Wie sicher ist Fliegen?

Das Risiko eines Flugzeugabsturzes ist eher gering

Wie sicher ist Fliegen? - Susanne Adler
Wie sicher ist Fliegen? - Susanne Adler
Fliegen ist die sicherste Art zu reisen, ein Absturz sehr unwahrscheinlich. Doch die Unfallzahl steigt, das Risiko ist bei Start und Landung besonders hoch.

Die schweren Flugzeugunglücke der vergangenen Monate wie zum Beispiel der Absturz einer Air France-Maschine über dem Atlantik am 1. Juni 2009 mit 228 Todesopfern sowie Beinahe-Katastrophen wie die als Heldentat des Piloten gefeierte Notlandung auf dem Hudson-River in New York am 15. Januar 2009 haben bei vielen wieder einmal die altbekannte Frage nach der Sicherheit des Fliegens aufgeworfen.

Statistisch gesehen ist das Flugzeug nach wie vor das sicherste Fortbewegungsmittel überhaupt. Auf 1, 2 Millionen Flüge westlicher Maschinen kam im Jahr 2008 laut Statistik der International Air Transport Association (IATA) ein Unfall. Die Zahl der Toten bei Flugzeugunglücken sank von 692 weltweit im Jahr 2007 auf 502 im Jahr 2008. Das bedeutet, bei insgesamt rund 23 Milliarden Passagieren, die 2008 weltweit befördert wurden, gab es im Durchschnitt 0,13 Todesopfer auf eine Million Fluggäste. Dagegen gab es 2008 allein in Deutschland bei rund 2,28 Millionen aufgenommenen Unfällen im Straßenverkehr über 4.400 Todesopfer. Soweit die nüchternen Zahlen.

Flugangst ist meist unbegründet

Denn trotz dieser eigentlich beruhigenden Zahlen haben auch immer mehr Menschen Angst vorm Fliegen und davor, Opfer eines tragischen Flugzeugunglücks zu werden. Oftmals führt das Gefühl des Ausgeliefertseins, die völlige Abhängigkeit vom Können der Piloten und der Technik zu der eigentlich irrationalen Flugangst. Durch schlagzeilenträchtige Medienberichte über spektakuläre Flugzeugunglücke und gravierende Sicherheitsmängel bei einigen Airlines werden die Bedenken über die Flugsicherheit oft noch geschürt. Vieles davon ist natürlich überspitzt dargestellt, doch nicht alle diese Bedenken kann und sollte man als Hirngespinste oder Übertreibungen abtun.

Erhöhtes Risiko bei Start und Landung

Denn Fakt ist: Auch wenn die Opferzahlen grundsätzlich gering sind, das seit Jahren stark steigende Flugaufkommen führt auch zu einer erhöhten Unfallzahl, nicht nur in der Luft, sondern vor allem auch am Boden. Starts und Landungen sind seit jeher die gefährlichsten Phasen eines Fluges. Nicht nur werden dabei das Flugzeug und die Technik am stärksten beansprucht, auch die Aufmerksamkeit und das Können der Piloten sind bei Start und Landung besonders gefordert.

So ist es auch nicht weiter überraschend, dass es immer mehr Unfälle und Beinahe-Kollisionen auf dem Rollfeld gibt. Die Zahl der Starts und Landungen wird immer größer, die Abstände dazwischen werden immer geringer, wodurch Anforderungen und Zeitdruck auf Piloten und Fluglotsen steigen. Durch die zunehmende Globalisierung des Luftverkehrs kommt es außerdem vermehrt zu Kommunikationsschwierigkeiten und Missverständnissen zwischen Tower und Cockpit-Crew.

Mehr Sicherheit durch Technik

Neue Sicherheits- und Warnsysteme sowohl in den Maschinen als auch am Boden sollen die Risiken der so genannten „Runway Incursion“, also eines Unfalls auf der Start- oder Landebahn verringern, doch längst nicht alles, was technisch möglich wäre, wird bisher auch tatsächlich ein- und umgesetzt. Neue Technologien brauchen oft Jahre bis zur Zulassung, in der Zwischenzeit wird es immer enger auf dem Rollfeld und dem darüber liegenden Luftraum.

Blacklist für unsichere Airlines

Die Gefahr, mit einer westlichen Airline zu verunglücken ist auch dank der strengen Sicherheitsrichtlinien minimal. Regelmäßige technische Kontrollen und Wartungen, moderne Ausstattung sowie gut ausgebildetes Personal und vernünftige Arbeitsbedingungen sind bei den meisten Airlines an der Tagesordnung und tragen erheblich zur Sicherheit des Flugverkehrs bei. Doch auch hier gibt es immer wieder Defizite, nicht zuletzt, weil viele Fluggesellschaften versuchen, Kosten einzusparen, zur Not auch zu Lasten der Sicherheit. Als unsicher eingestufte Airlines werden seit 2006 in einer Blacklist erfasst und veröffentlicht. Sie dürfen innerhalb der EU weder starten noch landen.

Ist Fliegen auch in Zukunft sicher?

Einige Experten und Studien vermuten, dass die Zahl der schweren Flugzeugunglücke am Boden und in der Luft aufgrund des erhöhten Flugaufkommens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehr stark steigen wird. Dem entgegen steht die Hoffnung, dass neu entwickelte Sicherheitssysteme, Investitionen der Airlines in die Ausbildung ihrer Piloten und strenge Kontrollen und Auflagen für Sicherheitsverstöße die Risiken von Katastrophen und Unfällen in der Luftfahrt auch in Zukunft möglichst gering halten. Ein Restrisiko bleibt natürlich und auch verheerende Flugzeugunglücke wird es zukünftig immer wieder geben, doch bis auf weiteres bleibt das Fliegen wohl die sicherste Art zu reisen und unverzichtbares Transportmittel zu den schönsten Orten der Welt.

Susanne Adler - Ich lebe, studiere und arbeite in Berlin. Das Schreiben betreibe ich seit 2006 als freie (Online-)Autorin nebenbei, bei suite101.de vor ...

rss