Wie man leben soll - der Film

Wie man leben soll - DOR Film
Wie man leben soll - DOR Film
Basierend auf Thomas Glavinic' Roman über den dicken Charlie Kolostrum, ist David Schalko hier ein toller Film voller Komik gelungen.

Charlie Kolostrum ist 17 und übergewichtig. Dass man da nicht das schönste Mädchen der Klasse zur Freundin hat, nimmt er gerne in Kauf. Zum Üben tut's auch die dicke beste Freundin der Schönheit. Nach der Matura will Charlie studieren, schließt sich einem Studentenbund an und muss sehen, wie er abgesehen von Geschenken aus der Verwandtschaft zu Geld kommt, mit dem er sein Studentenleben finanziert. Das kann eine ziemliche Herausforderung sein, besonders, wenn man wie Charlie noch nicht so richtig weiß, wie man eigentlich leben soll.

Romanvorlage vom Österreicher Thomas Glavinic

Was Thomsa Glavinic in seinem gleichnamigen Roman durch die Verwendung des Wortes "man" gelingt - nämlich ein Buch ganz ohne "Ich" und doch aus der Sicht des Protagonisten Charlie erzählt, ist im Film sehr geschickt umgesetzt. Die Merksätze, die Charlie in seinem Leben immer wieder notiert und die teils zum Schreien komisch, teils überraschend weise sind, scheinen im Film unten eingeblendet in Schreibschrift auf. Erzählt wird Charlies Geschichte hier von einem Selbsthilfebuch-Autor, von deren Lektüre Charlie Kolostrum selbst auch sehr angetan ist.

Charlies Eskapaden was Frauen, Studium und Ferienjob betrifft, sind im Film sogar noch komischer, da hier der Fremdschämen-Faktor enorm hoch ist, wenn Charlie wieder - ohne sich dessen bewusst zu sein - in Gesang ausbricht. Und sich dabei selbst nicht existentes Talent zuschreibt. Seine jugendlichen Experimente mit Sexualität und Drogen sorgen ebenfalls immer wieder für Lacher.

Bekannte Schauspieler, lustige Effekte

Dass neben Hauptdarsteller Axel Ranisch auch noch weitere Größen des deutschsprachigen Films und Fernsehens in diesem Film zu sehen sind, schadet nicht. Robert Stadlober besticht durch seinen wieder gefundenen österreichischen Akzent, der "Kaiser" Robert Palfrader wirkt ganz und gar unkaiserlich als Taxi-Unternehmer und weitere bekannte Gesichter überraschen in Nebenrollen oder Gastauftritten.

Um den besonderen Reiz der Romanvorlage auf die Leinwand zu übertragen, sind den Filmemachern einige gute Ideen eingefallen. So zitieren etwa die Autoren von Charlies Selbsthilfe- und Ratgeberbüchern selbst aus ihren Werken und kommentieren dabei oft unverblümt Charlies Handeln.

Einzig das Ende wurde etwas vom Roman-Ende abgeändert, aber das stört kein bisschen. Im Gegenteil, es wirkt realistisch und komisch zugleich. Sogar die strengsten Fans des Buches werden daran nichts auszusetzen haben, stellt es doch nur eine weitere Reihe lustiger Szenen dar, die wunderbar in die Geschichte von Charlie Kolostrum passen.

Zwei Stunden Kino-Spaß

Fans von Glavinic' Roman werden ihre Freude an diesem kurzweiligen Film haben, aber auch Nichtleser werden sich dem Charme der Geschichte und des unwahrscheinlichen Helden Charlie Kolostrum nicht entziehen können. Man lacht, man schämt sich und freut sich abwechselnd für Charlie. Je nach Generation wird man ein bisschen von sich selbst in seinen Erlebnissen wieder erkennen oder sich freuen, dass man selbst nicht alles ausprobiert hat. Hier ist für jeden etwas dabei. Hier lohnt es sich übrigens auch, sich den Abspann bis zum Ende anzusehen.

Den Trailer und viele Extras findet man auf der Homepage zum Film.

"Wie man leben soll" - im Kino seit 7. Oktober 2011

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

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