Wetterextreme in Deutschland

Wetter - Anja Skeide / pixelio.de
Wetter - Anja Skeide / pixelio.de
Der Sommer 2010: heiß, stürmisch, unwetterartige Regenfälle. Aber noch wurden weder bei den Spitzentemperaturen noch bei den Regenmengen Rekorde gebrochen.

Der Juli 2010 ist in Deutschland heiß und trocken. Bei fast 40 Grad im Schatten schwitzt man bundesweit, die Landwirte fürchten um ihre Ernte, bei den Getränkeherstellern explodieren – nein, nicht die Flaschen, sondern die Umsätze! Und ob im August nicht doch die legendäre Höchsttemperatur aus dem Jahre 2003 geknackt wird, kann niemand sagen.

Wo aber liegen die Höchst- und Tiefstwerte beim Wetter? Was war die höchste jemals gemessene Lufttemperatur, und was ihr Gegenteil: Die tiefste Temperatur, der die Deutschen ausgesetzt waren?

Höchste Temperaturen

Bis heute ist der Sommer 2003 der Rekordhalter für den heißesten Tag, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Ende Juli – um genau zu sein: am 27. Juli 2003 – wurde im nordostbayerischen Gärmersdorf bei Amberg eine Spitzentemperatur von 40,2 Grad Celsius gemessen. Diese Temperatur wurde meteorologisch festgestellt, also in einer Höhe von 2 m über dem Erdboden, im Gegensatz zu den mitunter gemeldeten 40,3 Grad aus dem saarländischen Perl, die nicht den Messvorschriften der Wetterforscher entsprechen. Übrigens: Die Wüste von Libyen ist nur 17,5 Grad heißer (13. September 1922).

Im gleichen Jahr, nur zwei Wochen später, am 13. August 2003, wurde die höchste Nachttemperatur mit unglaublichen 27,6 Grad auf einem Berg nahe Neustadt/Weinstraße festgestellt.

Obwohl beide Werte aus dem Jahr 2003 stammen, liegt weder einer der Sommermonate noch das ganze Jahr mit den Durchschnittstemperaturen an der Spitze der Messungen. Der bis heute wärmste Monat ist der Juli 1859 in Darmstadt sowie der Juli 1983 in Völklingen (Saarland) mit einer Durchschnittstemperatur von 24,9 Grad. Das wärmste Jahr im Mittel teilen sich die Jahre 1994 und 2000 mit 12,4 Grad im Oberrheintal (Kehl und Freiburg).

Die absoluten Temperatur-Tiefpunkte

Ebenfalls in Bayern wurde die bis heute niedrigste Temperatur festgestellt. Das niederbayerische Wolnzach meldete am 12. Februar 1929 eine Temperatur von minus 37,8 Grad. Damit ist Deutschland zwar noch immer weit entfernt von der bisher tiefsten Temperatur, die auf der Erde gemessen wurde (Forschungsstation Wostok in der Antarktis, minus 89,4 Grad am 21. Juli 1983), aber selbst die Wetterstation auf der 2.962 m hohen Zugspitze konnte diesen Minusrekord bislang nicht brechen.

Was dem höchsten Berg Deutschlands an einem einzelnen Tag nicht gelang, war bei den Durchschnittstemperaturen kein Problem. Sowohl der kälteste Monat (der Februar 1956 mit minus 19,1 Grad) wie auch das kälteste Jahr (1919 mit minus 6,2 Grad) wurde durch meteorologische Messungen auf der Zugspitze festgestellt – eigentlich kein Wunder, sinkt doch die Temperatur je 100 m Höhenanstieg um 0,9 Grad.

Sturzbäche vom Himmel

Die bis heute nasseste Gemeinde Deutschlands ist Balderschwang im Allgäu. Im Jahre 1970 kamen dort 3.503,1 mm Regen vom Himmel (zur Erläuterung: Die Angaben beziehen sich auf Millimeter Regen je Quadratmeter; 1 mm pro Quadratmeter entspricht 1 Liter). Zum Vergleich: Beim tropischen Regenwald liegt die Niederschlagsmenge zwischen 2.000 und 4.000 mm.

Bei der größten Regenmenge eines Tages haben die Sachsen die Nase vorne. Am 12. August 2002 wurden in Zinnwald im Erzgebirge 312 mm gemessen. Am 25. Mai 1920 glaubten die Einwohner von Füssen im Allgäu vermutlich, der Weltuntergang sei gekommen. In nur acht Minuten kamen 126 mm Regen aus den Wolken.

Einen ganzen Monat ohne jeden Tropfen Regen gibt es in Deutschland des öfteren. Der Ort mit der niedrigsten Jahressumme ist das thüringische Straußfurt; hier wurden 1911 ganze 242 mm Regen gemessen.

Sonne und keine Sonne - das ist die Frage

Allgemein bekannt ist, dass die Ostseeküste bei der Sonnenscheindauer bevorzugt ist. Den Rekord für die meisten Sonnenstunden im Jahr trägt jedoch das Gebiet um das Klippeneck am südlichen Rand der Schwäbischen Alb. Hier wurde für das Gesamtjahr 1959 eine Sonnenscheindauer von 2.329 Stunden festgestellt – das sind immerhin über 26% des gesamten Jahres (inkl. Nachtstunden)! Das genaue Gegenteil fand 1995 in Ruhpolding im Chiemgau statt. Dort schien die Sonne in Jahressumme ganze 929 Stunden.

Wer im Sommer auf Sonne setzt, der sollte sich nach Rügen aufmachen. Am Kap Arkona gab es im Juli 1994 sage und schreibe 403 Sonnenstunden – bei 744 Stunden, die ein Juli hat (das macht über 54%, und die Nachtstunden sind dabei berücksichtigt). Die geringste Sonnenscheindauer, nämlich exakt 0 Stunden, wurde im Dezember 1965 im Thüringer Wald auf dem Großen Inselsberg gemessen.

Hochs und Tiefs – eine Frage des Luftdrucks

Jeden Abend erscheinen im Wetterbericht des Fernsehens die „H“ und „T“, die dann zu schönem oder schlechtem, zu warmem oder kaltem Wetter führen sollen. Die Linien zwischen den „H“ und „T“, die Isobaren, zeigen an, wie der Luftdruck von Linie zu Linie langsam zu- oder abnimmt. Den höchsten jemals gemessenen Luftdruck stellten die Wetterforscher in einem winterlichen Hoch am 23. Januar 1907 in Berlin-Dahlem mit 1057,8 hektoPascal fest (der neutrale Punkt, also der Übergang von Hochdruckgebiet zu Tiefdruckgebiet, liegt bei 1013,25 hektoPascal). Der niedrigste Luftdruck wurde am 26. Februar 1989 in Osnabrück festgestellt: 948,6 hektoPascal. Zum Vergleich: Im Zentrum eines Taifuns kann der Luftdruck bis auf 870 hektoPascal sinken.

Ananas am Rhein, Palmenstrände an der Ostsee

Deutschlands bekanntester Klimaforscher, Professor Latif von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ist der Auffassung, dass es nur noch ein Frage von wenigen Jahren ist, bis die bestehenden Rekorde, insbesondere bei der Hitze und den Niederschlagsmengen, gebrochen werden – als Folge der Klimaveränderung. Vielleicht liefert uns der August 2010 schon neue Rekordzahlen.

Bildnachweis: (c) Anja Skeide / pixelio.de #466785

Siegfried Dierker, Siegfried Dierker

Siegfried Dierker - Jahrgang 1958; gebürtiger Westfale, wohnhafter Niedersachse; nach Abitur und Bundeswehr Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, ...

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