Das Umweltbewusstsein der Deutschen hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verstärkt. Dies stellt einen weiteren Aspekt des gesellschaftlichen Wandels dar. Mit Umweltkatastrophen in den 1960er Jahren begann sich das Umweltbewusstsein in Deutschland zu verändern. Heute interessieren sich viele Menschen für die Umweltbereiche Boden, Wasser, Luft, Lärm, Müll und Strahlung. Ins Zentrum des Bewusstseins rückt ein modernes, übergeordnetes Konzept: Die Nachhaltigkeit.
Das Leitbild der Nachhaltigkeit
Das Leitbild der Nachhaltigkeit fordert, Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit als gleichrangige Ziele zu verfolgen – beispielsweise in der Politik, in der Wirtschaft und als Verbraucher.
Früher, als noch der größte Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig war, hatte die Gesellschaft eine enge Beziehung zur Natur. Mit der Industrialisierung und der damit einhergehenden Arbeitsteilung verloren viele Menschen diesen unmittelbaren Bezug. Wirtschaftswachstum und Gewinnerzielung rückten in den Mittelpunkt des Interesses.
Man machte sich lange Zeit kaum Gedanken über die Folgen für die Umwelt bzw. um Umweltschutz. Die Ressourcen der Erde (Grundstoffe, Rohstoffe, Produktionsmittel) wurden oftmals für unerschöpflich gehalten. Umweltrisiken sah man lange Zeit nicht. Ein erster Umdenkprozess setzte seit den 1960er/1970er Jahren ein.
Von den 1960er Jahren bis heute
- 1960er: Sie waren gekennzeichnet durch Fischsterben im Rhein und Versauerung der Gewässer.
- 1970er: Kennzeichen: Ölkrise; Seveso-Chemiekatastrophe; Waldsterben; Tankerunglücke; Diskussion um Atomenergie, Hurrikans und globale Erwärmung.
- 1971: Kennzeichen: Erstes Umweltprogramm einer deutschen Bundesregierung.
- 1974: Kennzeichen: Club of Rome (internationale politische Organisation): Veröffentlichung des Berichtes „Die Grenzen des Wachstums“.
- 1980er: Kennzeichen: Umweltschutz hat höchste Priorität bei der Bevölkerung.
- 1997: Kennzeichen: Kyoto-Protokoll mit erstmals verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen.
- 2000er: Kennzeichen: Bewusstsein für den Klimawandel.
- 2007: Kennzeichen: Weltklimakonferenz in Bali.
- 2008: Kennzeichen: G8-Gipfel in Japan mit Vereinbarung der Reduzierung von Treibhausgasen auf 50 Prozent bis 2050.
Repräsentative Studie des Umweltbundesamtes
Eine repräsentative Studie des Umweltbundesamtes zum „Umweltbewusstsein 2006“ zeigte langfristige Trends in der Entwicklung des Umweltbewusstseins auf. Der Umweltschutz kletterte dabei in der Rangfolge der wichtigsten Probleme heute in Deutschland auf Platz 2 (gegenüber Platz 4 im Jahr 2000). Der weltweite Klimawandel ist in das öffentliche Bewusstsein gedrungen.
67 Prozent der Deutschen erwarten, dass Deutschland in der internationalen Klimaschutzpolitik eine Vorreiterrolle übernimmt. Für etwa 59 Prozent der Bundesbürger zählt es zu den wichtigsten umweltpolitischen Aufgaben der Regierung, für eine Unabhängigkeit von Öl und Gas durch erneuerbare Energien zu sorgen. Zwei Drittel der Befragten wollen am Atomausstieg festhalten.
45 Prozent der Befragten wollen sich aktiv für Umwelt- und Naturschutz engagieren (gegenüber 33 Prozent im Jahr 2004). 41 Prozent der Befragten kaufen „immer“ oder „häufig“ Bio-Lebensmittel (gegenüber 33 Prozent im Jahr 2004).
Die Umweltqualität wird von etwa einem Drittel der Bundesbürger als „eher schlecht“ eingeschätzt (doppelt so viele wie im Jahr 2004). Als Belastungen werden vor allem Feinstaub, Chemikalien in Alltagsprodukten und Schadstoffe in Lebensmitteln genannt.
