anbieter abgewickelt werden, sogar wesentlich teurer aufgrund der versteckten Kosten.

Bei aller Trauer um den Verstorbenen: Preisvergleiche sind erlaubt und notwendig

Ein Preisvergleich lohnt in jedem Fall, erläutert die Stiftung Warentest. Sicherlich wünscht sich jeder Hinterbliebene ein angemessenes Begräbnis für den Verstorbenen, dennoch sollte man sich nicht von dem Bestatter überrumpeln lassen, indem dieser versucht, die momentane psychische Verfassung der trauernden Angehörigen für seine Zwecke auszunutzen. Die Frage nach der Kostentransparenz im Angebot ist in jedem Fall von entscheidender Bedeutung. Eine Auswahl empfehlenswerter Beerdigungsinstitute findet sich unter www.gute-bestatter.de.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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