
- Louis Armstrong - What A Wonderful World - Stephan Schulz / Verlag Neues Leben
Ein Journalist des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), der in Magdeburg lebende Stephan Schulz hat zwei Jahre lang recherchiert, Zeitzeugen befragt und in unzähligen Archiven gestöbert. Herausgekommen ist dabei das Buch „What A Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“.
Ein gut recherchierter und auch heiterer Rückblick auf die Konzerte von Louis Armstrong in der DDR
Im Frühjahr 1965 tourte die US-Amerikanische Jazzlegende Louis Armstrong mit seinen Allstars durch insgesamt fünf europäische sozialistische Staaten – Rumänien, die Tschechoslowakei, Bulgarien, Jugoslawien und eben die Deutsche Demokratische Republik. Louis Armstrong gilt neben anderen Legenden wie Cab Calloway und Duke Ellington als größter Jazzmusiker seiner Zeit.
Überall in den Messe- und Kongresshallen der DDR, in denen Louis Armstrong auftrat, bebten die Massen und erlebten ein Stück Freiheit hinter dem Eisernen Vorhang. Insgesamt 17 Konzerte gab die Jazzlegende mit seiner Band in der DDR, unter anderem in Magdeburg, Leipzig, Schwerin, Erfurt oder Berlin. Organisiert wurde diese einmalige Tournee von der Staatlichen Künstleragentur. Louis Armstrong wurde als „Künstler gegen den Rassismus“ eingeladen und seine Gage bezahlte ein Schweizer Geschäftsmann, da dem kleinen sozialistischen Staat die Devisenmittel für eine solche Tournee eines Weltstars fehlten. Dafür durfte der Geschäftsmann von der DDR optische Geräte aus den weltberühmten Carl Zeiss – Werken in Jena und historische Artefakte aus dem Dreißigjährigen Krieg erwerben.
Jazzlegende Louis Armstrong war begeistert von seiner DDR-Tour
„Eine solche Begeisterung für Jazz, wie ich sie hinter der Mauer erlebt habe, kenne ich kaum noch.“
Diese Worte wählte Louis Armstrong später gegenüber einem westdeutschen Journalisten im Rückblick auf dieses auch für ihn einmaliges Erlebnis. Die Leute in den ausverkauften Hallen der DDR lagen ihm zu Füßen. Immerhin war Louis Armstrong der erste US-Musiker, der durch die DDR touren durfte.
Doch auch abseits der Konzertabende erlebten die Bürger der DDR einige lustige Anekdoten mit dem Jazzmusiker. So erinnern sich die Einwohner der Kleinstadt Genthin, im heutigen Sachsen-Anhalt gelegen, wie Louis Armstrong und sein Tross mitten auf dem Genthiner Marktplatz mit ihrem Tourbus liegenblieben, weil der Motor des Busses streikte. Louis Armstrong stieg aus dem Bus und pflegte unkomplizierten Kontakt zur Bevölkerung der idyllischen Kleinstadt.
In Magdeburg war kein Vertreter des Rates der Stadt in der Lage, die Jazzlegende mit ein paar warmen Worten auf Englisch zu begrüßen. So musste eine 17-jährige Schülerin einspringen und begrüßte Armstrong mit Friedhofsblumen.
In Leipzig überwachte die Stasi den „King of Jazz“ Louis Armstrong
In der sächsischen Metropole Leipzig strickte das Ministerium für Staatssicherheit ein dichtes Netz aus inoffiziellen Mitarbeitern um das Konzert von Louis Armstrong, da man Ausschreitungen von Jugendlichen um dieses Jazzkonzert herum befürchtete. In der Blumenstadt Erfurt erhielt der US-Amerikaner Blumensamen als Begrüßungsgeschenk. Das hierbei entstandene Foto wurde später von einem Volkseigenem Betrieb als Werbeplakat im Ausland für „Sozialistische Blütenträume aus Erfurt“ verwandt.
All diese spannenden Geschichten vereint Stephan Schulz in seinem Buch „What A Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“
Dies und noch viel mehr erzählt der Autor Stephan Schulz in seinem lesenswerten Buch „What A Wonderful World – Als Louis Armstrong durch den Osten tourte“. Auf die Idee zu diesem Buch kam Schulz, als er 2008 einen Bericht über die DDR-Tournee von Louis Armstrong für den Radiosender MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt produzierte.
„Die Zeitzeugen, die ich dafür interviewt hatte, sprachen so begeistert über Louis Armstrong, als hätten sie ihn erst gestern im Konzert gesehen. Dabei ist alles schon 45 Jahre her. Von ihrer Begeisterung ließ ich mich anstecken. Ich recherchierte in meiner Freizeit weiter und so ist nach und nach dieses Buch entstanden – ein Erinnerungsalbum mit warmherzigen Geschichten aus der Zeit des Kalten Krieges.“, erzählt der Autor in einem Interview mit dem Magdeburger Stadtmagazin „Urbanite“ im Februar 2010.
Durch diese Recherchearbeit hört der Autor mittlerweile begeistert Jazzmusik, obwohl er als Kind der Achtziger eher mit Bands wie Depeche Mode, The Cure oder Sisters of Mercy aufgewachsen ist. Von Louis Armstrong kannte er bis dato lediglich dessen Welthit „What A Wonderful World“ aus dem Film „Good Morning Vietnam“ mit Robin Williams.
Nun hat der Magdeburger Stephan Schulz einen lesenswerten Rückblick auf die fast vergessene Tournee von Louis Armstrong und seinen Allstars aus dem amerikanischen New Orleans durch die DDR herausgebracht und entführt den Leser in eine heute noch kaum vorstellbare Zeit. Dieses Buch ist eine Empfehlung für alle Fans der guten alten Jazzmusik, aber nicht nur für die.
- Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
- Verlag: Neues Leben; Auflage: 1 (10. März 2010)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3355017728
- ISBN-13: 978-3355017725
- UVP: 14,95 Euro
Bildnachweis: (c) Stephan Schulz / Verlag Neues Leben
