Bis heute existiert noch kein einheitlicher Kostenbegriff. Vielmehr haben sich unterschiedliche Bewertungsauffassungen herausgebildet, die verschiedene Zwecke erfüllen sollen. Am häufigsten wird zwischen dem wertmäßigen und dem pagatorischen Kostenbegriff unterschieden.
Der wertmäßige Kostenbegriff
Nach dem wertmäßigen Kostenbegriff werden Kosten definiert als den mit Faktorpreisen bewerteten Verzehr an Sachgütern und Dienstleistungen während einer Abrechnungsperiode, sofern diese zur Erhaltung der betrieblichen Leistungsbereitschaft, der Leistungserstellung und der Leistungsverwertung erforderlich sind.
Nach der Definition des wertmäßigen Kostenbegriffs umfassen Kosten also den bewerteten Verzehr an dispositiven Faktoren sowie Elementar- und Zusatzfaktoren, die in einer Abrechnungsperiode für die Herstellung der Güter im Unternehmen und für ihre Vermarktung benötigt werden.
Wertansatz beim wertmäßigen Kostenbegriff
Als Wertansatz für den Faktorverbrauch wird beim wertmäßigen Kostenbegriff das Grenznutzenkonzept gewählt. Danach müssen für eine geeignete Bewertung des Güterverzehrs zu den Beschaffungspreisen der Faktoren die ihrem jeweiligen innerbetrieblichen Knappheitsgrad entsprechenden Wertedifferenzen hinzugerechnet werden. Daraus ergibt sich, dass für denselben Produktionsfaktor die wertmäßigen Kosten in unterschiedlichen Entscheidungssituationen stark voneinander abweichen können.
Prinzipiell setzt der wertmäßige Kostenbegriff bei der innerbetrieblichen Faktorbewegung an. Der Sinn besteht darin, die knappen Faktoren denjenigen Verwendungsmöglichkeiten zuzuordnen, die nach den unternehmerischen Zielvorstellungen optimal sind. Aus diesem Grund sind die wertmäßigen Kosten oftmals auch innerhalb desselben Entscheidungsfeldes nicht notwendigerweise konstant. In Abhängigkeit von den Verfügbarkeitsschranken der Faktoren können sie vielmehr variieren und ergeben sich streng genommen erst aus der optimalen Ressourcenverteilung.
Das Dilemma der Kostenbewertung
Die Tatsache, dass die Kostenbestimmung nach dem wertmäßigen Kostenbegriff aus der optimalen Produktion erfolgt, gleichzeitig aber auch ihre Voraussetzung ist, bezeichnet man als Dilemma der Kostenbewertung.
Nicht selten ist der Grenznutzen bzw. der Opportunitätskostensatz einer Ressource nur schwer feststellbar oder aufwendig zu ermitteln. Im Hinblick auf eine praktikable Lösung wird das Dilemma der Kostenbewertung gelöst, indem für den wertmäßigen Kostenbegriff in der Regel Wiederbeschaffungspreise als Bewertungsmaßstäbe verwendet werden.
Der pagatorische Kostenbegriff
Dem wertmäßigen Kostenbegriff steht der pagatorische Kostenbegriff gegenüber. Dieser knüpft an die mit dem betrieblichen Güterverzehr verbundenen Zahlungsströme an und beruht auf den tatsächlichen Geldausgaben.
Der Ressourcenverbrauch wird nach dem pagatorischen Kostenbegriff mit den Anschaffungspreisen bewertet. Kalkulatorische Kosten, wie beispielsweise der kalkulatorische Unternehmerlohn, besitzen nach der pagatorischen Auslegung keinen Kostencharakter, da die Orientierung der Kostenerfassung ausschließlich auf das für die einzusetzenden Produktionsfaktoren zu entrichtende Entgelt abzielt.
Da er nicht entscheidungsorientiert ist, vernachlässigt der pagatorische Kostenbegriff bewusst die Einbeziehung des betrieblichen Entscheidungsfeldes. Der methodische Ausgangspunkt des pagatorischen Kostenbegriffs liegt vielmehr in den außerbetrieblichen Faktorbewegungen, wobei die benötigte Informationen der Finanzbuchhaltung des Unternehmens entnommen werden können. Pagatorische Kosten lassen sich daher für alle Unternehmen einheitlich empirisch ermitteln.
Wertmäßiger oder pagatorischer Kostenbegriff?
Für die Verwendung des wertmäßigen oder des pagatorischen Kostenbegriffs ist vornehmlich der Zweck entscheidend, den die jeweilige Unternehmensrechnung verfolgt, sodass man sich nicht unbedingt von vornherein auf eine der beiden Begriffsdefinitionen festlegen muss.
