Wie entstehen farbige Diamanten?

Regenbogen: von Gelb bis Braun, von Blau bis Grün

Rosa Diamant - Sigrid Harig/pixelio
Rosa Diamant - Sigrid Harig/pixelio
Was macht einen Diamanten noch faszinierender? Farbe - von zart bis intensiv. Stickstoff, Bor und Wasserstoff machen Diamanten bunt und extrem rar.

Farbige Diamanten entstehen dann, wenn im Wachstumsprozess der Edelsteine Fremdatome zwischen den Kohlenstoffatomen eingeschlossen werden oder wenn Kontakt mit radioaktiven Materialien entsteht. Farbige Diamanten kommen zwar in nahezu allen Minen vor, aber sie sind um ein Vielfaches seltener als farblose Schmuckdiamanten. Weniger als ein Promille aller geförderten Schmuckdiamanten sind farbig. Dabei sind die häufigsten Farben Gelb und Braun, die seltenste Grün.

Stickstoff macht Diamanten gelb

Gelbe Diamanten gibt es in unzähligen Farbvarianten und –intensitäten, von Hellgelb bis Kanariengelb, wobei letztere sehr viel seltener ist als die zarteren Versionen. Diese Farbdiamanten entstehen durch Einlagerungen von Stickstoffatomen in das Kristallgitter des Diamanten im Wachstumsprozess.

Durch den Einschluss von Stickstoffatomen entstehen auch orange Diamanten. Da aber die Stickstoffatome in diesen Diamanten anders eingelagert werden als in gelben, verursachen sie die Absorption der blaugrünen Spektralfarben, so dass sie orange erscheinen. Orangefarbene Diamanten sind wesentlich seltener als gelbe. Kürbisfarben zählen Experten sie zu den schönsten Farbdiamanten überhaupt.

Bor und Wasserstoff färben Diamanten bläulich

Obwohl Stickstoff der häufigste Fremdstoff ist, der Diamanten einfärbt, können auch Bor- oder Wasserstoffatome zu Farbeffekten führen. Die mit Bor oder Wasserstoff versetzten Diamanten absorbieren die orangen Spektralanteile des Lichts, was eine Blaufärbung hervorbringt. Blaue Diamanten zeigen die ganze Farbpalette von Dunkelblau über Himmelblau bis Stahlblau. Sie müssen daher keinen Vergleich mit anderen blauen Farbsteinen scheuen, wie auch Diamantenhändlerin Caroline Schmidt (Name von Redaktion geändert) bestätigt, die sich auf farbige Diamanten spezialisiert hat.

Nicht nur die Einlagerung von Fremdatomen können Farbvarianten in Diamanten hervorbringen, sondern auch Fehler in den Kohlenstoffatomen selbst. Man kann hier auch von Gitternetzverschiebungen sprechen. Diese Wachstumsstörungen erzeugen meist hell- bis dunkelbraune Farbtöne, die von Champagner über Sherry, Cognac bis Honig reichen. Manchmal verursachen Wachstumsstörungen der Kohlenstoffatome in Diamanten rosa statt braune Färbungen. "Die rosa Diamanten, die bis Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts bekannt waren und in Borneo, Südamerika und Südafrika gefördert wurden, gelten dabei durchweg als pastellig“, so Schmidt. "Erst seitdem in der australischen Argyle Mine intensiv rosafarbene Diamanten mit orangen, roten bis hin zu purpuren Zweitfarben gefunden werden, kennt man intensives Rosa als Diamantenfarbe.“

Grün wird ein Diamant nach Kontakt mit radioaktivem Material

Während alle anderen Diamantfarben in der Wachstumsphase entstehen, ist Grün die einzige Farbe, die erst nach Vollendung eines Diamanten ausbildet wird. Wenn ein Rohdiamant mit radioaktivem Material wie Uran in Kontakt kommt, erzeugt die Strahlung Defekte in der Struktur des Diamanten, die sich in einer Grünfärbung äußert. Meist dringt die Strahlung nicht sehr tief in den Edelstein ein, so dass die Grünfärbung dementsprechend nur oberflächlich in Form von Flecken oder als geschlossene Haut auftritt. So sind grüne Diamanten, deren Färbung den gesamten Stein durchdringt, eine wahre Rarität.

Diamanten kommen also nicht nur in farblosen oder nahezu farblosen Varianten vor, die so zart mit Stickstoff versetzt sind, dass ihre leichte Gelbfärbung nur im direkten Vergleich mit hochfein weißen Diamanten zu sehen ist. „Während komplett farblose Diamanten alle Spektralfarben des Lichts – Rot, Gelb, Grün und Blau – unverändert passieren lassen und ihre Gesamtheit als Weiß wahrgenommen wird, kann Stickstoff dazu führen, dass die blauen Anteile des Lichtspektrums die Diamanten nicht mehr unbeeinflusst passieren, sondern absorbiert werden“, erklärt Diamantenhändlerin Schmidt. "Im selben Maße, wie das Blau absorbiert wird, erscheint in den Diamanten Gelb als die entsprechende Komplementärfarbe.“

Farbige Diamanten begehrter als farblose

Trotz ihrer Rarität erscheinen farbige Diamanten in den unterschiedlichsten Farbintensitäten und -varianten. Die Bandbreite erscheint nahezu unendlich von zartestem Gelb bis hin zu intensivem Purpur, von Knallblau bis Grasgrün. Manche Diamanten ändern sogar ihre Farbe je nach Temperatur oder Lichtintensität von Gelb nach Grün oder umgekehrt.

"Am seltensten sind die Farben Rot, Blau und Grün“, so Caroline Schmidt. "Je intensiver und reiner die Farbe ist, desto seltener der Stein. Pro Jahr werden weltweit nur einige wenige dieser Steine in namhafter Größe vom etwa einem Karat gefunden.“ Damit sind heute farbige Diamanten begehrter als farblose – und teurer.

Dr. Tong-Jin Smith, Urs Kuckertz

Tong-Jin Smith - Bereits während ihres Studiums der Politikwissenschaft hat Tong-Jin Smith als freie Journalistin gearbeitet und neben dem Beruf an ...

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