Das liegt daran, dass sie sich nur begrenzt durch Regeln erlernen lässt. Vieles muss ein Kind einfach „lernen“, weil die Rechtschreibung an vielen Stellen schlichtweg unlogisch ist.
So ist es kein Wunder, dass sich Schüler schwer tun, die Rechtschreibung zu erlernen. Auch viele Erwachsene haben damit immer wieder Probleme, und wer behauptet, keine Fehler zu machen, sagt nicht die Wahrheit. Nicht umsonst gehört der Rechtschreibduden zu den Büchern, die am meisten verkauft werden.
Die Merkmale der deutschen Rechtschreibung
Die Rechtschreibung funktioniert mit Hilfe von fünf Grundsätzen.
1. Grundsatz: Für jeden Laut gibt es ein Zeichen.
Zunächst ist die deutsche Schrift eine Phonemschrift. Für jeden gesprochenen Laut gibt es ein Schriftzeichen. Darum sagt man Schülern ja auch gerne „Schreib wie du sprichst.“ Doch leider ist dieser Satz nur halb wahr. Denn schon bei den Schriftzeichen gibt es große Unterschiede. A ist nicht gleich a, schon gar nicht ist b gleich b. Beispiel:
Vater – Nacht
Baum – Abfahrt
Das A in Vater hört sich anders an, als das A in Nacht, und das hängt immer auch damit zusammen, welche Buchstaben auf das A folgen. Noch schwieriger wird es bei B. Bei dem Wort Baum hört man deutlich ein B, während man bei dem Wort Abfahrt ein P hört, aber ein B schreibt. Noch gemeiner wird es, wenn ein Buchstabe gleich gesprochen wird, aber ganz anders geschrieben wird. Der Buchstabe i etwa kann als i, als ih, als ie oder als ieh wieder gegeben werden. Beispiel:
Maschine – ihr – Biene – Vieh.
So ist der Tipp „Schreibe, was du hörst“ oder „Schreibe wie du sprichst“ zwar eine gute Grundlage zum Rechtschreiben, zum richtigen Schreiben reicht er aber leider nicht aus.
2. Grundsatz: Worte, die miteinander verwandt sind, werden ähnlich geschrieben.
In vielen Wörtern wird eine Verwandtschaftsbeziehung deutlich. Die Rechtschreibung einzelner Wörter kann herausgefunden werden, wenn ich das Grundwort kenne und es von diesem Wort ableiten kann. Beispiel:
Vater – Väter (statt Veter)
Wald – Wälder (statt Welder)
3. Grundsatz: Schreibweisen richten sich nach einer grammatischen Regel.
Einige Rechtschreibregeln ergeben sich aus den Grammatikkenntnissen der Schüler. Die Groß- und Kleinschreibung, ein großes Problem in der deutschen Rechtschreibung, kann nur beherrscht werden, wenn man Namenwörter erkennen und unterscheiden kann. Auch das Großschreiben nach Satzzeichen wie Punkten und Doppelpunkten erfolgt durch eine Grammatikregel. Beispiel:
Das Singen machte ihm großen Spaß.
Sie sagte: „Komm doch her!“
4. Grundsatz: Schreibweisen richten sich nach dem Sinn.
Es gibt Wörter, die genau gleich klingen und die man nur richtig schreiben kann, wenn man die Bedeutung kennt. Beispiel:
Ein Wal schwimmt im Meer.
Ich habe keine Wahl.
5. Grundsatz: Schreibweisen haben einen geschichtlichen oder künstlerischen Hintergrund.
Manche Worte sind aus anderen Sprachen entliehen oder haben eine besondere Schreibweise, die auf künstlerische Prinzipien zurückzuführen ist, die die Buchdrucker damals eingeführt haben. Diese Schreibweisen erscheinen Schüler oft „unlogisch“, sind zwar erklärbar, haben aber keine Regel und müssen darum stur gelernt werden. Beispiel:
Spiel statt Schpil
Sp und st wurde von den Buchdruckern als „wohlgefällig“ empfunden. Beispiel:
Garage – Computer –
als Lehnwörter aus der englischen und französischen Sprache
Wie erlernen die Kinder die Rechtschreibung?
Dazu gibt es unzählige Theorien und Stufenmodelle, zusammengefasst aber kann man sagen, dass sich das Schreiben lernen folgendermaßen vollzieht:
- Zunächst nehmen die Kinder Zeichen und Symbole wahr, etwa (Zeichen für Post) oder Zahlen und verwenden dafür ein Wort. (Symbol Schwimmbad) bedeutet Schwimmbad.
- Dann lernen die Kinder, dass die Schrift von links nach rechts verläuft. Sie erkennen auch, dass Buchstaben bestimmten Lauten zugeordnet sind. Außerdem stellen sie fest, dass ein Wort aus Buchstaben besteht. Die Buchstaben „M – a - m – a“ bedeuten „Mama“. Das Wort Uhu enthält in der Mitte und am Ende ein U.
- Die Kinder erweitern ihren Wortschatz. Sie lesen und schreiben, indem sie Laute und Buchstaben bestimmten Worten zuordnen. Dabei haben sie das Wort entweder im Gedächtnis gespeichert oder sie versuchen, es durch Buchstaben und Laute zu schreiben. „Stul“ – sieht komisch aus. War da nicht ein „h“ in der Mitte? „Stuhl mit h“ – sieht besser aus, also „Stuhl“
- Allmählich werden einzelne Rechtschreibbesonderheiten interessant. Rechtschreibung wird nun auch durch Regeln erarbeitet und erkannt. Wie schreibt man Bild am Ende? Mit d oder mit t? Die Regel lautet: „Verlängere das Wort, und du weißt es sofort.“ Bild – Bilder – Also schreibt man Bild mit d.
Bei vielen Kindern verlaufen diese Rechtschreibphasen nicht hintereinander, sondern vermischen sich. So wissen Kinder im 1. Schuljahr oft schon, dass man „und“ mit „d“ schreibt, obwohl man „t“ hört. Das Schreiben über Regeln oder Rechtschreibwissen steigert sich aber, je älter das Kind wird.
