
- Unterwegs: die Bananenflanke - P.-Christian Bürger/pexelio
Als Magnus die Bananenflanke erfand, gab es sie genau genommen noch gar nicht. Was daran lag, dass es Fußball noch nicht gab. Zudem war Magnus Deutscher – was nichts zur Sache tut – dafür aber passionierter Experimentalphysiker – was noch weniger Sympathie aufkommen lässt. Fußball gab es damals wie gesagt noch nicht. Dafür schoss man im 19. Jahrhundert um so lieber. Kanonen-, Gewehr- oder Pistolen kugeln, sie alle bewegten sich nicht etwa schnurgerade, sondern auf einer Bahn, die der Form einer Banane ähnelte. Aber – wie gesagt – nicht einmal das Wort Bananenflanke war damals bekannt.
Im Palais wird experimentiert
Leider tun rotierende Geschosse dem Schützen nicht immer den Gefallen, sich auf der erwarteten Flugbahn zu bewegen. Vielmehr scheint eine geheimnisvolle Kraft sie von ihrer erhofften gradlinigen Bahn abzudrängen. Was nichts mit dem Wind zu tun haben muss. Problem für den Schützen, intellektuelle Herausforderung für Gustav Heinrich Magnus. Im ersten privaten physikalischen Laboratorium im Bürgerpalais am Kupfergraben in Berlin-Mitte konnte er diese mysteriöse Kraft 1852 experimentell nachweisen. Eine Kugel oder Zylinder – das Geschoss – rotiert um eine Achse. Jetzt der Trick: Er fliegt nicht, sondern dreht sich in einer Strömung – das ist eigentlich die Luft, durch die das Geschoss fliegt. Das Objekt wird abgelenkt. Und zwar auf der Seite, wo er sich mit der Strömung dreht. Magnus hatte die Magnuskraft nachgewiesen.
Baron Rayleigh schaltet sich ein
Allerdings haperte es noch mit der Erklärung. Das schaffte ein anderer. John William Strutt, der 3. Baron Rayleigh, war Engländer – tut auch nichts zur Sache – und bekam den Nobelpreis für Physik. Raleigh kannte die Magnusexperimente und schloss messerscharf: Auf der Seite, wo die Kugel sich mit der Strömung dreht, kann die Luftströmung schneller strömen, denn Richtung der Luftströmung und Richtung der Drehrichtung unterstützen sich. Konsequenz: Ein Unterdruck entsteht. Auf der anderen Seite ist es genau umgekehrt. Hier wird die Luft abgebremst. Dadurch entsteht ein Überdruck. Klar – die Kugel bewegt sich hin zum Unterdruck.
Auch ohne Magnus erfindet Manni die Bananenflanke
Manni hatte von Magnus wahrscheinlich keinen blassen Schimmer. Manni heißt eigentlich Manfred Kaltz und war deutscher Nationalspieler – das macht ihn natürlich extrem sympathisch. Manni entdeckte also eines Tages, dass seine Füße einen Innenspann hatten. Und wenn er mit dem beim Schuss am Ball vorbei wischte, rotierte der während des Flugs. Jetzt kommt Magnus ins Spiel. Der Ball rotiert. Die Luft umströmt ihn. Der Ball wird durch die Magnuskraft abgelenkt und beschreibt eine Bananenkurve. Manni hatte die Bananenflanke entdeckt. Hat er eigentlich nicht. Denn schon während der Weltmeisterschaft 1958 war der Regisseur der brasilianischen Nationalmannschaft unangenehm – je nach Standpunkt – durch seine krummen Flanken aufgefallen. Aber wen interessiert das heute noch?
Literaturtipp:
Metin Tolan: So werden wir Weltmeister – Die Physik des Fußballspiels. Piper, März 2010. Gebunden, 320 Seiten. Euro 16,95.
