
- Schloss Rhede an der 100-Schlösser-Route - Judith Weibrecht
Nach dem zweiten Abschnitt des Westkurses der 100-Schlösser-Route folgt im dritten Teil nach Anholt das Renaissance-Schloss Rhede, ein zweiflügeliges Wasserschloss aus Backstein, auf dem Fuß. Die Fürstenfamilie Salm-Salm wohnt noch heute darin, so dass nur eine Außenbesichtigung möglich ist.
Rheder Ampel - Westfälische Kaffeetafel – Koken probeeren - Merkwürdigkeiten auf der 100-Schlösser-Route
In Rhede gibt es außerdem die Rheder Ampel, nicht um den Verkehr zu regeln, sie ist auch keine politische Koalition. Ein Likör ist damit gemeint, bestehend aus roter Schlehe, gelbem Anis und grünem Pfefferminz. Am Freizeitsee Pröbsting mit Badestelle könnte man auch einmal ins Boot umsteigen. Und wieder lockt ein Landcafé, diesmal „Drönings Landcafé und Bauernladen“ in Ramsdorf. Hier ist gut „Koken probeeren“, Kuchen probieren, wofür die Münsterländer einen Faible zu haben scheinen. Auch Radfahrer finden diese Landcafés klasse und wünschten sich mehr davon am Weg, ist die Versorgungslage doch arg dünn. Der Radfahrer tut gut daran, sich ein wenig Brot einzupacken. Brot, das bedeutet im Münsterland oft Pumpernickel. Das schwarze Etwas ist gar nicht knusprig, sondern zäh und quietschig. Für Radfahrer hat es jedoch eindeutig einen Vorteil: Es ist haltbar und lässt sich gut über längere Zeit transportieren. Natürlich zählt auch Brot zu den westfälischen Grundnahrungsmitteln, Kaffee und Kuchen aber seltsamerweise offiziell nicht. Oder doch? Schließlich werden hier mittwochs Westfälische Kaffeetafeln veranstaltet.
Sportsfreunde und Radfahrer übernachten im SportSchloss Velen direkt am Westkurs
Wohnen wie ein Sportskönig im SportSchloss Velen. Wer vom Rad fahren genug hat, kann hier auch Golfen, Tennis spielen oder Bogenschießen. 1240 wurde das Schloss erstmals erwähnt und 1931 durch einen Brand das Hauptgebäude zerstört, nur die Außenfassade und die Kapelle blieben erhalten. Später war es Kriegslazarett, Altenheim, Zollschule und seit 1988 Hotel. Immer noch gehört es der Familie Landsberg-Velen. Eine Ledertapete aus dem 18. Jahrhundert im Speisesaal zeigt Jagdszenen aus Flandern. Beeindruckend ist die im 18. Jahrhundert von Johann Conrad Schlaun entworfene Orangerie, an deren Wänden die Pflanzen in Stuck versammelt sind, die hier früher überwinterten. Doch der kleine Dominik, der bei der Schlossführung dabei ist, findet die Geschichte mit dem Schlossgeist am spannendsten: „Pia von Landsberg-Velen war die letzte Bewohnerin des Hauses. Sie stürzte sich der Liebe zu einem Bürgerlichen wegen aus dem Fenster, denn ihr Vater hatte in die Heirat nicht eingewilligt, und spukt noch heute“, erklärt Caterina Kohler, die Verkaufsleiterin.
Die Pättkes sind auch für Radfahrer gut
Auch im nächsten Etappenort, in Ahaus, erwartet die Radler ein Schloss, ein Barockwasserschloss, und eine gute Idee: Nebenan befindet sich eine Radstation mit Schließfächern für Packtaschen, Luftstation, Schlauchomat und Ladestation für E-Bikes. Einige andere „Pättkesfahrer“ treffen ein. Und was sind Pättkes? „Das sind die ehemaligen Wege, auf denen Pferdefuhrwerke in Richtung Feld und Acker fuhren“, erklärt die nette Wirtin in der Kneipe „Zum Pütt“.
Auf den Pättkes trifft man Rehe und Fasane zuhauf. Ganz ungeniert kreuzen sie den Weg. Die westliche Runde der 100-Schlösser-Route schließt sich mit einigen Dellen und Kurven wieder in Coesfeld. Wie viele Schlösser hatte man denn nun? Keine Ahnung, sechs größere und viele, viele kleine. Doch ein Rätsel haben wir nicht gelöst: Warum gibt es gerade hier so viele Schlösser? Möglicherweise, weil hier gut jagen war. Und wer will, fängt in Coesfeld nochmal von vorne an: Auf dem ersten Abschnitt des Westkurses der 100-Schlösser-Route.
Informationen
Der Westkurs umfasst rund 317 Kilometer und kann, um genügend Zeit für die Besichtigung der jeweiligen Schlösser zu haben, gut in sechs Etappen aufgeteilt werden, zum Breispiel.:
Coesfeld – Haltern am See, ca. 66 km. Haltern am See – Raesfeld, ca. 35 km. Raesfeld – Anholt, ca. 41 km. Anholt – Velen, ca. 71 km. Velen – Ahaus, ca. 50 km. Ahaus – Coesfeld, ca. 54 km.
Pauschalen mit Übernachtung/Frühstück und Gepäcktransport sind bei Münsterland Touristik buchbar.
