Wie kann man einen leicht lesbaren Text schreiben?

Nicht nur eine gute Gliederung und inhaltliche Klarheit, sondern auch die passende Wortwahl ist für die Verständlichkeit eines Textes wichtig.

Es gibt Formulierungen, die häufig geschrieben, im mündlichen Sprachgebrauch aber nur selten oder nie verwendet werden. Sie machen Texte schwerfällig und schlecht verständlich. Dabei könnten sie fast immer gegen lebendiger wirkende Wörter ausgetauscht werden.

Schwerfällige Formulierungen erschweren das Lesen

Solche Formulierungen werden mitunter auch „Papierwörter“ genannt. Solche Wörter sind zum Beispiel:

  • aus gegebenem Anlass
  • in Anbetracht
  • Außerachtlassung
  • eilbedürftig
  • in obiger Angelegenheit
  • betreffs
  • Bezug nehmend
  • nachstehend
  • dankend erhalten
  • diesbezüglich
  • ein Betrag in Höhe von

Viele dieser Formulierungen entfallen am besten ersatzlos. Viele ähnliche Wendungen können durch klarere und kürzere Wörter ausgetaucht werden, zum Beispiel:

  • auf diese Art und Weise – besser: so
  • aufgrund von – besser: wegen
  • mit Ausnahme von – besser: ohne
  • aus diesem Grund – besser: deshalb
  • unter Zuhilfenahme von – besser: mit
  • zum gegenwärtigen Zeitpunkt – besser: jetzt
  • im Hinblick auf – besser: wegen
  • hinsichtlich – besser: wegen
  • in keinem Fall – besser: nie
  • in den meisten Fällen – besser: meistens
  • Benachrichtigung – besser: Nachricht

Überflüssige und nützliche Füllwörter

Neben diesen behäbigen Formulierungen gibt es weitere Füllwörter, die einen Text aufblähen, ohne etwas zur Aussage beizutragen. Dazu gehören Wörter wie:

  • dahingehend
  • an sich
  • sozusagen
  • quasi

Eine weitere Gruppe von Füllwörtern trägt ebenfalls nicht zur inhaltlichen Aussage eines Satzes bei. Diese Wörter werden sehr häufig in der gesprochenen Sprache verwendet. Der Sprecher kann mit ihrer Hilfe einen Teil seiner Aussage betonen oder einem Gefühl Ausdruck verleihen. In geschriebenen Texten wirken solche Wörterallerdings oft störend: aber, auch, bloß, denn, doch, eben, etwa, halt, ja, mal, nicht, nur, schon, vielleicht, wohl, eh, eigentlich, einfach, erst, ruhig und überhaupt.

Füllwörter im privaten Schriftverkehr und in Geschäftsbriefen

Diese Füllwörter werden im Allgemeinen eher im privaten Schriftverkehr eingesetzt als in Geschäftsbriefen. Aber auch dort können diese Füllwörter (die auch Modalpartikel genannt werden) ihre Berechtigung haben – wenn sie bewusst und wohldosiert eingesetzt werden. Ihr großer Vorteil ist es, die fehlende stimmliche Betonung ersetzen zu können. Das ist immer dann wichtig, wenn eine Gefühlslage ausgedrückt oder ein Text zum Beispiel weniger schroff erscheinen soll. Sogar im Geschäftsbrief können Modalpartikel deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein.

Zum Vergleich: Sätze ohne und mit Modalpartikel

Darüber haben wir uns gefreut! Darüber haben wir uns aber gefreut!

Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte es bloß so weit kommen?

Haben Sie schon eine neue Stelle gefunden? Haben Sie denn schon eine neue Stelle gefunden?

Wir halten das für denkbar. Wir halten das schon für denkbar.

Verzicht auf überflüssige Partizipien

Eine weitere Möglichkeit, einen Text flüssiger und leichter lesbar zu gestalten, ist der Verzicht auf überflüssige Partizipien, also auf von Verben abgeleitete Wörter wie "vorliegend", "entstanden" oder "geschlossen". Verbreitet ist die unbedachte Verwendung von Partizipien in folgenden Formulierungen:

  • entstandene Kosten – besser: Kosten
  • vorliegende Unterlagen – besser: Unterlagen
  • festgestellte Tatsache – besser: Tatsache
  • vorgenommene Änderungen – besser: Änderungen
  • vorgenommene Auswahl – besser: Auswahl
  • getroffene Vereinbarung – besser: Vereinbarung
  • erbrachte Leistung – besser: Leistung

Aber Achtung: Das heißt nicht, dass diese Ergänzungen in jedem Fall verzichtbar sind. Es könnte ja sehr wichtig sein, zwischen einer schon erbrachten und einer noch nicht erbrachten Leistung zu unterscheiden!

Literaturtipp:

Duden, Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben, Mannheim 2010.

Eva Bambach 2011, Eva Bambach

Eva Bambach - Seit 1995 freie Autorin und Redakteurin für verschiedene Verlage, unter anderem für Brockhaus, Harenberg, Meyer, Duden; ...

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