Wie die Finanzkrise die Europäische Union traf

Die Flüchtigkeit des Geldes 003 - © Gerd Altmann  / pixelio.de
Die Flüchtigkeit des Geldes 003 - © Gerd Altmann / pixelio.de
In welchem Zusammenhang steht die Europäische Union mit der Finanzkrise? In wieweit ist sie von der Krise betroffen?

Die Finanzkrise seit 2007/08 ist die tiefste seit der Gründung der Europäischen Union. Obwohl die Krise eindeutig ihren Ursprung in den USA und in den dortigen Problemen des Subprime-Hypothekenmarkts hat, sind ihre Folgen – ungerechtfertigter weise – gravierend in Europa zu spüren.

Die Gemeinschaft war auf den gravierenden Schock, den die Finanzkrise mit sich brachte nicht vorbereitet. Sie hat keine Erfahrungen und Instrumente für das gemeinsame Management solch einer Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Krise hat sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Mitgliedsländer. Nach der Osterweiterung, die 2004 erfolgte, steckten mittel- und osteuropäische Mitgliedsstaaten noch mitten in einem wirtschaftlichen Aufholprozess, während Andere in der Eurozone auch ohne die Krise schon damit zu kämpfen hatten, dass sie nicht Wettbewerbsfähig genug waren. Die Europäische Union wurde vor große politische und ökonomische Herausforderungen gestellt. Die Krise lässt sich grob in drei Phasen unterteilen.

Die Erschütterung im Finanzsektor

Die erste Phase ist die Erschütterung im Finanzsektor: Im Finanzsektor entwickelte sich die Krise vor allem, als die US-Hypotheken-Krise, die in diesem Bereich investierenden Finanzinstitute traf. Im Frühjahr 2008 wurde dann auch die Gefahr einer systematischen Krise im Bankensektor, in der Europäischen Union, sichtbar. Anzeichen waren dafür unter anderem der Zusammenbruch der Banken Northern Rock in Großbritannien und der Landesbank Sachsen.

Die europäischen Finanzdienstleister bekamen immer mehr Schwierigkeiten sich neue Kredite zu verschaffen. Einige Monate danach standen große europäische Finanzdienstleister wie zum Beispiel die Dexia, Fortis und die Hypo Real Estate vor dem Bankrott. Im Unternehmenssektor drohte eine Kreditklemme. Die Europäische Zentralbank reagierte rasch mit Leitzinssenkungen und neuen Instrumenten zur Liquiditätsbereitstellung auf die Instabilitäten im Finanzsektor. So verbesserte sie die Refinanzierungsbedingungen. Es wurde aber schnell deutlich, dass die Krise im Finanzsektor kein reines Liquiditätsproblem war.

Im Oktober 2008 trat schließlich ein „Eurozonen-Gipfel“ zusammen. Die Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten trafen sich um über Stabilisierungsmöglichkeiten des Finanzsektors zu sprechen. Der Vorschlag zur Schaffung eines gemeinsamen Bankenrettungsfonds wurde jedoch abgelehnt. Einige der Mitgliedsstaaten befürchteten die Kosten- und Risikoübernahme für andere zu sehr. In den ersten beiden Jahren der Krise wurde deutlich, dass die Mitglieder durch den Euroraum im besonderen Maße vor Währungsturbulenzen geschützt wurden.

Der Einbruch der Wirtschaft

Die zweite Phase der Krise – der Einbruch der Wirtschaft – begann 2009. Sie war gekennzeichnet von sinkenden Wachstumsraten des Bruttoinlandprodukts bis hin zur Rezession in einigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die Belastungen für den Arbeitsmarkt waren in manchen Ländern sehr groß und führten zu stark steigender Arbeitslosigkeit. Um den Wirtschaftseinbruch abzumildern, setzte sich europaweit die Auffassung durch, haushaltspolitisch gegenzusteuern. Die Europäische Union führte Abstimmungen darüber durch und verhinderte, dass nationale Konjunkturpakete zu Protektionismus im Binnenmarkt führen, da sie befürchteten, dass als Folge möglicher Handlungsbeschränkungen Wohlstandsverluste und politische Spannungen auftreten würden. Des Weiteren wurden kurzfristig fünf Milliarden Euro aus dem EU-Budget mobilisiert, flankierend zu den nationalen Maßnahmen. Das Kreditvergabevolumen der Europäischen Investitionsbank wurde für die Jahre 2009 und 2010 um 15 Milliarden Euro erhöht.

Liquiditätskrisen und Staatsbankrotte

In der dritten Phase der Krise geht es um Liquiditätskrisen und drohende Staatsbankrotte. Die Stützungsmaßnahmen für Unternehmen und Banken und die nationalen Konjunkturpakete sorgten für höhere Staatdefizite als erwartet wurden. Die haushaltspolitische Situation in einigen EU-Mitgliedstaaten spitze sich aber vor allem dann zu, als im Zuge des Wirtschaftsabschwungs Steuereinnahmen wegbrachen. Seitdem befindet sich die Eurozone in der Verschuldungskrise, der dritten Phase der Krise. Griechenland ist eines der am stärksten betroffenen Länder. Es hat das Vertrauen der Anleger soweit verloren, dass seine Regierung sich keine Kredite mehr am Finanzmarkt beschaffen konnte. Im April 2010 musste es die Mitgliedsstaaten und den internationalen Währungsfond um Hilfe bitten

Es wird deutlich, dass es sich bei der derzeitigen Finanzkrise nicht nur um eine „einfache“ Vertrauenskrise handelt, sondern um das Ergebnis langjähriger Fehlentwicklungen. Sie wird sich nicht so einfach lösen lassen. Sie wurde durch die Fehlentwicklungen der letzten 8 Jahre hervorgerufen und sogar noch „verschärft“ und zwar durch die ungezügelte Kreditvergabe und die Bildung einer Blase am US-Immobilienmarkt.

Quellen:

  • James, H: Die Finanzkrise und ihre Herausforderung für Europa, TranState Working Papers No. 105, 2009.
  • Schwarzer, D: Die EU und die Wirtschafts- und Finanzkrise, Der Bürger im Staat 3-2010, 2010, S. 301-306.
Shirley V. Heubach, Shirley V. Heubach

Shirley V. Heubach - Shirley V. Heubach hat ihre Leidenschaft für das Schreiben schon in ihrer Kindheit und Jugend entdeckt, als sie angefangen hat ...

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