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Wie die Tulpe nach Holland kam

Die Geschichte einer ehemals nur den Reichen vorbehaltenen Blume.

Farbenprächtiges Tulpenmeer - Reinhold G./ Pixelio
Farbenprächtiges Tulpenmeer - Reinhold G./ Pixelio
Das farbenprächtige Liliengewächs wird in Europa stets mit Holland in Verbindung gebracht. Dabei hat sie ihren eigentlichen Ursprung in Zentral-Asien.

Sie gilt als einer der ersten Boten des herannahenden Frühlings nach dem kalten und grauen Winter. Die Tulpe zaubert den Menschen durch ihre pachtvollen Blüten in den herrlichsten Farben seit Jahrhunderten am Ende der melancholischen und tristen Jahreszeit das Lächeln auf die Gesichter zurück. Kein Wunder also, dass Tulpen gleich nach den Rosen zu den erfolgreichsten Schnittblumen in ganz Europa zählen. Etwa 150 Arten und zahlreiche Hybriden bilden die Gattung der Tulpen, die zur Familie der Liliengewächse gehören.

In Holland verbreitet, jedoch zu Hause in der Türkei

Viele Tulpenliebhaber bringen mit ihrer Lieblingsblume automatisch die Holländer in Verbindung, denen das Klischee der „Tulpennation“ seit Langem anhaftet. In der Tat werden in Holland etwa 80% aller Tulpenpflanzen innerhalb Europas kultiviert. Die Pflanze ist jedoch nachweisbar erst seit Ende des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden beheimatet. Ihren Ursprung hat die Wildtulpe in einer anderen Region der Erde, nämlich in Zentral-Asien. Vor allem in Persien (heutiger Iran), Afghanistan und in der Türkei sind die Urformen der heutigen Zuchttulpen zu Hause. Der Name „Tulpe“ leitet sich vom persischen Wort „dulband“ ab, das die Bezeichnung für eine früher in Persien oft gebräuchliche turbanähnliche Kopfbedeckung darstellt. Da die Blüte der Tulpe solch einem Turban sehr ähnlich ist, erhielt die Blume schließlich ihren sehr treffenden Namen, der sich auch in ihrer botanischen Bezeichnung Tulipa widerspiegelt. Bereits im Wappen der Osmanen tauchte die Tulpe schon sehr früh als Bildelement auf. Bis heute ist sie die Nationalblume der Türkei geblieben und steht sinnbildlich für das Leben und die Fruchtbarkeit des Landes.

Von Konstantinopel nach Wien

Auf europäischem Boden wuchsen die ersten Tulpenpflanzen Mitte des 16. Jahrhunderts in den kaiserlichen Hofgärten der österreichischen Hauptstadt Wien. Dies hatten sie einem Gesandten des österreichischen Kaisers Ferdinand I. zu verdanken, der sich während eines Aufenthaltes in Konstantinopel in die Farbenpracht der Blumen verliebt hatte. Er brachte darum für Charles de L’Écluse, den Hofgärtner des Kaisers, einige Tulpen-Zwiebeln von seiner Reise mit. L’Écluse pflanzte und kultivierte die Tulpen daraufhin in den Gärten. Auch wissenschaftlich befasste er sich sehr intensiv mit der botanischen Einordnung der Pflanze.

Von Österreich in die Niederlande

1593 wurde der Botaniker L’Écluse als Professor an die Universität Leiden in den Niederlanden berufen. Zu weiteren Forschungszwecken nahm er auch dorthin einige Tulpenpflanzen mit. Obwohl der Professor es aus wissenschaftlichen Gründen untersagen lassen wollte, entdeckte in den folgenden Jahren der niederländische Handel die Tulpe als Verkaufsobjekt für sich. Die bunten Schnittblumen traten daraufhin einen Siegeszug durch ganz Europa an. Dabei konnten sich jedoch nur reiche Leute die Blumen in ihrem Hause leisten. Zeitweise hatten Tulpen während der so genannten „Tulpomanie“ ab etwa 1600 größeren Wert als Gold oder Edelsteine. An den niederländischen Handelsbörsen wurden mit den Pflanzen Gewinne in unglaublicher Höhe erzielt. Bis es 1637 dann zu einem geschichtsträchtigen Börsencrash kam, bei dem viele Händler durch ihre vorab viel zu hohen Spekulationen in die Pleite getrieben wurden.

Heute erschwinglich für jedermann

Der Erfolgsgeschichte der Tulpe tat dies jedoch auf lange Sicht keinen Abbruch. Zunächst wurden die Pflanzen weiterhin exklusiv in den Gärten der Reichen und Adeligen Europas gezüchtet. Je mehr Arten und Sorten jedoch kultiviert wurden, desto weiter verbreitete sich das Angebot. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Tulpe vom Luxusgut zur für jedermann erschwinglichen Zierpflanze, die bis heute von vielen Menschen als Frühlingsbote geschätzt wird. Besonders ist an den zwittrigen Blumen mit ihren sechs gleichförmigen Blüten-, sechs Staub- und drei miteinander verwachsenen Fruchtblättern neben ihrer Farben- und Sortenvielfalt vor allem, dass sie in der Vase weiter wachsen. Neben ihrer langen Geschichte sind sie so auch ein echtes und einmaliges Phänomen der Natur.

Stephanie Riechelmann, Stephanie Riechelmann

Stephanie Riechelmann - Hallo liebe Leser! Willkommen in meinem Profil! Ein paar Dinge über mich: Ich bin studierte Sozialwissenschaftlerin, 36 Jahre ...

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