
- Johannes B. Kerner befindet sich in einem Quotentief. - Sat.1
Die aktuelle Ausgabe von TV-Spielfilm hat die beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren einem Moderatorencheck unterzogen. Wer ist der beste, wer der beliebteste, wer der langweiligste Moderator? Im Test wurden Günter Jauch, Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling, Oliver Pocher, Harald Schmidt, Johannes B. Kerner und das aufstrebende Duo Winterscheidt und Heufer-Umlauf verglichen.
Moderatorenkarussell dreht sich munter
Dabei ging es allerdings weniger um Vor- und Nachteile, wie die Überschrift des Beitrages verspricht, sondern um eine Auflistung der Sendeplätze und die Wechselspiele der Moderatoren. TV-Entertainer wechseln die Sender wie Bundestrainer ihre Fußballklubs. Dabei setzen Programmgestalter mit dem neuen Image eines Moderators zugleich auf einen Imagewandel ihres Senders. Hape Kerkeling soll für mehr Humor, Günter Jauch für Spiel, Spaß und Tollerei und Gottschalk für onkelhafte Unterhaltung sorgen. TV-Spielfilm: „Für die Showvorsteher wirkt ein Wechsel wie eine Frischzellenkur, können sie doch in einer neuen Sendung vielleicht auch einmal andere Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen.“ Schließlich muss ein Hape Kerkeling nicht immer nur lustig sein, sondern hat als sprachbegabter Entertainer auch andere Qualitäten einzubringen.
Hape Kerkeling sagt "Jein" zu „Wetten dass...?“
Noch immer kämpft das ZDF um die Gunst des wohl lustigsten deutschen Entertainers Kerkeling. Der als Nachfolger von Gottschalk bei „Wetten, dass...?“ angekündigte 46-Jährige, der bei RTL zu Hause war, hat sich noch immer nicht zu einem Ja-Wort durchringen können. Sein Debüt feiert er beim ZDF trotzdem: Am 23. Oktober 2011 wird seine Reisesendung "Terra X"-Weltreise ausgestrahlt. Kerkeling wird hundert Tage lang durch New York, Ägypten, Paris, Florenz, Pompeji und den Teutoburger Wald begleitet. Der Komiker hatte mit seinem Buch über den Jakobsweg „Ich bin dann mal weg“ großen Erfolg als Autor gefeiert.
Günter Jauch Hop, Thomas Gottschalk Flop
Nach TV-Spielfilm zählt Günther Jauch mit seinem neuen ARD-Talk und seinem alten RTL-Quiz "Wer wird Millionär?" zu den Gewinnern der letzten TV-Saison. Der Showveteran zeige, dass man für verschiedene Fernsehformate gleichzeitig erfolgreich Sendergesicht sein könne. Für Thomas Gottschalk könnte das kommende Jahr dagegen eher düster aussehen. Die neue ARD-Vorabendshow „Tagesshow“ im Talkformat, die mit Gottschalk ab Januar 2012 viermal in der Woche laufen soll, wird von Experten schon jetzt klein geredet. Der Sendeplatz erreiche in der Zielgruppe der 14- bis 49- Jährigen derzeit nur einen Marktanteil von zwei Prozent. Und das ist zuwenig. Letzlich wird der Erfolg eines Moderators ja immer mit dessen Zuschauerquote gemessen.
Kerner - Schlecht kopiert und abserviert
Auch Late-Night-Talker Johannes B. Kerner werden schlechte Noten gegeben. Er sei das "Paradebeispiel für einen nicht geglückten Senderwechsel“, so TV-Spielfilm. Er mache bei Sat.1 eigentlich nichts anderes als im Zweiten, werde aber von vielen Zuschauern immer noch als Fremdkörper wahrgenommen. Nun hat Kerner angekündigt, seine Sendung "Kerner" aufzugeben. Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost hätte Sat.1 viel Geduld mit Kerner gehabt, „denn die Quoten seines Magazins stimmten von Anfang an nicht.“ Für das Scheitern des Magazins gebe es mehrere Gründe. Kritiker hielten seine Sendung für eine schlechte Kopie von „Stern TV“. Andere glaubten, dass Informationssendungen bei Sat.1 prinzipiell nicht laufen.
Oliver Pocher im Abwärtstrend. 2012 – Ausgepochert?
Der zunächst frisch-frech auftretende TV-Clown Pocher scheint immer mehr Probleme zu haben, sein Publikum mitzureißen. Keiner wechselte so schnell Sender (ARD, Sat.1) und Formate wie der 33-jährige Versicherungskaufmann aus Hannover. Nach dem Scheitern seiner „Oliver Pocher Show“ bei Sat.1 wird Pocher von vielen Beobachtern als Verlierer abgetan. Nur der Privatsender RTL hält weiter an ihm fest und startet mit einer eigenen Show durch. Pocher solle zeigen, „dass er nicht nur gut austeilen, sondern auch einstecken kann“ (RTL). Die Show ist im Grunde wie das Pro7-Format „Schlag den Raab“ konzipiert, wo sich der Moderator seinen Gegnern stellt. Die wollen am Ende nur eines: „Alle auf den Kleinen“ – und Pocher besiegen.
TV-Moderatoren sind so unbeliebt wie Banker
Laut des Instituts für Demoskopie in Allensbach gehören übrigens TV-Moderatoren zu den am wenigsten angesehenen Berufen in den Augen der Bevölkerung. Sie folgen gleich dem schlechten Image von Bankern. Auch im Ausland wird dem deutschen Fernsehen kaum Wert beigemessen. In Punkto Humor, Unterhaltung und Spaß traut man den "bierernsten" Deutschen vor allem im angelsächsischen Kulturkreis so gut wie gar nichts zu. Ähnlich verhält es sich in Nordamerika. Deutsche TV-Sendungen und Komödien laufen so gut wie nie in Übersee. Einzige Ausnahme sind Spielfilme mit einer Prise deutscher Geschichte wie „Goodbye Lenin“, „Hitlerjunge Salomon“ oder „Das Boot“.
Die Deutschen sind zu steif und wenig charmant
Der Dialogcoach Tony Auth von ICTAC Intercultural Training and Consulting im kanadischen Vancouver - in Nordamerika das Hollywood-North genannt - erklärt das Phänomen so: „Den Deutschen fehlt der Sinn fürs Timing und leider auch ein wenig der Charme. Gerade bei Soaps und Talk Shows kommt es darauf sehr an. In Deutschland geht der Witz oft unter die Gürtellinie. Die Moderatoren sind für den nordamerikanischen Markt meist zu steif und hausbacken.“ Für Auth ist dies ein sprachliches und kulturelles Problem. „Deutsche übernehmen gern die Kultur aus den USA, umgekehrt wird deutsche Comedy selten exportiert.“
Besonders drastisch ist das bei TV-Shows oder Serien. Während klassische US-Serien wie „Die Nanny“, „Die Simpsons“ oder „King of Queens“ in Deutschland sehr beliebt sind, schaffte es bislang kaum eine deutsche Produktion auf den US-Markt. Eine Ausnahme war ZDF-Erfolgsserie Derrick, die in 100 Länder exportiert wurde. Dafür kopiert das deutsche Fernsehen bewährte US-Formate wie die Harald Schmidt-Show - ein Abklatsch der Late-Shows von Talkmastern wie David Letterman oder Conan O'Brien.
Deutsche Fernsehmacher kopieren im Ausland
Auch Pro7 bedient sich im englischsprachigen Ausland: „Stromberg“ ist von der Büroalltags-BBC-Serie „The Office“ abgekupfert. Das britische Original mit Ricky Gervais gilt bei vielen Fans allerdings als unerreicht. BBC hatte Pro7 übrigens mit einer Klage wegen Plagiats gedroht. Dies stritt Pro7 konsequent ab, die Sendungen seien völlig unterschiedlich. „Der britische Humor sei viel zu sarkastisch für das deutsche Publikum“, sagte Pro7-Sprecherin Brigitte Bischof. Ein britischer Zuschauer, der sich die deutsche Stromberg-Variante ansah, bemerkte dazu: „I don't know what it is about German language TV but I always feel like I'm watching porn.“ – „Ich weiß nicht, warum mich das deutsche Fernsehen immer an Pornos erinnert.“
