Wie der Kaffee die Welt eroberte

Kaffeepflanze neben einer Tasse Kaffee - © Beate Hellvoigt y Junkert
Kaffeepflanze neben einer Tasse Kaffee - © Beate Hellvoigt y Junkert
Wie kam der Kaffee nach Europa und etablierte sich weltweit als Jedermanngetränk? Ein kleiner Abriss der Geschichte des Kaffees.

Im 17. Jahrhundert wurde Kaffee im Jemen angebaut. Europäische Händler konnten ihn über Händler aus der Levante beziehen oder direkt aus dem Jemen. Zu dieser Zeit gelangte der dort bis dato unbekannte Kaffee zum ersten Mal nach Europa. Die jemenitischen Hafenstädte Aden und Mocha wurden zum Zweck des Kaffeeimports nach Europa von niederländischen Handelsschiffen der Vereinigten Ostindischen Compagnie, kurz VOC, angelaufen. Um 1650 etablierte sich der Kaffee als teures Genussmittel in der europäischen Oberschicht. Anfang des 18. Jahrhunderts avancierte Kaffee schließlich zu einem der wichtigsten Exportgüter für die europäischen Fernhandelsmächte im arabisch-asiatischen Handelsraum.

Im Jemen lag lange Zeit das Kaffeemonopol, dass die arabischen Händler vergeblich zu schützen versuchten. Um 1690 stieg die europäische Nachfrage nach Kaffee derart an, dass die VOC keimfähiges Saatgut oder Setzlinge auf die Insel Java schmuggelte und dort 1699 ein neues Kaffeeanbaugebiet begründete. 1712 wurde erstmals von Java Kaffee in die niederländische Republik verschifft.

Die koloniale Kaffeeproduktion

Die niederländische Vereinigte Ostindische Compagnie initiierte am Anfang des 18. Jahrhunderts in den Kolonien der europäischen Kolonialmächte einen Kaffeeanbau, der schwer ausbeuterisch war. Die Einheimischen wurden gezwungen, Kaffee anzubauen und mussten die Ernte aus dem Kaffeeanbau teilweise sogar kostenlos als Tributzahlungen an die Kolonialherren abgeben. Damit war das jemenitische Kaffeemonopol für immer Geschichte. Jedoch lehnte die arabische Welt die Einfuhr von asiatischem Kaffee - aus Geschmacksgründen - ab. In Europa fand dieser Kaffee aber reichlich Konsumenten. Die VOC strich saftige Gewinne ein. Kaffee wurde erstmals zur Massenware, die Preise sanken. Parallel zum Kaffeeanbau der VOC erprobte 1712 die ebenfalls niederländische Westindische Compagnie (WIC) den Kaffeeanbau in Amerika und legte damit den Grundstein für die gegenwärtig weltweit größte Kaffeeproduktionsstätte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die VOC ihr Kaffeemonopol an die WIC verloren. Bald wuchsen Kaffeepflanzen unter anderem in Jamaika, Kuba, Guatemala, Puerto Rico, Venezuela, Mexiko und Kolumbien.

Die Kaffeeaufbereitung

Die Jemeniten praktizierten die trockene Aufbereitung der Kaffeebohnen. In der Karibik wurde nun ein abweichendes Aufbereitungsverfahren etabliert, nämlich die nasse Aufbereitung. Bei der trockenen Aufbereitung trocknen die Kaffeekirschen, nach einem groben Waschgang im Wasser, in trockener Hitze, dabei werden die Kirschen immer wieder gleichmäßig gewendet. Nach dem Trocknen wird die Kaffeebohne herausgeschält. Die nasse Aufbereitung, auch Westindische Aufbereitung genannt, ist aufwendiger. Hierbei wird die Kaffeekirsche in Wassertanks gewaschen und quellen gelassen. Nach einer groben Entfernung des Fruchtfleisches wird die verbleibende Frucht wieder ins Wasser gegeben. Das restliche Fruchtfleisch löst sich und die Bohne bleibt keimfähig. Erst jetzt wird die geschälte Kaffeebohne getrocknet. Beide Verfahren finden auch heute noch Anwendung, wobei die nasse Aufbereitung häufig bei hochwertigem Kaffee praktiziert wird. Die trockene Aufbereitung hätte in den tropischen Kaffeeanbaugebieten Amerikas kaum funktioniert. Die nasse Aufbereitung war die wirtschaftlichere Alternative für die damaligen Kolonialherren.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Eine traurige Tatsache ist, dass auf kolonialen Kaffeeplantagen in Amerika Sklaven aus Afrika arbeiten mussten. Sie waren die kostengünstigsten Arbeitskräfte und wurden bis zu ihrem Tod ausgebeutet. Im asiatischen Raum wurden die Einheimischen von den Kolonialherren gezwungen, ihre herkömmliche Landwirtschaft, die nicht zuletzt der Selbstversorgung mit Lebensmitteln diente, aufzugeben und Kaffee anzubauen, den sie oft ohne Lohn oder zu Hungerlöhnen abgeben mussten. Heutzutage stammt Kaffee zumeist aus Entwicklungsländern. Sie exportieren diesen Kaffee zu einem Großteil in die Industrieländer. Nur 20 Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion verbleibt in den Anbauländern. Obwohl es heute keine Kolonialherren mehr gibt, welche die Kaffeebauern ausnutzen können, müssen sie sich heute den Weltmarktpreisen unterwerfen. Die Kaffeebauern sind diesen Preisen hilflos ausgeliefert. Fair Trade-Organisationen haben sich freiwillig bereit erklärt, den Kaffeebauern Preise weit über dem niedrigen Weltmarktpreisniveau zu zahlen und lindern damit minimal die Nöte der Kaffeebauern.

Das Genussmittel für jedermann

Zuerst wurde Kaffee in Südarabien, dann im ganzen Orient und schließlich in Europa und der Neuen Welt, in Amerika getrunken. Das Getränk Kaffee eroberte die ganze Welt. Ursprünglich stammen die Kaffeepflanzen aus Afrika. Die Arabicapflanze ist in Äthiopien und dem Sudan zu Hause. Von dem jemenitischen Handelshafen Mocha aus gelangt der Kaffee in weite Teile der Welt; von ihm stammt die Bezeichnung Mokka. Der Adel und die Oberschichten sind begeistert von der kolonialen Handelsware und werden zu Kaffeetrinkern. An Handelsknotenpunkten entstehen die ersten Kaffeehäuser: 1647 in Venedig, 1650 in Oxford, zwei Jahre darauf in London, 1663 in Amsterdam und 1664 in Den Haag, 1671 in Marseille und schließlich 1672 in Paris. Die Kaffeehauskultur breitet sich unaufhaltsam über ganz Europa aus. Zur Zeit der Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jahrhundert eröffneten Kaffeehäuser auch in Städten der heutigen USA. Die Betreiber der ersten Kaffeehäuser waren in der Regel gebürtige Orientalen. Das Kaffeehaus in Oxford wurde von einem syrischen Juden betrieben. Den richtigen Umgang mit der Kaffeebohne mussten die Europäer erst erlernen.

Durch die neuen Kaffeehäuser fand der Kaffee im 17.und 18. Jahrhundert auch Einzug in die Privathaushalte. Bald verdrängte der Kaffee das traditionelle Frühstück der Europäer. Er wurde zum Getränk zum Vesper, für den Nachmittag und für das Wochenende (der Sonntagskaffee). Schließlich wird die Aussage: „Treffen wir uns auf einen Kaffee“ zu einem Synonym für geselliges Beisammensein, egal zu welcher Tageszeit. Kaffee ist Genussmittel, Aufputschmittel und Handelsware.

Literaturnachweis:

  • Annerose Menninger, Genuss im kulturellen Wandel, 2. Aufl., Franz Steiner Verlag (Stuttgart 2008).
  • Rudolf Schröder, Kaffee, Tee und Kardamom, Eugen Ulmer Verlag, (Stuttgart 1991).
  • Cornelia Teufl, Stephan Clauss, Coffee, Zabert Sandmann Verlag (München 2004).
  • Simone Hoffmann, Rolf Bernhardt, Die Welt des Kaffees, Neuer Umschau Buchverlag (Neustadt 2007).
  • Yasar Karaoglu, Kaffee Kult, Gräfe und Unzer Verlag (München 2001).
  • Johann Wechselberger, Tobias Hierl, Das Kaffeebuch für Anfänger, Profis und Freaks, Lesethek Verlag (Wien 2009).
  • Daniela Rava, Il Caffè, Flechsig Verlag (Würzburg 2006).