Die richtige Bezeichnung eines Verwandtschaftsgrades kann sich bisweilen als komplizierte Aufgabe erweisen. Welchen Begriff verwendet man zum Beispiel für den Cousin der Mutter? Der korrekte Verwandtschaftsgrad lautet in diesem Fall: Cousin zweiten Grades.
Die weit verbreitete, jedoch falsche Annahme, dass es sich hierbei um einen Großcousin handelt, erfreut sich dennoch einer ungebrochen hohen Popularität. Doch selbst bei den weniger verzwickten Verwandtschaftsbeziehungen drücken sich viele Menschen unbewusst immer wieder falsch aus. Besonders gut kann man dies auch an der direkten Linie unserer Vorfahren beobachten.
Vater, Großvater, Urgroßvater. Und dann?
Wenn beispielsweise der Vater des Urgroßvaters gemeint ist, spricht man nicht selten vom „Ururgroßvater“. Analog dazu wird dann jeder weiteren Vorgänger-Generation einfach ein zusätzliches „Ur“ vorangestellt. Wie schnell diese Methode unpraktikabel wird, dürfte nach spätestens zehn Generationsfolgen auch dem eifrigsten "Ur"-Benutzer klar geworden sein. Denn in diesem Fall müsste man das sperrige Wort „Ururururururururgroßvater“ benutzen.
Die richtige Bezeichnung der Ahnenreihe
Professionelle Genealogen verwenden daher eine völlig andere Aufteilung. Jene wirkt nur im ersten Moment etwas unübersichtlich, denn nicht alle Begriffe bauen aufeinander auf. Tatsächlich jedoch basiert diese Vorgehensweise auf einem durchaus logischen System: Die drei Generationen „Eltern“, „Großeltern“ und „Urgroßeltern“ werden dabei jeweils um einen Zusatz vor dem Begriff ergänzt. Der Zusatz der vorhergehenden drei Generationen entfällt jedoch wieder.
Die Generationenliste: Unsere Ahnen, Urahnen und Erzahnen
Ausgehend von diesem System ergibt sich für die ersten 24 Vorgänger-Generationen folgende Auflistung:
1. – 3. Generation: Eltern, Großeltern, Urgroßeltern
4. – 6. Generation: Alt-Eltern, Alt-Großeltern, Alt-Urgroßeltern
7. – 9. Generation: Obereltern, Ober-Großeltern, Ober-Urgroßeltern
10. – 12. Generation: Stamm-Eltern, Stamm-Großeltern, Stamm-Urgroßeltern
13. – 15. Generation: Ahnen-Eltern, Ahnen-Großeltern, Ahnen-Urgroßeltern
16. – 18. Generation: Urahnen-Eltern, Urahnen-Großeltern, Urahnen-Urgroßeltern
19. – 21. Generation: Erzeltern, Erzgroßeltern, Erz-Urgroßeltern,
22. – 24. Generation: Erzahnen-Eltern, Erzahnen-Großeltern, Erzahnen-Urgroßeltern
Erstaunliche Zahlen rund um die Familie
Geht man davon aus, dass ein Jahrhundert ungefähr drei bis vier Generationen umfasst, so lässt sich mit oben stehender Generationenreihe jeder Vorfahre der letzten 600 bis 800 Jahre korrekt bezeichnen. Für die meisten Amateur-Genealogen dürfte diese Liste also mehr als ausreichend sein.
Faszinierend ist jedoch noch eine andere Tatsache: Da sich die Anzahl unserer Vorfahren mit jeder Generation verdoppelt (zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern usw.), bedeutet dies, dass jeder Mensch 16 777 216 Erzahnen-Urgroßeltern hat. Kein Wunder also, wenn Hobby-Ahnenforscher immer wieder feststellen müssen, dass sie weitläufig miteinander verwandt sind.
Aus dem Ururgroßvater wird ein Altvater
Anhand der Generationenfolge lässt sich also nun feststellen: Der Vater des Urgroßvaters ist kein „Ururgroßvater“, sondern schlicht der „Altvater“. Doch wie wird nun (analog zur anfänglich gestellten Frage) der Cousin einer Erz-Urgroßmutter bezeichnet ? Vielleicht „Erz-Urgroßcousin zweiten Grades? Die Antwort darauf dürfte selbst für eingefleischte Genealogen ein kniffliges Rätsel darstellen...
