Cumulus- und Blumenkohlwolken sorgen für wolkige Wetterberichte, die mit ihrem Grad der Verharmlosung ambivalente Gefühle wegen eines vermeintlichen Klimawandels flugs eleminieren. Das Wetter wird mit fantasy labels auf die menschliche Ebene heruntergebrochen. Das Wetter liegt in der Hängematte.
Der Showdown der Wetterberichte mit Sponsoring-Beteiligung im TV oder Radio scheinen das Chaos zu bändigen und eine Sicherheit der Voraussagen zu garantieren.
Die elementare, verstörende Wucht eines Vulkanausbruchs, Erdbebens, Tsunamis oder der Aschewolke, die im Mai Europas ganzen Flugverkehr lahm legte, wird als zeitweiliges, einmaliges Geschehnis dargestellt, das bald wieder im Griff ist und zur Normalität zurückkehrt, als ob der Mensch Naturgewalten jemals in den Griff bekommen hätte.
Die Angst vor den Naturgewalten
‚Der Mensch mache sich die Erde untertan’, liegt solcher Haltung zugrunde. Im Strudel der medialen Bildwelten funktionieren ellenlange Wetterprognosen als Abwehr, die Ahnungen einer realen Gefahr zu bannen. Abwehrmechanismen haben ihren Ursprung in der Ignoranz des ganz Anderen, das bedrohlich wirkt.
Wie wird das Wetter morgen? Ein unendliches Gesprächsthema. Die Wetterberichte, je länger und je diffuser, verheissen nur eins: den Einbruch der Irrationalität in den Alltag.
Sicherer wird durch Vorhersagen gar nichts, denn dem Wetter selbst ist das Wetter egal, das sich keinen Deut um Interpretationskünste schert.
Metaphern und Metamorphosen
Der Medientheoretiker Marshall McLuhan erteilte in seinem Werk „The Mechanical Bride“ (1951) Ratschläge, wie man nicht im Strudel der Medienbilder untergeht. McLuhan wies auf eine literarische Metapher aus Edgar Allan Poes Erzählung „Der Sturz in den Malstrom“ hin (A Descent into the Maelstrom), in der es einem Schiffbrüchigen gelingt, sich in aussichtslos erscheinender Lage vor dem Ertrinken zu retten.
Inmitten eines gewaltigen Wasserwirbels findet er „eine Art Vergnügen darin, Spekulationen über die verschiedenen Fallgeschwindigkeiten anzustellen, mit denen sie dem Gischtpfuhl tief dort unten zustrudelten“. Indem der Seemann sich so verhält wie die nach oben treibenden Objekte, bleibt er am Leben. Auf ähnliche Weise versucht McLuhan in „The Mechanical Bride“, „den Leser in den Mittelpunkt eines durch die Kräfte in Rotation versetzten Bildes zu stellen, von wo aus er die Vorgänge beobachten kann, die gerade ablaufen und in die jeder verwickelt ist.“ Sich mit Umwelt und Klima auseinanderzusetzen, wäre ein Bewusstseinswandel und eine nachhaltige Alternative.
Schön bis in die Niederungen
Wer Wetterberichte hört, und sich danach über falsche Prognosen ärgert, weiss, wie unsicher das meteorologische Kerngeschäft ist. Ob es sonnig, warm oder kalt, stürmisch oder windig wird, ob man den Regenschirm zu Hause lassen kann, Klartext statt Schönwetterbeschönigung ist hier allemal das Wahre. Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt das Wetter, wie es ist.
