Jeder, der diese wunderschöne, ausgereifte Sportart betreibt, weiß, dass es sich um ein technisch höchst anspruchsvolles Rückschlagspiel handelt. Weder ist es schnell zu erlernen, noch macht es gleich Spaß, wenn man die verschiedenen Schläge wie Vorhand, Rückhand, Aufschlag und Volley nicht beherrscht. Perfektion kann man als Anfänger schon deshalb nicht erwarten, weil jeder dieser Schläge etliche Varianten wie beispielsweise Topspin und Slice ermöglicht, der ungeübte Spieler oft aber gar nicht während eines Matches die Zeit hat, sich für die beste Lösung zu entscheiden.
Der Kopf ist entscheidend
Nicht nur die Stellung des Schlägerkopfes ist für die richtige Ausführung des Schlages von Bedeutung, es kommt auch auf den eigenen Kopf an, also wie der Spieler mental drauf ist. Boris Becker, der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten, jat bekanntlich diesen Aspekt immer wieder betont. Und es gibt kaum einen Trainer, der nicht immer wieder darauf hinweist, wie wichtig die mentale Stärke gerade beim Tennis ist.
Vielfalt beherrschen
Nun, jeder sollte sich klar machen, dass Tennis ein Spiel der Fehler ist. Dies heißt nichts anderes, als dass derjenige, der die wenigsten Fehler macht, Wimbledon und jedes andere Turnier gewinnt. Im Umkehrschluss: Leichte Fehler müssen möglichst vermieden werden, wenn man gewinnen will! So wie es der Sinn des Fußballspiels ist, möglichst mehr Tore aus der Gegner zu schießen, ist es der Sinn des Tennisspiels, den Gegner zu Fehlern zu verleiten und selbst nicht ins Netz oder ins Aus zu schlagen. Viele Leute glauben, es käme ausschließlich darauf an, möglichst hart zu schlagen. Schnell und flach zu spielen, ist aber nur dann sinnvoll, wenn man dabei nicht zu viele Fehler macht. Wichtig ist eben, eine Balance zu finden zwischen Risiko und Fehlerquote.
Der Aufschlag
Viele Freizeit- und Clubspieler trainieren den Aufschlag zu wenig. Dabei ist es der einzige Schlag, den man auch alleine üben kann und der Schlüssel zu einem erfolgreichen Spiel. Bekanntlich hat man jeweils zwei Versuche, doch die Fehlerquote sollte beim ersten Aufschlag nicht unter 50 Prozent sein, weil sonst zu viel Kraft im Verlaufe eines Matches verbraucht wird und sich der Gegner auf den zweiten, meistens schwächeren Aufschlag besser einstellen kann. Außerdem steigt bei größerer Unsicherheit die Gefahr, zu viele Doppelfehler zu produzieren. Hinzu kommt, dass viele Tennisspieler nur einen einzigen Aufschlag können, den sie regelmäßig anwenden. Meistens schlagen sie ihn cross auf die Vorhand des Gegners, als so bei Rechtshändern auf die Schlaghand, die er dann natürlich voll durchziehen kann und gefährliche Returns hinbekommt. Viel aussichtsreicher, mit dem Aufschlag zu punkten, ist es, ihn zu variieren, damit der Gegner nicht schon vorher weiß, wo der Ball im Aufschlagfeld aufspringt.
Überhaupt glauben viele Spieler, nur ein harter Aufschlag wäre ein guter Aufschlag. Aber die allermeisten überschätzen ihre Ass-Quote, die sie erreichen können und unterschätzen ihre FehlerquoteFast niemand ist ein solcher Riese, dass er beim Aufschlag nicht auf die Erdanziehungskraft angewiesen wäre und glatt mit voller Kraft von oben und einige Zentimeter über die Netzkante hinweg servieren könnte. Dieses Kunststück geling selbst Profis nicht immer. Wer einen sicheren Aufschlag hat, den er genau platzieren und gut variieren kann, ist in aller Regel besser gerüstet, als der "Knaller", für den das Netz und die Linien im Verlaufe des Spiels zu Feinden werden.
Die Vor- und Rückhand
Natürlich sollten diese beiden wichtigen Schläge unbedingt sicher gekonnt werden, sonst macht Tennisspielen überhaupt keinen Spaß. Für die korrekte Ausführung, also einer Balance von Power und Kontrolle, ist es notwendig, den Ball möglichst weit vor dem Körper und etwa in Hüfthöhe zu treffen.Da der Gegner genau dies weiß, wird er selbstverständlich versuchen, den Ball immer dorthin zu schlagen, wo für das Erreichen der Idealposition mindestens ein Paar Schritte notwendig sind. Mit anderen Worten: Laufarbeit ist erforderlich, nicht nur seitwärts, sondern auch vor und zurück, ohne Ball eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Nur so kann man saubere Vor- und Rückhandschläge direkt im Sweetspot des Schägerkopfes zustande bringen.
Die Position auf dem Platz
Wenn wir vom Einzel ausgehen, und nicht vom Doppel, das andere Gesetzmäßigkeiten hat, dann steht der Spieler in aller Regel kurz hinter der Grundlinie, um den Aufschlag zu erwarten und bewegt sich nur dann nach vorne zum Netz, wenn er einen guten Return gespielt hat und nun einen Schlag vermutet, den er mit einem Volley gut erreichen kann. Manche Leute stürmen allerdings bei jeder Gelegenheit kopflos nach vorne und werden dann entweder seitlich oder durch einen Lob passiert. Den guten Spieler zeichnet aus, dass er den Punkt nicht sofort machen muss, sondern auf eine günstige Chance warten kann. Wichtig ist, und das ist ebenfalls eine Kopfsache, zunächst einmal das Spiel des Gegners zu lesen. Ob er Rechts- oder Linkshänder ist, bei welchen Schlägen seine Stärken und Schwächen liegen, wie schnell er in die Ecken tauchen kann, ob er Kondition hat oder schnell außer Atem kommt. Nicht wenige Tennisspieler sind nur dann gut und treffen viel, wenn sie in ihrem Rhythmus bleiben können.
Folglich darf man sie beispielsweise nicht einfach von links nach rechts schicken und ihnen den Raum für schnelle Schläge bieten, die sie dann cross und longline abfeuern können, sondern muss gegen die Laufrichtung spielen oder in die Mitte und zur Abwechslung einmal hoch auf die Rückhand. Es ist auch erlaubt, direkt flach vor die Füße oder hoch auf den Körper zu spielen, und wenn der Gegner nach vorne kommt, auch mal einen gut getimeten Lon mit Spin zu versuchen. Bewusste Tempowechsel sind im Tennis unglaublich wichtig.
Im Grunde braucht man sich bei einem erstklassigen Tennisspieler nicht darum zu kümmern, wo er steht, sondern kann davon ausgehen, dass er die richtige Position auf dem Platz eingenommen hat. Deshalb kann man eigentlich einfach den Ball konsequent dort hin schlagen, wo der absolut falsche Ort innerhalb der Linien ist. Also überall dort hin, wo der Gegner nicht ist, damit er jeden Ball im Laufen schlagen muss, wenn er ihn denn erwischt. Tennis ist kein hektisches Spiel, jedenfalls nicht unter Könnern. Aber eine mentale und körperliche Herausforderung, die Spaß macht!
