Wie entstand das Christentum?

Wie entstand das Christentum? Jesus am Kreuz - Astrid Treumann
Wie entstand das Christentum? Jesus am Kreuz - Astrid Treumann
Ursprünge christlichen Glaubens finden sich bei Jesus von Nazareth. Nächstenliebe, Offenheit und Barmherzigkeit machten das Christentum zur Weltreligion.

Die historische Wurzel des Christentums liegt in der Botschaft des Jesus von Nazareth. Er zog als Wanderprediger mit seinen Anhängern durch das römisch besetzte Israel. Seine Botschaften waren schlicht und radikal. Er rief die Menschen auf Buße zu tun und dem falschen Lebenswandel zu entsagen. Um zu Gott umzukehren.

Anfänge des Christentums

Das Markusevangelium zitiert aus der ersten Predigt Jesu: “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.”. Jesus Predigten richteten sich an das Gottesvolk Israel. Sie sollten sich auf ihre Wurzeln besinnen, die Zehn Gebote und den Nächsten sowie Gott aus ganzem Herzen lieben. Aus heutiger Sicht wirkt es erstaunlich, wie sich aus dieser kleinen jüdischen Bewegung in weniger als 300 Jahren eine Weltreligion entwickeln konnte.

Das leere Grab Jesu war der Ursprung des Glaubens. Die Hinrichtung Jesu durch die römischen Besatzer schockierte seine Anhänger zutiefst. Am dritten Tag nach seiner Beisetzung entdeckte eine Frau, dass sein Grab leer war. Ihr erschien Jesu als Vision. Sie eilte zu ihren Freunden und berichtete über ihr Erlebnis. Dieser Augenblick bestimmte die Anfänge des christlichen Glaubens entscheidend. Der Prediger Jesu wird zum Gepredigten, seine Botschaft die Rückkehr.

Erste christlichen Gemeinschaften

Erste Gemeinschaften fanden sich vermutlich in Jerusalem zusammen. Man nimmt an, dass die Leitfigur Petrus war. So wird es in den vier Evangelien beschrieben. Petrus hatte als Erster Jesus als Gottes Sohn erkannt. Er wurde neben Jakobus zum Anführer der sogenannten “Judenchristen”. Die Katholische Kirche machte ihn zum Ausgangspunkt der Christen und sieht ihn als ersten Papst. Die Verehrung seines Grabes in Rom entstand im 2. Jahrhundert.

Aus römischer Sicht wurde dieser neuen religiösen Bewegung wenig Sympathie entgegen gebracht. In der römischen Geschichtsschreibung (Sueton, 67 - 140 n.Chr.) wurden Christen als “Menschen, die sich einem abscheulichen Aberglauben hingeben” beschrieben. Der römische Widerstand gegen christliche Gemeinschaften entzündete sich auch daran, dass sie sich aus relativ ungebildeten Kreisen zusammen setzten. Jesus von Nazareth war Bauhandwerker, seine Apostel Handwerker und Fischer.

Nächstenliebe als Basis christlichen Glaubens

Frühe christliche Gemeinschaften gewannen zunehmend an Ansehen, da sie eine besondere Form des Umgangs miteinander pflegten. Sie lebten Nächstenliebe als grundlegendes Prinzip mitmenschlichen Umgangs. Ihr soziales Engagement ließ die Nächstenliebe zum Fundament christlicher Handlungsweise werden. Selbst Gegner der christlichen Bewegung (Celsos, 2.Jh.) mussten eingestehen, dass “ihre Übereinkunft erstaunlich ist”.

Der Glaube an die Auferstehung des gekreuzigten und auferstandenen Jesu als den verehrungswürdigen Gott wurde zum zentralen Thema. Weiterhin entwickelte sich die Ansicht, dass der Auferstehungsglaube und die Einhaltung der Gebote der eigentliche Kern christlicher Gemeinschaften ist. Die Zugehörigkeit zum Volk Israel ist dafür nicht notwendig. Durch diese Erkenntnisse entstand der entscheidende Entwicklungsschritt christlicher Gemeinschaften, der weit über das jüdische Volk hinaus ging.

Die Mission der christlichen Botschaft

Das Neue Testament überlieferte den Missionsbefehl. Die Aufforderung, die Botschaft Jesu zu verbreiten. Jesus selbst hatte seine Jünger versendet. Zunächst beginnend als Mission unter den Juden (“Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben...“ Matthäus, 10. Kapitel).

Folgend wurde von Jesus der Missionsauftrag erweitert. (“..Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.” Matthäus, 28. Kapitel)

Die christliche Offenheit

Im Christentum gab es keine Geheimlehre, die von einer privilegierten Gruppe verwaltet wurde. Diese Tatsache machte den christlichen Glauben für immer mehr Menschen attraktiv. Auf Zusammenkünften wurden Ansichten zu Glaubensfragen so lange gemeinschaftlich erörtert, bis eine Einigkeit erzielt wurde. Maßgeblich war die Auslegung der Heiligen Schrift. Die Offenheit, mit der diese Glaubenserörterungen in den ersten drei Jahrhunderten gewaltfrei geführt wurden, war eine große Stärke des Christentums.

Bewundert wurde der Mut vieler Christen, für ihren Glauben zu sterben. So demonstrierten sie die Kraft des Glaubens an die Erlösung, indem sie blutige Verfolgung ertrugen. Der sichtbare Zusammenhalt christlicher Gemeinden, ihre friedvolle und leidensfähige Art trug maßgeblich zur Verbreitung des Christentums bei. Die Grundeinstellung der Christen, welche missionarisch wirkte und viele Menschen anzog, wird im 5. Kapitel des Matthäusevangeliums deutlich zusammengefasst. Die großen Visionen der Christen, die auf das Kommen des Reiches Gottes hoffen - Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Quelle: Ralph Ludwig, Christentum - Alles, was man wissen muss, 2007, Stuttgart, Verlag Kreuz GmbH, 192 Seiten, 16,95 Euro

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

rss