
- Filmfestspiele: Wandmalerei in Cannes - Foto: Eva Bambach
Der Goldene Löwe von Venedig, der Goldenen Bär von Berlin und die Goldene Palme von Cannes sind die drei wichtigsten internationalen Auszeichnungen für Spielfilme. Das älteste dieser drei Festivals sind die Internationalen Filmfestspiele von Venedig, sie wurden bereits 1932 zum ersten Mal veranstaltet. Aber schon 1939 sollten auch in Cannes die ersten Festspiele stattfinden - zu der ab dem 1. September 1939 geplanten Durchführung des Festivals sollte es aber nicht mehr kommen.
Die Geschichte des Festivals spiegelt die Geschichte des 20. Jahrhunderts
Die Planung eigener, vom französischen Staat veranstalteten Filmfestspiele in Cannes war eine Reaktion auf die Vereinnahmung des Festivals in Venedig durch die deutschen und italienischen Faschisten Ende der 1930er Jahre. Hier wurde in den Jahren 1934 bis 1942 nicht etwa der Goldene Löwe, sondern die „Coppa Mussolini“ verliehen. Ausgezeichnet wurden dementsprechend nur Filme mit faschistischer Ausprägung.
So beschloss man also unter Leitung des französischen Ministers Jean Zay, ein internationales Filmfest in Frankreich zu organisieren. Unterstützt wurde das Land damals durch Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika – beide Länder boykottierten auch die Festspiele von Venedig. Die offiziellen Vertreter der Filmschaffenden beider Länder versprachen, sich persönlich dafür einzusetzen, ihre Filmstars zu dem neugeschaffenen Filmfest zu schicken, das der größte Filmmarkt der freien Welt werden sollte.
Das Klima in Cannes ist günstig für Stars und Attraktionen
Wo aber sollte das neue Festival stattfinden? Mehrere Städte waren im Gespräch: darunter Vichy, Biarritz und Algier. Dass Cannes zum Veranstaltungsort erkoren wurde, ist seinem milden Klima zu verdanken, das es den Organisatoren als besonders geeignet erscheinen ließ. Erster Präsident der neuen Festspiele sollte mit dem damals 74jährigen Louis Lumière einer der ganz großen Pioniere des Kinos sein.
Im August begannen die internationalen Stars nach Cannes zu strömen. Metro-Goldwyn-Mayer mietete einen Dampfer, um Hollywood Stars wie Tyrone Power, Gary Cooper, Annabella, Norma Shearer oder George Raft anreisen zu lassen. Die Amerikaner planten sogar, in Anspielung auf den Hollywoodstreifen „Quasimodo“ eine Replik der Fassade von der Kathedrale Notre-Dame in Paris am Strand von Cannes zu errichten.
Aber am Tag der offiziellen Eröffnung, am 1. September 1939, marschierten die deutschen Truppen in Polen ein. Das Festival war beendet, bevor es begonnen hatte.
1946: Endlich kann das Festival eröffnet werden
Nach dem Krieg, 1946, fanden dann die ersten Festspiele in Cannes statt – mit großem Erfolg. Nun gab es aber ein neues Problem: Die ursprünglich beabsichtigte Konkurrenz zu den Filmfestspielen von Venedig war für die neue Freundschaft zwischen Frankreich und Italien eher hinderlich geworden. Es war daher im Gespräch, die Veranstaltung im Wechsel in Venedig und in Cannes stattfinden zu lassen. Dieser Plan wurde jedoch nicht durchgeführt – ein erbitterter Widerstand der französischen Bevölkerung wäre wohl zu erwarten gewesen.
Vom Grand Prix zur Goldenen Palme
Die Goldene Palme wird übrigens erst seit 1955 verliehen. Diese Auszeichnung für den besten Spielfilm orientiert sich am Stadtwappen von Cannes – so wie es auch der Goldenen Löwe von Venedig und der Goldene Bär der 1951 gegründeten Berlinale tun. Zuvor verlieh die Jury des Festivals den „Grand Prix des Internationalen Filmfestivlas“ an den besten Regisseur, der als Preis ein Werk eines zeitgenössischen Künstlers bekam.
Quellen:
Webseite des Filmfestivals von Cannes
Jacqueline Monsigny und Edward Meeks. Le Roman du Festival de Cannes. Cannes, 2007
