White Denim: Das neue Album Last Day of Summer

Mit dem Album "D" erkundete die Band aus Texas einen wärmeren Sound. Nun wird dem Ganzen noch eine Menge jazziger Anklänge und Improvisationen hinzugefügt.

White Denim, das Trio aus Texas, das mittlerweile zum Quartett mutiert ist, haben ein neues Album veröffentlicht und fahren konsequent die Bahnen weiter, die sie mit „D“ erkundet haben. „Last Day of Summer“ (2011) war 2010 als kostenloser Download erhältlich (wegen Querelen mit dem Label), wurde nun aber doch offiziell und in physischer Form veröffentlicht. Wer Lust auf intelligente Soli und Improvisationen und komplexe Rhythmik hat, ist bei White Denim genau richtig. Wer genau hinhört, kann in punkto Melodieführung, Instrumentation, Gitarrenspiel, Klangfarben und Tempostrukturen viel von White Denim lernen.

White Denim gehen von Lynyrd Skynyrd in Richtung Jazz

Die Band spielt nun nicht mehr ihren holpernden, eckigen, etwas schrägen Garagenrock-60s-Blues, der für ihre ersten Alben charakteristisch war – man höre sich „I start to run“ vom Album „Fits“ an – sondern nähert sich immer mehr der Melodik und Improvisation und generell einem wärmeren Sound. Waren auf „D“ Anklänge an Jethro Tull (die Flöte!) und Lynyrd Skynyrd zu hören, so geht es diesmal ein wenig in Richtung Jazz – Indiejazz, sozusagen. Sogar ein Sax ist diesmal mit dabei.

Der ideale Soundtrack für einen Roadtrip gen Westen

„If you’re changing“ ist voller Tempiwechsel und blubbernder Blueslinien und lässt uns mit seinem offenen Ende unbefriedigt zurück. „Some wild going outward“ könnte in Sound und Struktur genausogut vom Album „D“ stammen – man merkt, dass die beiden Alben ungefähr zur selben Zeit entstanden sind. Der Song ist die ideale Beschallung für einen Roadtrip, westwärts, natürlich. „Tony Fatti“ mit seinen verschachtelten, verflochtenen Gitarrenfäden im Hintergrund beweist, dass es eine gute Idee war, mit Austin Jenkins einen zweiten Gitarristen in die Band zu holen: Das Klangbild wird vielseitiger, dichter, dabei aber auch differenzierter, was auch der Song „Through the Windows“ deutlich unterstreicht.

„Home Together“ versammelt Four Tops und Beach Boys

„New Coat“ klingt fast jazzig im Hintergrund – überhaupt scheinen White Denim manchmal eher einen auf Jazz als sonstwas zu machen: Man höre sich den Sound der Gitarren und die Rhythmen auf „Champ“, „I’d have it just the way we were“ oder „Incaviglia“ an – fragile Töne und Major-Akkorde. „Shy Billy“ klingt nach 70er-Jahre R’n’B, „Home together“ klingt wie eine Mischung aus Four Tops und Beach Boys am letzten Tag des Sommers, wie der Albumtitel nahelegt. „Light Light Light“ mäandert in seinem vertrackten Rhythmus psychedelisch und verträumt dahin, ein jazziges Instrumental mit einem verrückten Saxophon dazwischen. Wie bei allen Stücken des Albums spürt man hier die Lust der Band am Musizieren und Improvisieren. Ein Album zum Zuhören.

Elisabeth Vock - Geboren 1978 in Wien, wuchs ich am Land auf, zwischen Musikinstrumenten und Pferden. Bereits im Grundschulalter begann ich, Geschichten zu ...

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