Wie man Kinder in Probleme einbezieht, ohne sie zu überfordern

Familie - Dörthe Huth
Familie - Dörthe Huth
In vielen Familien ist Geldnot oder Arbeitslosigkeit ein wichtiges Thema. Tipps, wie man Kindern die familiären Schwierigkeiten kindgerecht erklärt.

Wir leben in einer Zeit wunderbarer Möglichkeiten und dennoch inmitten gravierender Schwierigkeiten. Unsere Kinder reifen zwischen den Polen von Markenklamotten und Leistungsdruck auf der einen Seite sowie Geldnot und soziale Ausgrenzung auf der anderen Seite heran. Eine Welt voller Gegensätze und Ungerechtigkeiten.

Eltern, die plötzlich von Arbeitslosigkeit, Insolvenz, schwerer Krankheit, einer Trennung o.ä. betroffen sind, erleben eine starke Verunsicherung. Abgesehen von den eigenen Nöten und Sorgen, wissen sie oft nicht, ob und inwieweit sie ihr Kind in ihre Schwierigkeiten mit einbeziehen sollen.

Was ist einem Kind zuzumuten? Wie kann man kindgerechte Worte für einen Schicksalsschlag finden? Und kann man Kindern die weitreichenden Folgen überhaupt erklären?

Eltern haben die Aufgabe, ihren Kinder den Weg ins Leben zu zeigen

Die Verantwortung für die emotionale Entwicklung des Kindes liegt hauptsächlich in der Verantwortung der Eltern. Eltern haben die Aufgabe, ihren Kindern den Weg ins Leben zu zeigen, ihnen die schönen Seiten des Lebens ebenso vertraut zu machen, wie mit Niederlagen, Kränkungen, Enttäuschungen, Ungerechtigkeiten und Konflikten umzugehen.

Manchmal meinen Eltern, sie könnten ihrem Kind eine Sache nicht zumuten. Doch häufig sind sie selbst zu betroffen von der eigenen Situation und wollen sich nicht noch zusätzlich die Erörterung mit dem Kind zumuten. Es ist nicht so leicht, einen Schicksalsschlag und dessen Auswirkungen zu erklären, mit dem man selbst noch nicht so recht umzugehen weiß.

Kinder bekommen familiäre Spannungen mit

Bei manch einem sitzt der Schmerz auch zu tief, als dass er darüber überhaupt sprechen möchte. Dann auch noch kindgerechte Worte zu finden, überfordert so manches Elternhaus.

Dennoch ist es gerade in solchen Situationen wichtig, Kinder in die familiäre Situation mit einzubeziehen. Natürlich können Kinder noch nicht genau abschätzen, welche Auswirkungen ein Schicksalsschlag der Eltern nach sich zieht. Schließlich haben Kinder nicht das gleiche Wissen über die Welt, wie Erwachsene. Aber sie bekommen schon sehr früh die gedrückte Stimmung zu Hause mit, die Traurigkeit der Eltern oder die Dauerspannung, die in der Luft liegt. All dies belastet nicht nur den direkt betroffenen Elternteil sondern die ganze Familie.

Was man Kindern zumuten kannViele 7 Jährige machen sich bereits weitreichende Gedanken. Das zeigt sich beispielweise darin, dass sie tolle Ausreden erfinden können aber auch Ähnlichkeiten von Dingen oder Situationen erkennen und erklären können. Obwohl der Satzbau noch recht einfach ist, können Kinder bereits Ende des 5. Lebensjahres das, was sie erlebt haben in zeitlich richtiger Reihenfolge einordnen. Sie beginnen Situationen im Rollenspiel oder im Puppenspiel nachzuerleben. So lernen sie, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die Gefühle anderer zu erfassen und eine Situation komplexer zu begreifen.

Kinder bekommen also mehr mit, als wir denken und sollten über die internen Ereignisse in der Familie daher auch eher informiert sein, als die Welt um sie herum.

Wie Kinder in die Probleme der Eltern einbezogen werden können

Kinder sollten auf keinen Fall den dauernden Streitereien über Geld oder Jobsuche ausgesetzt sein, aber sie sollten im Ergebnis altersgerecht über die Situation der Eltern informiert sein. Wer dies nicht tut, läuft Gefahr, dass ein Kind die schlechte Stimmung auf sich bezieht.

Wie kann man einem Kind die Situation erklären?

  • den richtigen Zeitpunkt abpassen: in Ruhe, mit Zeit und ungestört
  • klare Worte für die schwierige Situation finden
  • die damit verbundenen Gefühle ausdrücken
  • optimistisch in die Zukunft schauen: wir finden einen Weg!
  • trotzdem realistisch sein: wir können dieses Jahr keinen Urlaub machen …
  • Mut machen: wir werden trotzdem schöne Dinge zusammen unternehmen
  • Dem Kind die Erlaubnis geben, mit seinen Freunden Spaß haben zu dürfen

Trotz gravierender Probleme Inseln der Freude in den Alltag integrieren

Erwachsene neigen dazu, in einer schwierigen Lage das ganze Leben schwarz sehen. Manchmal sind die seelischen Belastungen auch so groß, dass manch einer unter der Last eine Depression ausbildet und kaum Antrieb, Motivation und Kraft aufbringt, sich noch mit den Kindern zu beschäftigen. In einem solchen Fall sollte man sich Hilfe von außen holen. Das vertrauensvolle Gespräch mit dem Hausarzt kann ein Anfang sein, aber auch ein Termin bei einer Beratungsstelle oder eine psychotherapeutische Begleitung.

Eine wunderbare Hilfe ist es auch, wenn Verwandte, Nachbarn oder Freunde für eine Zeit mit einspringen, damit die Kinder nicht vor dem Fernseher sich allein überlassen bleiben. Kinder brauchen Inseln der Freude im Alltag.

An den Herausforderungen des Lebens wachsen

Wird zu Hause offen mit Problemen umgegangen, zeugt dies von Elternkompetenz und es profitieren im Bestfall alle Familienmitglieder davon. Sowohl jedes einzelne Familienmitglied als auch der Zusammenhalt untereinander wird dadurch enorm gestärkt.

Wenn aber die emotionalen Aufgaben der Familie totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt oder unter einer rosaroten Fassade verdeckt werden, wird ein Kind nicht gut auf das Leben vorbereitet.

Auswirkungen auf das spätere Leben können sein, dass das Kind als Erwachsener später auch lange Zeit Schwierigkeiten ignoriert oder Probleme nicht besprechen kann.

Wenn Kinder lernen, dass Probleme sein dürfen, dass sie durchgestanden werden und am Ende eine Lösung dabei herauskommt, reifen sie an den Herausforderungen des Lebens.

Dörthe Huth: Sonnenstrahlgeschichten. Wohlfühlgeschichten für kleine Abenteurer. Hypnos Verlag 2009. ISBN 978-3-933569-43-1

Dörthe Huth, privat

Dörthe Huth - Als Autorin ranken sich meine Themen rund um Körper, Geist und Seele. In den folgenden Bereichen kenne ich mich besonders gut ...

rss