Die Erörterung einer strittigen Frage erfordert Sachwissen. In einer Stoffsammlung trägt man zusammen, was man über das Thema weiß. Dieser Stoff muss nun gegliedert werden. Man macht sich einen Plan und geht dann an die Ausarbeitung. Eine Erörterung besteht immer aus drei Teilen:
Die Aufsatzart der Erörterung besteht aus Einleitung – Hauptteil – Schluss
Die Einleitung weckt das Interesse des Lesers am Thema und führt zur ersten These hin. Im Hauptteil werden die Argumente dargestellt. Er ist meist in sich noch einmal in zwei Abschnitte gegliedert: These oder Pro-These (Argumente, die dafür sprechen) und Antithese oder Contra-These (Argumente, die dagegen sprechen). Im Schlussteil werden die Argumente abgewogen. Auf dieser Basis trifft man eine eigene, sachlich begründete Entscheidung. Um zu verstehen, worauf es bei dieser Aufsatzform ankommt, ist ein Beispiel hilfreicher als theoretische Anweisungen. Das Beispielthema soll lauten: "Sollte jeder Schultag mit einer Sportstunde beginnen?" Als Antwort auf diese Frage muss man am Ende des Aufsatzes zu einer begründeten Ja- oder Nein-Entscheidung oder zu einem Kompromiss kommen.
Inhaltliche Erarbeitung und Gliederung des Themas
- 1. Einleitung: Wir gehen aus von einer allgemein bekannten Tatsache: Zu wenig Schulsport, Unterricht zu kopflastig. Oder: Wir gehen aus von einem Einzelfall: An der xy-Schule wurde der Schulsport in der Mittelstufe auf eine Wochenstunde gekürzt …
- 2. Hauptteil: Zuerst kommt die These, zu der man die schwächeren Argumente hat, für die man sich eher nicht entscheiden wird.
- 2.1 Einiges spricht dafür, jeden Schultag mit einer Sportstunde zu beginnen (= Pro-These):
- 2.1.1 Das erste Pro-Argument. Es enthält eine Begründung für die These und möglichst auch ein Beispiel: Mehr Bewegung ist gesund und hilft gegen Übergewicht und Haltungsschäden.
- 2.1.2 Das zweite Pro-Argument, auch dies enthält eine Begründung: Sport fördert auch die Lernfähigkeit. Wir beschränken uns hier auf zwei Argumente, natürlich kann man noch weitere bringen.
- Überleitung: Ein Satz/eine Frage sollte nun diese Pro-Argumente mit dem nächsten Abschnitt verbinden. Jetzt folgen die Argumente zur Contra-These:
- 2.2. Vieles spricht dagegen, jeden Tag mit einer Sportstunde zu beginnen (= Contra-These):
- 2.2.1 Zusätzliche Sportstunden würden die Unterrichtszeit verlängern.
- 2.2.2 Die Schüler sitzen nach dem Sport erschöpft und verschwitzt in den Stunden.
- 2.2.3 Es lässt sich organisatorisch gar nicht durchführen, dass alle täglich Sport haben. Das stärkste Argument immer am Ende des Hauptteils bringen!
- 3. Schluss: In diesem Beispiel kann man zu einer Nein-Antwort kommen: Die Nachteile überwiegen, vor allem lässt sich der Vorschlag nicht durchführen. Oder zu einer Kompromiss-Antwort: Etwas mehr Schulsport wäre gut, dafür müssten aber andere Fächer gekürzt werden. Im Schlussteil greift man geschickt einige Argumente kurz auf, die die eigene Entscheidung begründen. Hier ist auch Raum für weitergehende Vorschläge, die über die ursprüngliche Frage hinausgehen. Zum Beispiel: Ganztagsschulen mit Sportangeboten am Nachmittag.
These – Argument – Beispiel
Eine These ist eine nur Behauptung. Sie muss durch Argumente gestützt werden. Argumente liefern Begründungen für die Richtigkeit der These. Ein Argument besteht aus mehreren Sätzen. Es ist gut, jeweils ein Beispiel anzuführen, das zeigt, wie sinnvoll, treffend, wichtig das Argument ist. Um überhaupt Argumente zu finden, braucht man Sachkenntnis und/oder eigene Erfahrungen. Meist wird der Themenbereich der Erörterung vorher im Unterricht besprochen – man kann sich also gut vorbereitet an die Arbeit machen.
