Wie der RTL-Zweiteiler VULKAN entstand

Auch für einen TV-Film muss Einer die Idee liefern – Nikolaus Krämer

Nick Krämer umringt von SEK-Beamten - Jaqueline Krause-Burberg
Nick Krämer umringt von SEK-Beamten - Jaqueline Krause-Burberg
Die Idee für den neun Mio. Euro teuren "Vulkan" stammt von Nikolaus Krämer. Zuvor stieß er die Idee für den ZDF-Film "Dresden" an, der ein überwältigender Erfolg wurde.

Wenn die Plakate zu dem neun Millionen Euro teuren RTL-Zweiteiler „Vulkan“ (Regie: Uwe Janson) in den Bushaltestellen hängen, fragt sich niemand mehr, wer eigentlich die Idee zu der Geschichte hatte und wie man darauf gekommen ist. Wichtig ist dann nur noch, dass sich der Zuschauer den Film über einen Vulkan-Ausbruch in Deutschland überhaupt ansieht.

Die Macher hinter Fernsehfilmen/TV-Movies

In der Wahrnehmung des Zuschauers stehen immer der Sender und dann vielleicht noch die Regisseure an erster Stelle. Über die Produzenten und Autoren von Fernsehware macht sich kaum ein Zuschauer Gedanken. Manchmal lohnt sich aber ein Blick tiefer in den Entstehungsprozess eines TV-Movies, wie die privaten Sender ihre Fernsehspielfilme nennen. Denn originelle Ideen kommen meist nicht von den Verantwortlichen der Sender oder den Produktionsfirmen, die die Filme herstellen, sondern von Kreativen, die auf eine Geschichte, Anekdote oder ein Ereignis stoßen und denken, dass es die Grundlage für eine tolle Story sein könnte.

Nikolaus Krämer, der Mann mit der Idee zu "Vulkan"

Im Fall von „Vulkan“ war es eine Familienfeier im Spätsommer 2005 in der Vulkaneifel. Die Vulkaneifel liegt grob gesehen im nördlichen Rheinland-Pfalz zwischen Belgien und dem Rhein und es gibt dort noch immer vulkanische Aktivität. Der freischaffende Stoffentwickler Nikolaus Krämer fragte sich, was wohl passieren würde, wenn es hier zu einem Vulkanausbruch käme und er fragte sich vor allem: warum hatte noch nie jemand die Idee zu solch einer Geschichte?

Von der Idee zum Drehbuch

Krämer hatte für RTL als Redakteur an TV-Movies wie „Die Pest“ oder „www.maedchenkiller.de – Todesfalle Internet“ gearbeitet und die Idee für den ZDF-Zweiteiler „Dresden“ gehabt, der ein unglaublicher Publikumserfolg war und 2006 den Deutschen Fernsehpreis als Bester Film erhielt. Er weiß, was ein großes Publikum anspricht. Also setzte er sich hin und entwarf in nur drei Monaten eine ziemlich detaillierte Geschichte zu seiner Idee. Das ist wichtig, denn eine Idee alleine lässt sich nicht verkaufen – nur die Geschichte drum herum ist verkäuflich.

Mit ihr ging Nikolaus Krämer zur Potsdamer Produktionsfirma Teamworx, mit der er bereits „Dresden“ realisiert hatte und die neben dem Katastrophenfilm „Tornado“ noch andere Ereignis-Filme produziert hatte. Teamworx-Produzent und -Chef Nico Hofmann zeigte sich von der Idee begeistert und konnte RTL als jenen Sender gewinnen, der den Film finanzieren und ausstrahlen würde.

Ein langer Prozess: Recherchen, Entwicklung und Veränderungen

Aufbauend auf den ersten Recherchen von Nikolaus Krämer über Vulkanaktivitäten und eines zu vermutenden Ablauf eines Vulkanausbruchs in der Eifel wurde die Geschichte dann etwa zwei weitere Jahre entwickelt und recherchiert. Das Drehbuch schrieb Alexander Rümelin.

Dabei kam es auch zu Veränderungen in der Grundidee. „Ursprünglich habe ich vorgesehen, dass die Lava in den Rhein läuft und ihn aufstaut, was Köln und Bonn bedroht hätte, wenn die aufgestauten Wassermassen ihren Damm durchbrochen hätten“, erzählt Nikolaus Krämer. Doch letztendlich entschieden sich Produktion und Sender den Ausbruch auf das Dorf zu begrenzen, in dem die Geschichte spielt. Eine Geschichte, in der es, wie im deutschen Katastrophen-Fernsehfilm üblich, in erster Linie um die Menschen geht, die von der Katastrophe betroffen sind.

Idee abgeben? Als Co-Autor fungieren? Writer-Producer werden?

Als Ideen-Geber muss man seine Idee irgendwann frei geben. „Irgendwann wird die Geschichte die Geschichte des Drehbuchautors“, sagt Nikolaus Krämer. „Aber das ist auch so gewollt.“ – bis jetzt. Seine nächsten Stoffe wird Nikolaus Krämer als Autor im Autorenteam begleiten. „Wenn mir an einer Idee besonders viel liegt, gebe ich sie nicht mehr ab, sondern begleite sie als Co-Autor weiter“, sagt Nikolaus Krämer, der inzwischen in Florida lebt und arbeitet und das US-amerikanische Prinzip des Writer-Producer umsetzen will. Dies bedeutet, dass er als Ideengeber nicht nur das Drehbuch schreibt, sondern als Produzent auch Einfluss darauf hat, dass der Stoff in seinem Sinne umgesetzt und später auch zu sehen sein wird.

Die nächsten Projekte von Nikolaus Krämer

Zwei weitere Stoffe von Nikolaus Krämer sind gerade in verschiedenen Phasen der Entstehung. In beiden ist er dem Katastrophenthema treu geblieben: der eine handelt von den Folgen eines Stromausfalls in Berlin, der andere ist ein Thriller über ein Öko-Desaster in der Nordsee.

In Zukunft will er sich mehr auf den internationalen Markt konzentrieren und Projekte gemeinsam mit deutschen, kanadischen und US-amerikanischen Firmen realisieren. Dafür sieht er sich an idealer Stelle: „Ich lebe in der Schnittmenge zweier Kulturen und habe daher eine andere Wahrnehmung auf die Welt, was sich bei der Entwicklung von Stoffen für diese Welten positiv bemerkbar macht.“

Sendetermine, Cast und Mitwirkende von "Vulkan"

"Vulkan", Deutschland 2009, Ausstrahlungstermine: 18.10.2009 und 19.10.2009 bei RTL; anschließend auf DVD erhältlich.

Regie: Uwe Janson, Buch: Alexander Rümelin, Produktion: Teamworx Television & Film (Nico Hofmann, Klaus Zimmermann, Jürgen Schuster)

Darsteller: Matthias Koeberlin (Michael Gernau), Katharina Wackernagel (Andrea Matting), Heiner Lauterbach (Gerhard Maug), Yvonne Catterfeld (Daniela Eisenach), Armin Rohde (Walter Röhricht), Katja Riemann (Kirsten Friedrichs), Sonja Gerhardt (Paula Maug), Pasquale Aleardi (Phil Friedrichs), Ursula Karven (Renate Maug), Christian Redl (Ludwig Schöngau), Jenny Elvers-Elbertzhagen (Yvonne)

zum Bild: Nikolaus Krämer inmitten echter SEK-Beamter, die in dem von ihm geplotteten ARD-Thriller "In letzter Sekunde" sich selber spielen.

Thomas Steiger, Sabine Felber

Thomas Steiger - Seit Mitte der 80er Jahre schreibe ich über Film und Fernsehen. Erst Filmbesprechungen, dann über die Hintergründe der ...

rss