Wettlauf um die Aufteilung der Welt um 1900

Darstellung des sich verschärfenden Wettlaufs um die Kolonien rund um den Globus.

Seit Beginn der 1880er-Jahre tritt der Imperialismus in seine heiße und entscheidene Phase ein. Angesichts der fortschreitenden Aufteilung der Welt verschärft sich der Weltlauf um die letzten, noch nicht beanspruchten Gebiete. Zudem kommt es zu ersten Zusammenstößen zwischen den Invasionsmächten.

Das Warum

Diese Verschärfung des Wettrennens kann auf zwei wesentliche Faktoren zurückgeführt werden. Zum Einen existieren nur noch wenige Gebiete, die noch nicht als Kolonien ausgewiesen sind. Das betrifft letzte Gebiete im in Afrika, Zentral-und Südasien sowie Ozeanien. Das Wettrennen konzentriert sich zu großen Teilen auf Afrika. In Asien rückt China in den Fokus, wo die europäischen Mächte jede für sich einzelne Städt als Vertragshäfen mit dem Kaiserreich aushandeln. Weiter dringen die westlichen Mächte mit Ausnahme von Japan und Russland, die beide die Mandschurei für sich beanspruchen, was im Krieg der beiden Nationen in den Jahren 1904 und 1905 eskaliert, jedoch nicht in das Reich der Mitte vor.

Afrika und das Beispiel Faschoda

In Afrika stoßen die beiden führenden Kolonialmächte England und Frankreich aufeinander. Ihren Höhepunkt erfährt dieser Interessenskonflikt in der Krise von Faschoda im südlichen Sudan von 1898. Während England ein durchgehendes Band von Kolonien in Nord-Süd-Richtung anstrebt, von Ägypten (Suez-Kanal) bis nach Südafrika (Kap der Guten Hoffnung), strebt Frankreich danach in Ost-West-Richtung, Dakar im Westen (Senegal) und Dschibuti am Horn von Afrika miteinander zu verbinden. Die beiden Großmächte kollidieren mit militärischen Kontingenten in dem Dorf Faschoda im Sudan unmittelbar miteinander. Im Ergebnis wird eine Eskalation vermieden und es kommt zur Verständigung zwischen England und Frankreich, was durch den zweiten entscheidenden Zuspitzungsfaktor bedingt wird, nämlich das Eintreten des Deutschen Reichs in den Kampf um die Kolonien. Die späte Beteiligung führt zu einer sehr aggressiven Kolonialpolitik unter der Führung Kaiser Wilhelm II. und der Deutschen Kolonialgesellschaft, als Nachfolger des Deutschen Kolonialvereins seit 1887 mit wesentlich radikaleren Tendenzen. Ihren Höhepunkt erfährt diese Politik mit dem Panthersprung in der zweiten Marokkokrise von 1911. Auf diese Weise treibt das Deutsche Reich sich in die politische Isolation, worin der Keim für den Ersten Weltkrieg gelegt ist.

Eine Bestandsaufnahme

Doch zunächst ist es nicht soweit. Noch geht es um die Verteilung der noch nicht kolonialisierten Gebiete sowie die Sicherung des wirtschaftlichen Einflusses, etwa in China (England, Frankreich, Deutsches Reich), Persien und im Osmanischen Reich (jeweils das "British Empire"). Ergebnis dieser Expansionsbestrebungen ist, dass 1914 die europäischen Mächte 84% der bewohnten Erdoberfläche kontrollieren. Von den außer-europäischen Mächten vermag sich allein Japan anzupassen, was etwa den technischen Vorsprung anbetrifft.

Der Status der eroberten Kolonien

Das Spektrum der Kolonien reicht von Auswanderungsländern wie Südafrika und Neuseeland, über reine Rohstofflieferanten in Zentralafrika, strategische Stützpunkte wie Malta, Aden (Jemen) und SIngapur, Handelszentren (Hongkong), Einnahmequellen wie die englische "crown colony" Indien bis zu reinem Prestige wie im Falle von Libyen und Deutsch-Südwestafrika. Ebenso weit ist die Bandbreite beim Auftreten in den Kolonien. Vieler Orten werden aus dem Überlegenheitsdünkel der weißen Europäer aus einem falsch verstandenen Sozialdarwinismus heraus Kulturen zerstört. Damit einhergehend kommt es zu brutaler, rücksichtsloser Ausbeutung etwa in China und Belgisch-Kongo, teilweise erfahren Kolonien wie Indien relative Schonung bei dem gleichzeitigen Versuch zivile Einrichtungen aufzubauen. Im "British Empire" setzt sich so die Philosophie des "pax britannica" durch. Insgesamt zeigen die Kolonialmächte jedoch wenig Interesse an sozialen Reformen. Vielmehr ist bei ihnen das Bestreben zu beobachten, die Kolonien rückständig und damit unselbständig und politisch abhängig zu halten.

Weiterführender Link

Bestandsaufnahme der bedeutendsten Kolonialmächte

Irenäus Thenthrokipos - Hallo liebe Leser, ich publiziere Artikel unter dem Pseudonym Irenäus Thenthrokipos bei suite101.de. Diese Beiträge entstammen ...

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