
- Kuscheltier und Schnuller als Einschlafhilfe - Michaela Maerten
Während des Schlafes durchläuft das zentrale Nervensystem mehrere Schlafphasen von unterschiedlicher Schlaftiefe, die sich rhythmisch mehrmals wiederholen. Diese Schlafphasen werden klassifiziert in Tiefschlaf- und Leichtschlafphasen sowie den so genannten REM-Schlaf, in dem verstärkt geträumt wird. Die Schlafforscher sind sich darüber einig, dass Kinder – und auch Erwachsene – ihre Tageserlebnisse im Schlaf verarbeiten und daraus lernen. Dabei gehört für Kinder auch das nächtliche Aufwachen zur normalen Gewohnheit. Die Eltern können es jedoch mit einfühlsamer Hilfe von klein auf daran gewöhnen, von selber wieder einzuschlafen. Für die Qualität des Schlafes spielt es keine Rolle, ob ein Kind allein, mit Geschwistern oder Eltern in einem Raum bzw. einem Bett schläft. Viel wichtiger ist dagegen ein fester Schlaf-/Wachrhythmus, der einen gesunden und erholsamen Schlaf am Tag und in der Nacht garantiert.
Die Schlafphasen eines Kleinkindes
Während des Schlafens durchlaufen Kleinkinder – wie jeder andere Mensch auch – unterschiedliche Phasen. Beginnend mit der Einschlafphase gleiten sie durch den leichten Schlaf und die Traumphase bis hinab in den Tiefschlaf, zwischendurch erreichen sie auch mehrmals einen so genannten Dämmerzustand. Pro Nacht wiederholen sich diese Zyklen wechselnder Schlafphasen regelmäßig und bis zu fünf Mal. Aufgrund dieser wechselnden Schlafzustände wachen Kleinkinder – und auch Erwachsene – jede Nacht bis zu fünfmal auf. Während dieser kurzen Wachperioden murmeln sie manchmal, drehen sich herum, schlagen gelegentlich mit dem Arm gegen das Gitterbett oder setzen sich sogar aufrecht im Bett hin und legen sich wieder zurück. All dies gehört zu einem normalen Schlafverhalten. Wenn das Kleine beim Wachwerden um sich herum vertraute Gegenstände erblickt, dann fühlt es sich geborgen und schläft wieder ein. Das ist einer der Gründe, warum Kinder im Urlaub oder fremder Umgebung schlechter schlafen.
Die Schlafdauer von Säuglingen und Kleinkindern
Eltern sind oftmals verunsichert, wenn es um den Schlaf ihres Kindes geht; sie fragen sich, wie lange ihr Kind tagsüber und auch nachts schlafen sollte. Prinzipiell gibt es für die Schlafdauer von Babys keine Verallgemeinerung, da jeder Säugling einen individuellen Schlafrhythmus entwickelt, der sich mehr oder weniger stark von anderen unterscheidet. Als Anhaltspunkte, nach denen sich Eltern richten können, wurden die folgenden Werte empirisch ermittelt, wobei Babys natürlich die jeweils angegebene Zeit nicht am Stück schlafen.
• 1. bis 2. Monat - 16 bis 19 Stunden
• 3. bis 4. Monat - 15 bis 18 Stunden
• 5. bis 6. Monat - 14 bis 16 Stunden
• 7. bis 8. Monat - 13 bis 15 Stunden
• 9. bis 12. Monat - 12 bis 14 Stunden
Schläft ein Säugling unter 12 Monaten weniger als 12 Stunden, ist dies zu wenig.
Mit zunehmender Aktivität im Kleinkindalter kann die Schlafdauer wieder zunehmen. Etwa mit 1 ½ Jahren schläft ein Kind im Durchschnitt nachts 10 bis 12 Stunden und es benötigt zusätzlich einen Mittagsschlaf von etwa 1 ½ bis 2 Stunden. Die Schlafdauer kann auch abhängig von der Jahreszeit sein. Im Sommer sind Kinder viel aktiver als im Winter und halten sich öfter im Freien auf. Möglicherweise erhöht sich in dieser Zeit die Schlafdauer im Vergleich zum Winter.
Einschlaf-Rituale sind für Kinder wichtig
Für die Qualität des Schlafes spielt bereits im Säuglingsalter die Einschlafsituation eine bedeutende Rolle. Idealerweise sollte ein Kind im Laufe seines ersten Lebens-Halbjahres lernen, ohne fremde Hilfe in den Schlaf zu finden. So ist es zum Beispiel wichtig, das Einschlafen nicht direkt mit einer Still- oder Flaschenmahlzeit zu verbinden, da sich das Baby sonst zu sehr daran gewöhnt. Es ist besser, in der Übergangszeit einen Schnuller als Einschlafhilfe zu verwenden. Ab etwa dem dritten Lebensmonat sollten Babys an einen geregelten Einschlafablauf gewöhnt werden. Sie sollten stets wach in ihr Bettchen gelegt werden und möglichst nicht mehr in den Armen der Eltern einschlafen. Leises Singen oder sanftes Streicheln wirken beruhigend und lassen sich als Einschlaf-Ritual einführen. Ebenso sollte das Kind nicht im Herumtragen, Kinderwagen oder Auto einschlafen, da es sonst beim Erwachen im eigenen Bett ebenfalls verwirrt ist und ängstlich reagiert. Gute-Nacht-Rituale können aus Vorlesen, Singen, Baden oder Kuscheln bestehen und sollten zeitlich klar begrenzt sein. 15 bis 30 Minuten sollten ausreichen, um die Aktivität herab zu drosseln und die nötige Ruhe vor dem Zu-Bett-Gehen zu erreichen. Eine zu lange Einschlaf-Vorbereitung könnte die eingetretene Müdigkeit wieder vertreiben und zu innerer Unruhe oder neuem Tatendrang führen, da das so genannte "Schlaffenster" verpasst wurde.
Quellenangaben:
Internetseiten des Kinderarztes Dr. med. Martin Lang und des online-Magazins Babycenter
Unser Baby - Das erste Jahr von Dagmar von Cramm und Prof. Dr. med. Eberhard Schmidt, Gräfe und Unzer Verlag GmbH München, 1995
