Die Frage, was war zuerst da, das Hühnerei oder das Huhn lässt sich aus der Evolution heraus nicht eindeutig belegen. Die Antwort wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Aber dafür wissen wir vieles andere rund um das Hühnerei, wenn auch manchmal die Infos etwas kunterbunt durcheinander geworfen werden. So ist das Eigelb nicht der Zellkern und das Ei des Straußes auch nicht die größte tierische Zelle…aber das werden wir nach diesem Artikel alles aufgelöst haben.

Hühner und ihre seltsame Anatomie

Hühner haben nur einen ausgebildeten Eierstock, meist ist es der linke. Der rechte wird zwar in der Entwicklung angelegt, atrophiert aber wieder. Dies ist bei fast allen Vögeln so, nur einige Greifvögel sind davon ausgenommen. Auch haben Hähne keinen Penis, nur bei Enten und beim Strauß kann man eine Anlage erkennen. So muss der Hahn bei der Begattung seine Kloake auf die der Henne drücken und sein Samen fließt dann den Eileiter entlang bis zum Eileitertrichter, in dem es zur Befruchtung kommt. Aber Hühner legen auch Eier, wenn sie nicht befruchtet werden und das ist etwas ganz Besonderes in der Natur! Während der Mensch seine nicht befruchteten Eizellen mit der Menstruation ausscheidet, so scheidet das Huhn seine nichtbefruchteten Eizellen mit dem fertigen Ei aus.

Das Huhn wird legereif

Bereits von Geburt an hat das weibliche Huhn mehrere tausend unreifer Eizellenanlagen im Eierstock. Mit etwa 21 Wochen werden Hennen legereif. Reifende Follikel-Eier füllen sich mit dem gelben Dotter und erreichen so zum Ovulationszeitpunkt eine Größe von 3,5 cm. Hierbei handelt es sich immer um die einzelne Eizelle, die damit beim Strauß eine Größe von bis zu 7 cm erreichen kann und die größte tierische Zelle ist. Das fertige Hühnerei, egal ob befruchtet oder nicht besteht jedoch bei der Eiablage aus über 60.000 Zellen. Die größte Zelle ist also nicht das fertige Ei, sondern nur die Eizelle mit ihrem großen Dotter. Jeweils der größte Follikel ist derjenige, deren Häutchen platzt und vom Eierstock in den Trichter abgegeben wird. Der nächstgrößte ist dann für den nächsten Tag reserviert. Viele Follikel gehen jedoch auch zugrunde, da nicht alle es bis zur Ovulation schaffen.

Wo kommt das Eigelb her?

Die Dotterproduktion beginnt bereits etwa 10 Tage vor der Ovulation. Die meisten Komponenten für das gelbe Dotter werden in der Leber gebildet. Täglich synthetisiert die Henne bis zu 20 g an diesen dotterspezifischen Vorläufermolekülen.

Hagelschnüre, seltsame Würmer im Ei

Im ersten Abschnitt des Legedarms werden auch die Hagelschnüre ausgebildet. Dies sind dünne Fäden aus Eiweiß, die das Dotter im Eiweiß und somit im Innern des Eies in ihrer Position halten.

Die verschiedenen Phasen der Eibildung

Das Ei entwickelt sich nun im sogenannten Legedarm zum fertigen Ei, egal ob es befruchtet ist oder nicht. Die ganze Entwicklung von der Ovulation bis zur Eiablage dauert etwa 24 Stunden. Im ersten Teil des Legedarms, dem sogenannten Magnum, lagert sich nun nach und nach das Eiklar um das Dotter. In dieser Phase ist eine Befruchtung nicht mehr möglich. Das Eiklar wird aus speziellen Drüsen der Eileiterwände abgegeben. Dabei dreht sich die Dotterkugel ständig um sich selbst . Eine Befruchtung gelingt nur in der kurzen Zeit, wo die Eizelle sich im Trichter befindet und noch kein Eiklar sich um das Dotter gebildet hat. Das Ei befindet sich nur etwa eine halbe Stunde im Eileitertrichter, dafür ist aber der Samen des Hahnes etwa 2 Wochen haltbar und kann in einem Vaginalbereich der Henne gespeichert werden

Im nächsten Abschnitt, dem Isthmus, wird die innere und die äußere (die aber immer noch innerhalb der Schale ist!) Schalenhaut gebildet und die Calzifizierung für die harte Schale wird induziert. In der letzten Stunde wird die Schale erst fest und auch jetzt erst werden die Pigmente für die Eierfarbe hinzugegeben.

Die Eiablage

Die Eiablage bzw. der Follikelsprung wird durch das Tageslicht induziert und steuert darüber verschiedene Hormonprozesse. So kann es vorkommen, dass ein Huhn an einem Tag mal kein Ei legt, weil es vom Lichteinfluss nicht mehr ausreichte. Das Ei kommt dann am nächsten Tag. Die Mauser und die dunklen Wintertage lassen die Eiproduktion auch verringern oder ganz einstellen.

Die Scheide erzeugt beim Legen ein Sekret, welches sich als dünnes Häutchen um die Eierschale legt und durch Ausstülpung der Scheide wird das Ei schließlich ausgestoßen.

Und wenn das Ei befruchtet ist?

Der Zellkern der Eizelle liegt auf dem gelben Dotter. Wurde das Ei durch den Hahn befruchtet, dann entsteht dort die Keimscheibe, die man bereits nach zwei Tagen als roten Punkt erkennt und auch als Hahnentritt bezeichnet. Hier wäre das Küken entstanden, hätte man es dem Huhn nicht weggenommen.

Das Huhn weiß nicht, ob die Eier befruchtet sind oder nicht. Rein nach seiner biologischen Uhr würde es nach einer bestimmten Gelegegröße anfangen zu brüten. Dadurch, dass wir Menschen die Eier täglich entfernen, beginnt die Henne immer wieder neu mit ihrem Gelege. Rein züchterisch eine sehr energieraubende Arbeit für die Henne, die sie auch nach einigen Jahren einstellt, wenn sie diese Arbeit nicht mehr leisten kann.

Zwillinge und andere Besonderheiten

Manchmal kommen auch Eier mit zwei Dottern vor. Hierbei handelt es sich nicht um eineiige Zwillinge, sondern um zweieiige Zwillinge, denn wir erinnern uns, die Eizelle besteht aus dem Dotter und dem Zellkern. Hier sind nun zwei Dotter in den Trichter gerutscht und anschließend vom Eiweiß umschlossen worden.

Auch Eier mit ganz dünnen Schalen, sogenannte Windeier kommen vor. Bei solchen Eiern ist die Kalkproduktion gestört. Dies kann an der Fütterung liegen oder an einer Funktionsstörung der Kalkdrüsen.

Geriffelte Eier kommen vor, wenn während der letzten Stunde der Eiproduktion, dort wo die Schale fest wird, das Huhn in Unruhe gerät durch eine Störung. Daher sagt man zu solchen Eiern auch „Schreckei“.

Und manchmal kommt auch ein Ei im Ei vor, wenn es zu einer Störung im Eileiter kommt.