Immer wieder ist im Rahmen des Klimawandels von der Gefahr durch die Ausbreitung exotischer Krankheiten nach Europa und Nordamerika die Rede. Im Gegensatz zur Malaria, bei welcher die Verbreitung in die sogenannte westliche Welt eher unwahrscheinlich ist, gilt das West-Nil-Virus als Erreger des West-Nil-Fiebers bereits heute als ein "emerging" Virus.
Epidemiologie, Verbreitung und Geschichte des West-Nil-Virus
Ursprünglich war das West-Nil-Virus in Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten beheimatet. Seinen Namen hat es 1937 bekommen, als es zum ersten Mal gelang, das Virus im West-Nil-Distrikt von Uganda zu isolieren. Später wurde auch von Infektionen in Europa vor allem in Italien und Rumänien berichtet.
In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es dann zu einer Einschleppung in den USA. Man geht davon aus, dass es durch eine infizierte Mücke, die sich auf einem Flug von Tel-Aviv nach New York befunden hat, eingeschleppt wurde und sich dann rasch in New York festsetzen konnte. Heute hat sich das Virus auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent einschließlich Mexiko etabliert. Laut der CDC, einer Unterabteilung des amerikanischen Gesundheitsministeriums, kam es im Zeitraum von 1999-2010 in den USA zu mehr als 30.000 bekannten Infektionen mit über 1.200 Toten. Jedoch ist die Neuinfektionsrate in den letzten Jahren stark rückläufig.
In Europa kommt es immer wieder zu kleineren Ausbrüchen besonders in den ost- und südeuropäischen Ländern. Beispielsweise gab es laut Robert-Koch-Institut im Sommer 2010 in Nordgriechenland einen Ausbruch mit mehr als 200 Betroffenen und über 20 Todesopfern. In Deutschland gab es bisher meist nur Einzelfälle, die jedoch, soweit bekannt, alle eingeschleppt wurden. Eine Infektion innerhalb Deutschlands konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. Dass sich das Virus jedoch auch in West- und Mitteleuropa ausbreiten kann, ist nicht ganz auszuschließen, da das Virus etwa durch Zugvögel eingeschleppt werden könnte.
Übertragungswege und Erregerreservoir des West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus gehört zur Familie der Flaviviren. Übertragen wird es durch, für ein Virus dieser Familie ungewöhnlich viele Mückenarten. Die Hauptüberträger sind Mücken der Gattung Culex, aber auch Aedes- und Mansonia-Arten können als Überträger dienen.
Hauptwirte der Viren sind wildlebende Vögel, es handelt sich bei der Erkrankung somit um eine Zoonose. Der Befall von Vögeln ist auch ein Grund, warum sich das Virus immer weiter ausbreiten kann. Bestimmte Vögel wie etwa Krähen reagieren besonders empfindlich auf das Virus, wodurch es zu einem Massensterben von Vögeln kommen kann. Wenn die Vögel tot von den Bäumen fallen, wie etwa zu Beginn der Epidemie in den USA im Central Park passiert, kann dies als erstes Anzeichen einer beginnenden Ausbreitung gesehen werden.
Neben dem Menschen kommt es auch immer wieder zur Infektion anderer Säugetiere vor allem von Pferden. Auch ist die Übertragung zwischen zwei Menschen möglich, etwa durch Blutspenden oder bei Organtransplantationen. Zu Beginn der Epidemie in den USA kam es auch hier zu Fällen, bei denen infizierte Organe transplantiert wurden. Auch die Übertragung von der Mutter auf das Kind durch die Muttermilch oder vor der Geburt über die Plazenta ist möglich.
Symptome, Therapie und Prophylaxe des West-Nil-Fiebers
Die meisten Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen subklinisch, also ohne erkennbare Komplikationen. In 20% der Fälle kommt es jedoch für 3-14 Tage zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit. Es bildet sich das West-Nil-Fieber aus. Die Hälfte der Betroffenen entwickelt zusätzlich einen rötlichen Hautausschlag. Bei dieser milden Form der Infektion bleiben in der Regel keine bleibenden Schäden zurück.
Seltener, bei etwa jedem 150. Betroffenen, können sich aber schwerwiegende Komplikationen ausbilden wie etwa Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung. Diese können vor allem bei älteren Patienten und Patienten mit schwachem Immunsystem auch zum Tod führen.
Eine Therapie zur Behandlung der Infektion ist momentan noch nicht vorhanden. Man kann versuchen, die Symptome zu behandeln, gegen die Infektion selbst aber kaum etwas tun. Die Anwendung einer Therapie mit Interferon-Alpha kann erwogen werden, ist jedoch in ihrer Wirkung nicht sicher. Interferon-Alpha ist ein Protein, welches die Virusbildung hemmen kann und zu einer Aktivierung des Immunsystems führen kann.
Eine Impfung als Prophylaxe ist für den Menschen noch nicht verfügbar, es wird jedoch in diese Richtung geforscht. In der Tiermedizin gibt es für Pferde schon einen Totimpfstoff. Der einzige Schutz ist deshalb die Expositionsprophylaxe, also der Schutz vor dem Kontakt mit Mücken durch die Anwendung von mückenabwehrenden Substanzen und Moskitonetzen.
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