Wie Preußen zu Brandenburg kam

Ein baltisch-polnisches Herzogtum gab einem Staat den Namen

Kloster Oliva (Stahlstich) public domain - unbekannt um 1850 (public domain)
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Das spätere Ostpreußen folgte erst baltischen, dann polnischen und deutschen Traditionslinien. Preußen wurde Namensgeber des einst mächtigsten deutschen Teilstaates.

Preußen wurde im 18. Jahrhundert die ausschließliche Bezeichnung eines Staates, der als Kurfürstentum Brandenburg begann und laut Alliiertem Kontrollbeschluss 1947 abgeschafft wurde. Alle schlimmen Auswüchse der Deutschen Geschichte schrieb man diesem wundersamen Lande zu, das von einem im Dreißigjährigen Kriege verwüsteten, fragilen Gebilde zum mächtigsten Deutschen Staate aufstieg, der schließlich unter seiner Vorherrschaft den Deutschen Bund auflöste und Deutschland unter Ausschluss Österreichs in drei Kriegen einen sollte.

Preußen kommt von Prußen

Der Name „Preußen“ leitet sich vom Volke der Prußen ab. Die zwölf Prußen-Stämme lebten auf dem Gebiet des heutigen Polens und der baltischen Staaten. Die Sprache der „heidnischen“ Prußen gehörte zum Westbaltischen. Der polnische König Konrad von Masowien rief im Jahre 1226 die Ritter des Deutschen Ordens für seine Eroberungen gegen die Prußen zu Hilfe. Unter dem Vorwand der christlichen Missionierung wurden die Prußen oft grausam traktiert. Die noch heute in Polen und Litauen bisweilen mythisch aufgeladene „Entscheidungsschlacht“ von Grunwald 1410 und der Frieden von Thorn (Torun) 1466 zwangen den Orden, all seine Eroberungen westlich der Weichsel dem Königreich Polen-Litauen zu überlassen.

Säkularisierung Preußens und polnisches Herzogtum

Um 1525 wurde der nun säkularisierte Ordenstaat Alt-Preußen, bewohnt von Balten, Kaschuben, Polen, Deutschen und denen in diesen Völkern aufgegangen Prußen-Stämmen zu einem polnischen Herzogtum zusammengefasst. Herzog wurde Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Sein Vater war der Hohenzollern-Markgraf Friedrich II., seine Mutter Sophia war eine Tochter des Jagiellonen-Königs Kasimir IV. Später setzte man dieses Herzogtum in etwa mit der deutschen Provinz Ostpreußen vor 1919 gleich.

„Wechselfieber“ - die Notwendigkeit fragiler Bündnisse als politisches Leitmotiv

Der junge brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm, der das niederländische Staatswesen bewunderte und mit dem schwedischen Königshause verwandt war, erbte 1640 ein entvölkertes, ja verwüstetes, zerstreutes Land verschiedener Konfessionen. Der Friede von Münster/Osnabrück ließ noch auf sich warten. Seit Anfang seiner Regentschaft musste der Kurfürst folgende Jonglage bewältigen: Wollte er eine Konsolidierung, so erforderte dies ein ständig wachsendes Heer. Dieses jedoch zu bezahlen machte Subsidien aus dem Ausland notwendig, in einer Zeit in der die Bündnisse ähnlich instabil waren wie das Wetter in der Kurmark. Diese Bündnisse waren nicht selbstlos. Je nach Eigeninteresse überboten potentielle Bündnisinteressenten nach jeweiligem Kalkül einander. Das Sicherheitsbedürfnis Kurbrandenburgs bedurfte einer guten Beziehung zu Frankreich als Voraussetzung für den Erhalt der westlichen Provinzen.

Aber auch Polen war der Kurfürst aufgrund des Herzogtums Preußen außerhalb des Reiches verpflichtet. Die Kurbrandenburgische Ostseeküste (Hinterpommern) musste gegen Schweden behauptet werden. Um seine Erbansprüche im Reiche durchzusetzen, galt es eine funktionierende Beziehung zum Kaiser in Wien im Auge zu behalten. Kaum Wunder nimmt es, dass es ob dieser territorialen Verzwacktheiten stets zu wechselnden Meinungen in der preußisch-brandenburgischen Politik kam. Die Zerrissenheit und das Taktieren ist eine Kontinuität in der brandenburgisch-preußischen Geschichte, die sich auch nach dem Großen Kurfürsten fortsetzen sollte.

Das Herzogtum Preußen ging als Erbe an Brandenburg, blieb aber ein polnisches Lehen

Im Jahre 1618 wurde der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg durch eine Erbschaft Herzog von Preußen und somit auch ein Vasall des polnischen Königs. Der Vater des Großen Kurfürsten fand es wichtig, dass sein Sohn als Herzog von Preußen und Vasall des polnischen Königs die Polnische Sprache erlernen sollte. Mit seinem Regierungsantritt 1640 wollten die orthodox-lutherische Geistlichkeit und die Stände den Calvinisten Friedrich Wilhelm nicht dulden. Aber der Große Kurfürst, der es gewohnt war mit protestantischen Ständen und einem katholischen Kanzler Umgang zu pflegen, war alles andere als ein verstockter Kleriker. Dennoch bedurfte es, frei nach dem Motto: Aut Caesar aut nihil (Entweder ein Caesar oder nichts), erster harter Auseinandersetzungen, um seinen Herrschaftsanspruch wahrnehmen zu können.

Krieg auf Seiten Schwedens gegen Polen oder der Zweite Nordische Krieg

Im Jahre 1655 griffen die Schweden Polen an. Preußen befand sich plötzlich in schwedischer Lehenshoheit. 1656 focht Friedrich Wilhelm auf Seiten Schwedens mit 4.000 Mann gegen Polen und Russland. Man scharmützelte gegen eine von verschiedenen Interessen getriebene Wahlmonarchie. Es war ein dynastischer Konflikt zwischen den protestantischen Wasa in Schweden und den katholischen Wasa in Polen. Primär ging es jedoch um die Vorherrschaft im Baltikum. Da der Schwedenkönig auf das brandenburgische Heer angewiesen war, entsprach dieser Friedrich Wilhelms Kalkül - einer Souveränität über das Herzogtum Preußen.

Anerkennung der Souveränität des Kurfürsten über Preußen

Im Jahre 1657 verzichtete der polnische König Johann Kasimir in Wehlau (heute Snamensk im Kaliningradskaja Oblast) auf seine Souveränität über Preußen. Drei Jahre später sollten auch die europäischen Mächte im Frieden, geschlossen im Kloster zu Oliva nordwestlich von Danzig, die völkerrechtliche Souveränität des Brandenburgers über Preußen anerkennen. Dem an „politischen Wechselfieber leidenden“ Großen Kurfürsten sollte die abermalige Auseinandersetzung mit den dortigen Ständen noch bevorstehen. Auf ihre Rechte pochend, war ihnen der ferne katholische Wasa-König näher als der calvinistische Brandenburger. Es sollte noch eines harten Konfliktes bedürfen, ehe die preußischen Stände dem Kurfürsten 1663 respektvoll huldigten.

Keine Einverleibung Preußens ins Deutsche Reich

Der Antrag des Großen Kurfürsten, Preußen in das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ aufzunehmen, fehlte. Die Reichsstände lehnten dies ab. Sie schufen damit den Grund, dass sich der Sohn des Großen Kurfürsten, Friedrich I., vierzig Jahre später als Souverän über Preußen am 18. Januar 1701 zum König krönen lassen konnte. Seitdem verschmolz der Name Preußen zunehmend mit dem Namen Brandenburg-Preußen.

Das Gebiet des späteren Ostpreußens umfasst heute Teile der EU-Staaten Polen und Litauen und dazwischen den zu Russland gehörigen Kaliningradskaja Oblast. Das Erbe der prußischen Stämme lebt(e) sprachlich im Deutsch-Ostpreußischen und heute in den litauischen, polnischen und russischen Ortschaften fort.

Quellen

Barbara Beuys: Der Große Kurfürst. Rowohlt Verlag 1979, 420 Seiten, antiquarisch.

Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947. Deutsche Verlagsanstalt München 2007, 896 Seiten.

Ingrid Mittenzwei, Erika Hertzfeld: Brandenburg-Preußen 1648-1789. Verlag der Nation 1990, 441 Seiten, antiquarisch.

Leopold von Ranke: Preussische Geschichte. Emil Vollmer Verlag, 977 Seiten, Reprint.

Andreas Toll, Andreas Toll

Andreas Toll - Ich habe Dies und Jenes irgendwann absolviert und bin somit beliebig. Deshalb nehme ich mich sehr ernst. Zeitgeist ist ein starkes Wort ...

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