Wie erlebt eine Venetia eine Karnevalssession?

In einem Interview erzählt die ehemalige Venetia Alena Raths von ihren „königlichen" Erfahrungen und Aufgaben.

Jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt für die Karnevalisten die fünfte Jahreszeit. Eine der drei Karnevalshochburgen in Deutschland ist die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen Düsseldorf. Alljährlich werden in der Stadt am Rhein der Karnevalsprinz und seine Venetia gekürt. Viele jecke Karnevalsmädchen träumen davon, einmal in ihrem Leben für eine Session das Amt der Venetia von Düsseldorf bekleiden zu dürfen.

Suite101: Viele Jecken erleben ihre karnevalistischen Erfahrungen bereits im Kindesalter. Wie und in welchem Alter bist Du zum Karneval gekommen?

Alena: Ich bin im Alter von zwanzig Jahren zum Karneval gekommen. Mein jetziger Ehemann Oliver Raths war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Großen Karnevalsgesellschaft 1890 Düsseldorf e.V. Mittlerweile ist er zum Präsidenten ernannt worden.

Suite101: Wie wird man Venetia von Düsseldorf?

Alena: Das ist sehr unterschiedlich. Die meisten Interessierten bewerben sich direkt beim Comitee Düsseldorfer Carneval (CC). Da mich mein Karnevalsprinz Peter König vorgeschlagen hatte, wurde ich direkt vom CC angesprochen. Nach einer persönlichen Vorstellung, wurde ich ins Amt der Venetia berufen.

Suite101: Die Karnevalszeit beginnt im November und endet meist im Februar des darauf folgenden Jahres. Dies sind mehrere Monate, welche man als „königliches“ Karnevalspärchen miteinander verbringt. Wie hast Du Dich mit Deinem Prinzen verstanden? Gab es vielleicht mal einen kleinen Streit?

Alena: Nein, es gab keinerlei Meinungsverschiedenheiten. Peter und ich haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und ergänzt. Wir hatten viel Spaß und die Beziehung zwischen uns war sehr harmonisch. Wir sind immer noch gut befreundet.

Suite101: Eine Karnevalssession dauert ungefähr vier Monate und es gibt haufenweise Karnevalsveranstaltungen, zu denen das Prinzenpaar eingeladen wird. Wie viele Auftritte musstest Du mit Prinz Peter IV absolvieren?

Alena: So genau weiß ich das gar nicht mehr. Aber es dürften über 300 Auftritte gewesen sein.

Suite101.: Hattest Du bei der Masse an Veranstaltungen einen Zeitpunkt, an dem Du das Gefühl verspürt hast, dass Dir alles zuviel wird?

Alena: Nein, die Wochen gingen so schnell vorbei. Kaum hatte die Session begonnen, war auch schon wieder Rosenmontag und Hoppeditz Beerdigung. Erst viel später realisiert man, was man Alles gemacht hat. Die Zeit ist quasi wie im Flug vergangen.

Suite101: Bei 300 Auftritten spielt sicherlich die körperliche Verfassung eine Rolle. Wie hast Du Dich fit gehalten? Gab es ein besonderes Fitnessprogramm?

Alena: Ich hatte kein spezielles Fitnessprogramm. Ich habe einfach auf eine gesunde und vitaminreiche Ernährung geachtet. Des Weiteren habe ich nicht ganz so viel Alkohol getrunken, um am nächsten Tag keinen Durchhänger zu haben.

Suite101: Wie konntest Du die Session mit Deinem Beruf vereinbaren?

Alena: Zum damaligen Zeitpunkt habe ich noch mein Studium durchlaufen. Obwohl ich einen Studentenjob ausgeübt habe, war mein damaliger Arbeitgeber sehr kulant, so dass ich meiner repräsentativen Aufgabe als Venetia von Düsseldorf mit Freude nachkommen konnte.

Suite101: Du hast mit Prinz Peter IV die Karnevalshymne „Mein Herz schlägt für Düsseldorf“ aufgenommen. Wie hast Du die Aufnahmen im Tonstudio erlebt?

Alena: Das war eine lustige Erfahrung, welche ich nicht missen möchte. Obwohl Peter und ich einen kompletten Tag für die Aufnahmen benötigten, hatten wir sehr viel Spaß. Da ich eigentlich nicht sehr musikalisch bin und mich auch nicht als gute Sängerin betitle, würde ich in der Musikbranche verhungern. Dennoch höre ich das Lied unheimlich gern. Es wird in der jecken Zeit immer noch sehr häufig gespielt.

Suite101: Was bei einer Venetia besonders ins Auge fällt, ist die Auswahl der wunderschönen Abendkleider und das perfekte Styling. Musstest Du Dir die Kleider selbst anschaffen und wie sah Dein Stylingprogramm aus?

Alena: Die Garderobe musste ich mir nicht selbst anschaffen. Peter König und das CC hat mich finanziell unterstützt. Die Kleider kamen von einem Luxusmodehändler auf der Düsseldorfer Königsallee. Mein Make-up wurde von einer bekannten Düsseldorfer Parfümerie gestellt und meine Haare wurden von einem bekannten Hair Stylisten frisiert.

Suite101: In Deiner Aufgabe als Venetia warst Du ständig unterwegs. Welcher Augenblick ist Dir persönlich am stärksten in Erinnerung geblieben?

Alena: Es gab Unmengen schöner Momente, an die ich gern zurück denke. Der für mich emotionalste Zeitpunkt der Session war die Verabschiedung bei der Fremdensitzung der „Großen Karnevalsgesellschaft“ am Karnevalssonntag.

Suite101: Welche Verbindungen hast Du heute noch zum Düsseldorfer Karneval?

Alena: Durch die Präsidentschaft meines Mannes bin ich mit der „Großen Karnevalsgesellschaft“ eng verbunden. Des Weiteren bin ich Vorstandsmitglied und Schatzmeisterin vom „Venetienclub der Landeshauptstadt Düsseldorf“.

Suite101.: Zum Abschluss möchte ich mich im Namen aller Leser für das Interview bedanken. Was würdest Du jungen Frauen raten, die selbst einmal Venetia werden möchten?

Alena: Junge Frauen sollten es einfach laufen lassen, keine großen Erwartungshaltungen aufbauen und sich nicht unter Druck setzen. Es ist nicht so wichtig, wie alle tun. Hauptsache man hat Spaß am Karneval und ist mit dem Herzen dabei. Darauf kommt es an.

Ein Portrait von beiden Seiten, Tanja Spenst + Mike Lewerenz

Tanja Spenst - Meine Leidenschaft für das Schreiben habe ich schon sehr früh entdecken können. Mit 12 Jahren habe ich angefangen Tagebuch ...

rss