
- Werner – Eiskalt! Ab 30.06.2011 im Kino - © 2011 Constantin Film Verleih GmbH
Mittlerweile ist Werner Wernersen, die Bölkstoff-getriebene Wurstnase unter den deutschen Comic-Helden, dreißig Jahre alt. 1981 erschien Rötger Feldmanns erster Comicband unter dem Titel »Werner – oder was?«. Seitdem hobelt Werner auf mehr oder weniger Tüff-kompatiblem Gerät durch die Nordnorddeutsche Tiefebene und darüber hinaus. Für die fünfte in einer Reihe der denkwürdigen Werner-Verfilmungen dient nun der 1985 erschienenen Comicband »Werner – Eiskalt« als lockere Vorlage. Und somit auch das Leben der Brüder Andi und Rötger Feldmann. Während der eine tatsächlich bei einem Meister des sanitären Handwerks in die Lehre ging, brachte Bruder Rötger seine zeichnerischen Qualitäten und natürlich seine Erfahrungen als zweiradgetriebener Außenseiter ein, nachdem sein eigener Arbeitgeber in Flensburg ihn als ausgelernter Lithograf aufgrund wiederholten Karikierens von Vorgesetzten feuerte.
»Werner – Eiskalt«: 1985 und im Kinosommer 2011
Schon im Trailer des fünften bewegtbebilderten Werner-Abenteuers wird die Frage aufgeworfen, wann dem ständigen Installateurslehrling und seiner bezeichnenden Gattung die besagte Wurstnase sproß. Denn ganz Brösel-typisch zeigen die ersten Bilder des neuen Werner-Trickfilms ein Rennen, und zwar gleich in epischer Urform: Die Frischlinge Werner und Holgi – noch ohne die CW-Wert-reduzierende Gesichtsmitte geschmückt – brettern außer Kontrolle in ihren ungleich noblen Kinderwagen durch die Provinz jenseits des Wurstnasen-Äquators und sorgen für reichlich Chaos unter den ausgewachsenen Charakteren aus des Brösels Feder. Ein Blick in die Vorgeschichte stand schon vielen illustren Film-Fortsetzungen gut an – auch auf die ursprünglichen Wurzeln des Kerlchens mit leichtem Überbiss und dem Hang zu allem, was Krach macht und schnell geht? Angetrieben durch die offensichtlich fast dreißigjährige Rivalität zum schnöseligen Holgi, der bislang immer den edleren und schnelleren Reifen fuhr, muss sich Werner mal wieder was einfallen lassen, um trotz bescheidener Lehrlings-Mittel endlich die aerodynamische Nase vorn zu haben.
Der fünfte Werner, wieder ein Mix aus Comic- und Realfilm
Über den Stoff der Comicvorlage, die mittlerweile mehr Jahre gereift ist als ein Bierkasten Bügelflaschen enthält, gehen wie immer die Meinungen auseinander: Dünn und platt die Handlung, doch für Fans des küstennahen Humors ein Klassiker mit viel Wortwitz und berüchtigten Episoden. Der geschmackvollste Zweirad-Blinker der TÜV-Geschichte beispielsweise ist ja schon in der ersten Comicverfilmung »Werner – Beinhart« samt Labskaus-Nachschlag verbraten worden. Ebenso konnte mit der Bernd-Eichinger-Produktion aus dem Jahre 1990 Erfahrungen der Kombination von Comic- und Realfilm-Episoden aus Knöllerup und überhaupt gemacht werden, was auch beim fünften Teil das Mittel der Wahl sein soll. Gedreht wurde direkt in und eine Igeltagesreise nördlich von Kiel unter der Regie von Gernot Roll, der auch schon bei deutschen Produktionen fürs Volk wie »Die Superbullen« und »Ballermann 6« an der Kamera stand.
Brösels autobiografischen Erlebnisse als Comiczeichner und Outlaw
Auch wird Brösel höchstselbst wie im ersten Werner-Film seine autobiografischen Erlebnisse als Comiczeichner einfließen lassen und zudem mit Toby Genkel die Trickregie übernehmen. Fraglich ist, ob die Verknüpfung der beiden Filmformen erneut so sporadisch vorgenommen wird wie im ersten Werner-Film, oder doch den in den letzten, reinen Zeichentrick-Kinofilmen immer dichter werdenden Handlungsträngen mehr zusammenhängender Platz eingeräumt wird. Sicher scheint hingegen, dass es kaum eine bahnbrechende Handlungskomposition zu sehen geben wird, sondern eher die klassischen Werner-Stärken: Lokal gefärbter Humor nicht immer sauberster, aber ehrlicher Art und natürlich der ganz eigene Lebensstil der horexenden Outlaws im Hinterland zwischen den deutschen Küsten.
Könnte heiß werden: Verschmelzung von Realität und Wernsinn
Das legendäre Rennen soll es diesmal sein – nur welches? Der ewige Streit des handwerklichen Präkariats gegen den ländlichen Nachwuchs-Geldadel fand ja bereits im 1996er »Werner – Das muss kesseln!!!« seinen technischen Höhepunkt (des Methanol-getriebenen Schlittens mit Flugzeugmotor). Nun also eine weitere Kopf-an-Kopf-Episode aus dem brodelnden Töpfchen der Gesellschaft, die die Ortschaften Norddeutschlands seit Menschengedenken zu einem – wenn schon nicht Haifischbecken, so doch zumindest Stichlingspriel – machen. Ein heißer Kandidat ist die im Vertrach vom 6.8.84 festgehaltene Wette zwischen Brösel und Rivale Holgi, wessen Gefährt das Rennen hintenraus machen würde: Holgis Porsche 911 S oder Brösels Eigenbau-Hobel namens Red Porsche Killer, ein monströses Motorrad mit vier hintereinander geschalteten Motoren der Horex Regina. Tatsächlich fand dieses Rennen im Jahr 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm zwischen Bad Bramstedt und Bad Segeberg statt. Schließlich gibt es vielerlei Entsprechungen zwischen den bekannten Brösel-Figuren, Plots und Spezialanfertigungen sowie den Vorbildern im realen Leben des Rötger Feldmann zwischen Förde und Watt. Letzteres brodelt laut Eiskalt-Teaser wegen unaufhaltsamem Temperaturanstieg bei 38°C in Knöllerup und gar 42°C in Süderbrarup. So heiß war Werner selten. »Pfump«
»Werner – Eiskalt!«
- mit Rötger und Andi Feldmann sowie Richard Sammel, Kalle Haverland, Jochen Nickel, Michael Lott, Holger Henze, Ivonne Schönherr u.a.
- Zeichentrick-Regie: Rötger Feldmann, Toby Genkel
- Regie und Kamera (Realfilm): Gernot Roll
- Produzenten: Herman Weigel, Oliver Berben
- Executive Producer: Martin Moszkowicz
- Drehbuch: Rötger Feldmann, Thomas Platt, Herman Weigel
»Werner – Eiskalt«, die ersten Eindrücke, und ab 23. Juni 2011 in den Kinos. Teaser und Trailer hier.
Bildnachweis: © 2011 Constantin Film Verleih GmbH
