
- Australien, Strand bei Broome - Tourism Western Australia
Broome hat Flair und einen Hauch von Exotik, obwohl die „wilden Jahre“ längst vorüber sind. Der englische Freibeuter William Dampier segelte bereits 1699 entlang der unwegsamen fremden Küste und strandete mit seinem Schiff in der Roebuck Bay. Fast zweihundert Jahre geriet dieser Küstenabschnitt völlig in Vergessenheit. Doch dann fand man in den weiten Sandbänken vor der Küste Perlen von unvorstellbarer Vollkommenheit, und Broome erlebte einen ungeahnten Boom. Mit dem von der Roebuck Bay verlegten Unterwasserkabel nach Indonesien verschaffte man sich 1889 eine Kommunikationsmöglichkeit mit dem Rest der Welt.
Die perfekten Perlen von Broome
Zwischen 1919 und 1930 drängten sich teilweise bis zu vierhundert Perlen-Logger im Hafen. Die Besatzung dieser Boote war kunterbunt: Japaner, Filipinos, Malaien, Molukker und Araber. Dreitausend Taucher sammelten von den Sandbänken genügend Perlen und Perlmutt, um damit achtzig Prozent des Weltbedarfs zu decken. In Broome regierte die Dekadenz. Glücksspielhallen, Restaurants, Bars und Bordelle machten exorbitante Umsätze. Der Rotlicht-Distrikt am Hafen war bekannter als die Amüsierzentren in Singapur, Shanghai, Bombay, Manila oder San Francisco. Holzvillen, japanische Teehäuser, chinesische Tempel, Badehäuser, Hotels und Opiumhöhlen schossen wie Pilze aus dem Boden.
Chinatown, das Herzstück Broomes
Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Die Asiaten wurden fast alle interniert oder ausgewiesen. Die Perlen-Industrie brach zusammen. Mit der Erfindung des Kunststoffs kam für Broome das endgültige Aus. Heute erinnern nur noch die Friedhöfe, ein paar von tropischen Bäumen verdeckte, halb zerfallene Holzvillen, die restaurierte Chinatown und Shinju Matsuri, das Festival der Perlen, an den einst schillernden Ruhm der Stadt. Das chinesische Viertel zwischen Carnarvon Street und Dampier Terrace ist noch immer das Herzstück Broomes. Hier kann man noch alten japanischen Fischern begegnen, die mit ihrem Logger hinausfahren und nach den Diamanten suchen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges bei der Explosion eines holländischen Flugbootes für ewig in der Roebuck Bay versunken sein sollen. Gefunden hat bislang niemand etwas, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Die Lichttreppe am Cable Beach
Den traumhaft schönen Strand von Cable Beach hat man fast für sich allein. Auf zwanzig Kilometern Länge findet jeder Platz und Ruhe, und kann den Aborigines-Kindern zuschauen, die sich in den Wellen des Indischen Ozeans vergnügen. Die Tidenhübe sind gewaltig – bis zu zehn Metern. Bei Ebbe und Vollmond kann man am Strand das seltene Schauspiel Stairways to the Moon betrachten, dann zeigt sich im Sand eine Lichttreppe, verursacht durch Reflektionen des im Osten aufgehenden Mondes. Bester Platz für die Beobachtungen dieses Naturphänomens ist der Town Beach unweit vom Stadtzentrum.
Die öde Wildnis der Great Sandy Desert
Der endlose Küstenabschnitt zwischen Broome und Port Hedland ist eine unbewohnte Einöde, die Wüstenlandschaft der Great Sandy Desert. Hier kann man tagelang fahren, ohne auf Menschen zu stoßen. Da ist nichts, außer dem Indischen Ozean, Sand, Felsen und ein paar verstaubten Grasbüschel. Darüber spannen sich ein wolkenloser Himmel und eine grelle Sonne, welche diesen fünfhundert Kilometer langen Küstenstreifen zum Schmoren bringt. In Port Hedland dominieren zwei Farben: Rostrot, dort, wo das Eisenerz aus den Hammersley Ranges verschifft wird, und Weiß, wo sich wie riesige Wanderdünen die Berge des Dampier-Salzes auftürmen. Endlos lange Güterzüge, die von sechs Diesel-Lokomotiven gezogen werden, transportieren Millionen von Tonnen Eisenherz aus den etwa fünfhundert Kilometer entfernten Minen rund um Newman zu den Verschiffungs-Terminals des Hafens.
Reichtum durch Eisenerz, Port Hedland
Noch vor vierzig Jahren war Port Hedland nichts anderes als eine winzige, unbedeutende, sterbende Siedlung mit ein paar hundert Einwohnern. Das Hinterland ist eine der heißesten Wüstenregionen der Erde. Das einzige Highlight für die Anwohner, die in diesem abgelegenen Teil des Kontinents ihr Dasein fristeten, war die Ankunft des Regierungsschiffs mit frischem Bier, Whisky und Zigaretten. Heute leben hier über 40.000 Menschen, die mehr Geld verdienen als sonst irgendwo in Australien, dank der unvorstellbaren Erzfunde in der Pilbara, der vermutlich größten Schatzkammer der Welt. Gold, Uran, Mangan, Eisen, Nickel, Bauxit und Kupfer – der Vorrat scheint unerschöpflich zu sein.
Dampier, Endstation der Erzzüge
Dampier ist eine andere rostrote Hafenstadt, die ihre Existenz – wie Port Hedland – der Verschiffung von Erzen verdankt. Das Eisenerz wird im Tagebau in den Minen von Tom Price und Paraburdoo abgetragen, mit Monster-Trucks zu den wartenden Güterzügen gekarrt und verladen. Die Züge sind zwei Kilometer lang und bestehen aus zweihundert Waggons, die bis zu 25.000 Tonnen des begehrten Rohstoffs transportieren. Hauptabnehmer für das Erz sind Japan und China. Attraktiv, im Sinne von abwechslungsreich, wird die Küste erst wieder in der Gegend von Carnarvon. Die Bananenplantagen scheinen fast bis an den Rand der steilen Küste zu wachsen. Dank der künstlichen Bewässerungsanlagen strotzt das Land vor Fruchtbarkeit.
Quellen: Tourism Western Australia, eigene Recherche in Australien
