Wie ein Pferdebetrieb in Krisen-Zeiten schwarze Zahlen schreibt

Dressur- und Springtraining in Estepona - Gabriele Hefele
Dressur- und Springtraining in Estepona - Gabriele Hefele
Ein Beispiel einer Reitanlage im Wirtschaftskrisen-Spanien. Schwarze Zahlen durch Outsourcing und Rückbesinnung auf Kernkompetenzen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört die Escuela de Arte Ecuestre, die beeindruckende Reitanlage auf 100.000 Quadratmetern gegenüber dem Kempinski Hotel, zu den Attraktionen von Estepona, und ist weit über die Gemeinde-und Provinzgrenzen hinaus bekannt. Gegründet von einer Spanierin und einem Belgier zählte sie immer schon zu den imposantesten Reitanlagen an der Costa del Sol. Es gab in der großen Halle aufwändige Shows, es trat Pferdeflüsterer Monty Roberts dort das einzige Mal in Südspanien auf, die Apassionata veranstaltete ihre Casting-Shows dort, um nur einige Highlights der Vergangenheit zu nennen. Doch Thomas Schmutzer, der Besitzer, machte nie einen Hehl daraus, dass auch er den Witz von sich geben könnte: „Man kann mit Pferden ein kleines Vermögen machen - wenn man vorher ein großes hatte!“

Frischer Wind durch neuen Direktor

Thomas Schmutzer ist immer noch Besitzer der Reitanlage, ist aber jetzt Pensionär und übergab den Betrieb vor zwei Jahren an seinen holländischen Neffen, Michael Sturhoofd. Das war im Jahr 2009, als die große Finanz- und Wirtschaftskrise weltweit und besonders in Spanien begann. Erstaunlich ist, was der neue Direktor, der Hotelfach lernte und zuletzt in der Immobilienbranche tätig war, aus der Escuela de Arte Ecuestre machte. Er schreibt schwarze Zahlen. Dies schaffte er zum einen durch Outsourcing, das heißt Privatisierung vieler Bereiche rund ums Pferd: Der Hufschmied vor Ort arbeitet jetzt auf eigene Rechnung, der Tierarzt ebenso. Den Zubehörshop verpachtete er ebenso wie das Restaurant „Abrevedero“, das jetzt nicht nur ein rustikales Reiterstübchen enthält, sondern in einem abgetrennten Teil auch ein edles Restaurantambiente schaffte durch erfahrene Tapasbar-Betreiber aus dem Ort. Insgesamt kam Sturhoofd so von früher 52 fest Angestellten auf jetzt noch elf Stallburschen und fünf Reitlehrer.

Zum anderen schaffte er die teuren Shows ab, bei der die Halle nie ausverkauft war. Die Konkurrenz der mit öffentlichen Steuermitteln unterstützten Königlichen Reitschule in Jerez ist einfach zu nah, die Reiseveranstalter und Busunternehmen fahren alle immer nur in die große Reiterstadt Jerez de la Frontera.

Entwicklung zu einem internationalen Reitsportzentrum

Kennt man die Anlage von früher, so bemerkt man noch weitere Veränderungen. Jetzt sind leer stehende Büroräumen an Sprachschulen für Englisch und Spanisch vermietet, ist einstmals toter Raum unter der Halle wie die Arkaden zu Shops umgebaut, beipielsweise einer Mode- und einer Schmuckboutique, die bei Turnieren sehr gut frequentiert werden. Sturhoofd: „Zusätzlich zum Pferdeveterinär haben wir neu eine Tierarztklinik für Kleintiere, vor allem Hunde, eingerichtet, denn Reiter haben fast alle auch einen Hund. Das alles bringt zusätzliche Einnahmen, wenn wir auch moderate Mieten von 125 bis 250 Euro pro Monat verlangen. Wir selbst beschränken uns auf den eigentlichen Pferdebetrieb mit Pensionsbetrieb und dem Schwerpunkt Pferdesport wie Springen und Dressur.“

120 Pensionspferde stehen heute in den Ställen zu je 475 Euro im Monat. Das ist alles inklusive mit Futter, mit Einstreu und mit Ausmisten der Ställe. Beim Futter wird auf gute Qualität geachtet, wie die deutsche Reitlehrerin Imke Buchmann, die seit vier Jahren für die Reitschule arbeitet, betont: „Das Heu kommt aus Leon, das Kraftfutter wird in Conil von einer Engländerin zusammen gestellt, die staubarmen Späne werden aus Galizien hierher transportiert.“ Neu sind die 40 Padocks mit Schattendächern, so dass die Pferde sich auch im Freien aufhalten können, das fehlte vorher als Service für die Pferde. Kürzlich wurden zusätzliche 35.000 Quadratmeter Grund auf dem Nachbarhügel dazu erworben, die man nun in kleine Weiden von circa je 4.000 Quadratmetern einteilt mit Unterständen.

Training mit Stars

Die Escuela de Arte Ecuestre in Estepona machte erst kürzlich von sich reden, als Anfang August die Spanische Springmeisterschaft dort ausgetragen und mithilfe eines großzügigen Sponsors ein Vier-Tage-Training mit Anke van Grunsven, einer der weltbesten Dressurreiterinnen, angeboten wurde. Olympiateilnehmer in der Dressur, José Simon, war schon für einen Lehrgang hier, und der beste spanische Springreiter, Luis Astolfi, der hier Pferde stehen hat, konnte auch für Springkurse gewonnen werden. Kurse mit international bekannten Vertretern aus Dressur oder Springen sollen nun regelmäßig zum Programm gehören. Beim internationalen Kundenstamm sind Skandivavier und Deutsche vor allem am Dressurtraining, Engländern, Spanier und Russen am Springen interessiert. So wird wohl demnächst zum Reitunterricht in Spanisch, Englisch und Deutsch auch Russisch hinzu kommen. Was das 25 Kilometer entfernte Sotogrande für Polo, ist Estepona nun für Springen und Dessur.

Nicht zu vergessen der Ponyclub mit 30 Ponies. 120 Kinder kommen durchschnittlich zum Reiten und Üben. Imke Buchmann: „Ab Oktober wollen wir für 250 Euro einen 15-Wochenkurs mit zwei Unterrichtseinheiten pro Woche anbieten, womit die Kinder dann das Zertifikat der Spanischen Reitervereinigung erwerben - vergleichbar dem deutschen Reiterabzeichen - und an Turnieren teilnehmen können. Michael Sturhoofds Fazit: „Wir haben viele neue Sachen angefangen.“

Quelle:

Interview mit Michael Sturhoofd und Imke Buchmann am 19. August 2011

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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