Das Bebob in der Frankfurter Straße ist eigentlich eine ganz normale Kneipe. Aber manchmal packt es Macki, den Wirt, und er zerlegt den Billardtisch in seine Einzelteile, baut stattdessen eine kleine Bühne auf und veranstaltet ein Konzert. Von einem solchen Konzert im Jahre 2000 ist den Besuchern die anschließende Session besser im Gedächtnis geblieben als der Auftritt.

Ankündigung: Die Telefonnummer im Gitarrenkoffer

In den Ankündigungen für das Konzert wurde diese Anekdote erzählt: Eine junge Straßenmusikerin hatte in der Marburger Oberstadt gestanden, ihren Gitarrenkoffer für Spenden einladend geöffnet. Als sie ihre Einnahmen einsammelte, befand sich unter den Münzen ein Zettel mit einer Telefonnummer. Sie rief an und hatte Stefan Kissel am Apparat, in der Marburger Folk- und Acoustic-Szene eine bekannte Größe. Die beiden trafen sich, erarbeiteten ein Repertoire, und an diesem Abend im Bebob sollte ihre Premiere stattfinden.

Es stellte sich heraus, dass Cordula Meer, die junge Sängerin, nicht auf eingängige Melodien setzte, sondern auf eine klare Stimme und saubere Interpretation. Das Publikum hörte aufmerksam zu, befand die Musik für gut und applaudierte höflich. So viel zum eigentlichen Konzert.

Newcomer: Der Saxophonist unter den Zuhörern

Unter den Besuchern des Konzertes hatte sich auch ein schlacksiger, schwarzhaariger junger Mann befunden, der zwischendurch nach Hause eilte und mit einem Saxophonkoffer zurückkam. Als das Konzert zu Ende war, fragte er Stefan Kissel, ob man nicht noch ein wenig miteinander spielen könne. Der sah zunächst nur mäßig begeistert aus - offenbar hatten ähnliche Anfragen in der Vergangenheit nicht immer zu den besten Ergebnissen geführt -, stimmte dann aber doch zu.

Kissel brachte eine Mappe zum Vorschein mit allgemein bekannten Stücken. Man einigte sich kurz auf die Rollenverteilung, und dann begann eine Session, die ebenso lang dauern sollte wie das eigentliche Konzert. Es wollte keiner nach Hause gehen. Was vorher nicht geschehen war, das geschah jetzt: Der Funke sprang auf das Publikum über. Die Zuhörer waren begeistert, und statt höflichen Applaus gab es jetzt stürmischen Beifall. Offenbar gefiel den Gästen musikalischer Enthusiasmus besser als klare Stimme und saubere Interpretation.

Ein neues Duo am Marburger Acoustic-Himmel

Die beiden spielten alles, was Kissels Mappe hergab, und endeten spät in der Nacht mit der Zeile "I don't mind it all". Dann begannen sie, sich miteinander bekannt zu machen. Der Fremde wollte zunächst Zett genannt werden. Er sei vor kurzem nach Marburg gezogen, um sein Studium der Zahnmedizin hier abzuschließen. An einer längerfristigen Zusammenarbeit hatte er wenig Interesse; er habe daheim eine eigene Band, der wolle er treu bleiben, sagte er.

Zum Glück hat er es sich dann doch noch anders überlegt. Seit November 2000 spielen Stefan Kissel und Christian Zerban nun zusammen, und aus der Marburger Acoustic-Szene sind sie nicht mehr wegzudenken. Dabei treten sie nicht immer als Duo auf, sondern haben oft auch andere Gäste bei ihren Auftritten dabei. Im letzten Jahr war das bevorzugt die Sängerin Marylin Prange, mit der sich die Bandbreite des musikalischen Spektrums erweitert hat und mehrstimmiger Harmoniegesang zu den Markenzeichen des Duos hinzugekommen ist.

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