Wie plane ich meine Karriere

Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg gibt Schulabgängern Tipps

In Deutschland gibt es rund 280 verschiedene Ausbildungsberufe. Die Suche nach dem persönlichen Traumberuf ist eine Herausforderung, die einer guten Vorbereitung bedarf.

In Deutschland gibt es rund 280 verschiedene Ausbildungsberufe in den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen. 180 davon werden allein im Bereich der IHK Regensburg angeboten. Die Suche nach dem persönlichen Traumberuf ist daher für die meisten Schulabgänger eine Herausforderung, die nicht übers Knie gebrochen werden sollte, wie Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg im Interview erklärt.

suite101: Herr Dr. Helmes, was muss ich als Schulabgänger tun, um später in meinem persönlichen Traumberuf arbeiten zu können?

Dr. Jürgen Helmes: Zuerst einmal sollten sich die Schüler rechtzeitig informieren, welche Möglichkeiten Ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. Im Bereich der IHK Regensburg, der die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim betrifft, gibt es momentan 180 verschiedene Ausbildungsberufe für Industrie, Handel und Dienstleistungen. Die meisten Schüler kennen jedoch nur fünf.

suite101: Ja, aber nicht alle Schulabgänger haben die selben Möglichkeiten. Gerade für Hauptschüler ist die Auswahl doch relativ begrenzt.

Helmes: Sicher, für Abiturienten stehen am Ende ihrer Schulausbildung mehr Türen offen als für Hauptschüler. Allerdings ist das Verhältnis wesentlich weniger drastisch, als die Öffentlichkeit gemeinhin denkt. Hier spricht die Statistik eine deutliche Sprache. Aktuell haben etwa 40 Prozent aller Schulabgänger in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim einen Hauptschulabschluss. Ihnen stehen 80 Prozent der Ausbilungsberufe in den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen offen. Das geht bis zur Banklehre. Die bayerische Hauptschule ist definitiv keine Restschule.

suite101: Es stehen also jedem Schulabgänger fast schon unüberschaubare Möglichkeiten zur Verfügung? Das kann junge Menschen leicht überfordern. Wie plant man nun seine Karriere?

Helmes: Die Ausbildung ist in jedem Fall ein erster Schritt. Am Ende der Lehrzeit ist jedoch niemand bis ans Ende seines Berufslebens festgelegt. Viele Möglichkeiten zeigen sich erst während der Ausbildung. Welche Chancen das sind, kann man im Vorfeld nicht sagen. Somit sind viele Schritte auf der Karriereleiter unmittelbar nach dem Schulabschluss gar nicht planbar.

suite101: Wie sieht es mit Jugendlichen aus, die sich nicht sicher sind, wo ihre Fähigkeiten liegen?

Helmes: Viele Betriebe bieten Berufsinformationstage an, an denen jungen Leuten die Möglichkeit geboten wird, sich über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche zu informieren. Diese Chance sollte man im Vorfeld unbedingt nutzen. Außerdem empfehle ich jedem, schon vor der eigentlichen Bewerbung, mit den Leuten zu sprechen, die den anvisierten Beruf bereits ausüben. Auf diese Weise bekommt der Jugendliche Einblicke in seinen späteren Arbeitsalltag. Zu guter Letzt möchte ich jedem raten, sich von antiquierten Mustern zu verabschieden. Viele junge Frauen haben technische Talente, die sie beruflich nutzen können. Die Zeiten in denen die Meinung vorherrschte, dass Frauen und technische Berufe nicht zusammenpassen, sind definitiv vorbei. Außerdem sollte jedem klar sein, dass die Wahl des späteren Berufes eine persönliche Entscheidung ist. Ich rate davon ab sich dabei von den Entscheidungen seiner Freunde zu sehr beeinflussen zu lassen.

suite101: Wie geht man weiter vor, wenn man sich jetzt für einen bestimmten Ausbildungsberuf entschieden hat?

Helmes: Man sollte in jedem Fall darauf verzichten, eine 0815-Bewerbung abzuschicken. Am schlimmsten sind Einleitungssätze wie „Mein Berufsberater hat mir empfohlen“. Um eine gute Bewerbung zu schreiben, sollte man sich den Betrieb im Vorfeld wenigstens virtuell im Internet genau angesehen haben. Falls man dabei feststellt, dass man sich mit dem Betrieb später nicht identifizieren kann, sollte von einer Bewerbung abgesehen werden. Wer sich im Vorfeld umfassend über die genauen Möglichkeiten informieren möchte, sollte ruhig mal einen Blick auf unsere IHK-Broschüre „Schule und was dann" werfen oder auf die IHK-Lehrstellenbörse unter www.ihk-regensburg.de werfen.