
- Bücher - Ruth Lisa Knapp
Rezensionen neuer Bücher werden von Profis (Literaturwissenschaftlern, Kulturjournalisten) und von Laien verfasst. Für letztere bietet das Internet eine Plattform, wo sie ihre Artikel veröffentlichen und andere Leser zur Diskussion anregen können. Die Rezension soll potenziellen Lesern Kriterien an die Hand geben, die ihnen helfen, sich im Dschungel der Neuerscheinungen zurechtzufinden und sich für oder gegen den Kauf bzw. die Lektüre eines Buches zu entscheiden. Eine Buchkritik ist, ähnlich wie eine Theaterkritik, notwendig subjektiv. Trotzdem sollte sich der Verfasser um sachliche Darstellung bemühen und seine Meinung begründen.
Was eine Rezension nicht ist:
- Es empfiehlt sich nicht, den Klappentext abzuschreiben, denn den kann ein Interessent in der Buchhandlung selbst überfliegen. Diese auf dem Umschlag und dem rückwärtigen Cover abgedruckten Werbetexte wurden vom Verlag verfasst, der damit möglichst viele Kunden neugierig machen und zum Kauf ermuntern will. Sie heben nur die (vermeintlichen) Vorzüge des Werks hervor.
- Eine Rezension darf nicht nur aus einer Nacherzählung oder Inhaltsangabe bestehen. Wer die gesamte Geschichte und ihren Ausgang bereits kennt, kann sich die Lektüre des Buchs nämlich meist sparen. Und neben dem Inhalt sind immer auch die Form und die Sprache wichtig.
- Eine Rezension ist keine reine (begeisterte oder enttäuschte) Meinungsäußerung des Verfassers. Der Leser der Rezension kann einen ganz anderen Geschmack, andere Lesegewohnheiten und Bedürfnisse haben als der Verfasser. Überschwängliches Lob oder vernichtende Kritik ohne Begründung sind daher fehl am Platze.
Diese Elemente sollte eine Rezension enthalten:
- Perspektive: Der Verfasser der Rezension nimmt eine gewisse Distanz zum besprochenen Werk ein. Auch wenn es ihn begeistert hat, identifiziert er sich nicht damit. Auch wenn er sich sehr geärgert hat, fängt er nicht zu schimpfen an. Er betrachtet es aus einer gewissen Entfernung, argumentiert und bringt sein Wissen und seine Leseerfahrung in die Besprechung ein.
- Gattung, Thematik, Inhalt: Dem Leser muss klar sein, ob es sich z. B. um einen Krimi, eine Ich-Erzählung oder einen Ratgeber handelt. Der Rezensent bringt das Thema auf den Punkt und fasst wesentliche Aspekte des Inhalts zusammen. Dabei soll nicht alles verraten werden. Wer mehr Platz zur Verfügung hat, geht auf einzelne Charaktere ein (Belletristik) oder stellt wichtige Thesen vor (Sachbuch).
- Form, Sprache: Nicht nur was erzählt oder berichtet wird, interessiert, sondern auch wie dies geschieht. Wie gestaltet der Autor sein Thema, wie hat er es sprachlich bewältigt? Für den Stil typische Stellen dürfen zitiert werden, damit der Leser der Rezension einen direkten Eindruck bekommt.
- Gestaltung: Vor allem bei Sachbüchern ist auch wichtig, wie sie gestaltet sind, ob Gliederung, Abbildungen, Verzeichnisse das Thema optimal vermitteln oder zu wünschen übrig lassen.
- Informationen zum Autor: Bei längeren Rezensionen sollte der Kontext mit berücksichtigt werden. Hinweise zur Biografie des Autors können hilfreich sein, frühere Veröffentlichungen oder andere Werke ähnlicher Thematik. Das erleichtert dem Leser das Einordnen, sollte jedoch nicht dazu führen, dass der Verfasser mit seiner eigenen Belesenheit prahlt und das Buch, um das es geht, aus dem Blick verliert.
- Wertung: Der Rezensent spricht klar aus, was er von dem besprochenen Buch hält und begründet seine Meinung: Wieso findet er es originell, spannend, beeindruckend, langweilig, verwirrend, enttäuschend, geglückt oder misslungen?
- Bibliografische Angaben zum Buch: Neben dem Namen des Autors und dem genauen Titel sind das der Verlag, das Erscheinungsjahr, die Seitenzahl, ob es ein Taschenbuch, Paperback oder gebundenes Buch ist, und der Preis.
Auch Kurz-Rezensionen (1000-2000 Zeichen) sollten möglichst viele dieser Elemente enthalten. Für alle Gebrauchstexte gilt: Der Stil ist sachlich und klar, die Argumentation folgerichtig und nachvollziehbar, das Ergebnis wird auf den Punkt gebracht.
Beispiel für die Rezension eines Romans
Beispiel für die Rezension eines Sachbuchs
