"Du taugst zu nichts." "Du bist ein Dummkopf." Das schaffst Du sowieso nicht." Wer hätte solche Aussagen nicht schon als Kind von seinen Eltern gehört oder hat diese schon selber seinen Kindern gegenüber angewendet? Wie destruktiv sich solche unbedachten Bemerkungen auf die Psyche eines Kindes auswirken, ist vielen nicht bewusst.
Die schädlichen Auswirkungen selbsterfüllender Prophezeiungen
Der bekannte australische Kinder- und Jugendtherapeut und Autor Steve Biddulph bezeichnet diese Art mit Kindern zu reden als Programmierung, der auf den späteren Erwachsenen dann quasi wie ein Fluch laste. Je öfter eine solche selbsterfüllende Prophezeiung wiederholt werde, umso sicherer treffe sie später auch ein. Den meisten wird es nicht schwer fallen solche Aussprüche als schädlich zu erkennen, doch Biddulph geht noch einen Schritt weiter: Viele der Anspielungen würden nur versteckt und subtil ablaufen, so dass die schädlichen Auswirkungen nicht von vornherein ersichtlich seien.
Versteckte Anspielungen wirken wie Befehle
Wer von Ihnen kennt nicht die folgende Situation auf einem Spielplatz: Mühsam kämpft sich der Dreijährige auf dem Klettergerüst nach oben, fast hätte er es geschafft, da hört man eine besorgte Mutter rufen: " Pass auf, die fällst gleich runter!" Sie hören ein Platschen und kurz darauf das Wehgeschrei des Kleinen, worauf die Mutter sofort herbei eilt. Hat sie es nicht gleich gesagt? Ja, eben. Steve Biddulph meint hierzu, dass Forschungen ergeben hätten, dass sich das Kind nicht nur unmittelbar nach dem Ereignis schlecht fühlt, sondern das solche Szenen einen dauerhaften Effekt hätten mit einer nahezu hypnotischen negativen Wirkung auf das Kind. Sobald die Eltern eine bestimmte Art mit ihrem Kind zu sprechen ständig wiederholen würden, würde sich das in das Unterbewusstsein des Kindes hineinfressen. Viele Selbstzweifel, die auch im späteren Erwachsenenleben nicht mehr abgelegt werden könnten, entstünden so.
Du-Botschaften prägen sich ein
"Du bist faul.", "Du bist dumm." Wer solche Botschaften immer wieder hört, dem prägen sie sich tief ins Gedächtnis ein. Das heißt nicht, dass Sie Ihrem Kind gegenüber immer glücklich und strahlend erscheinen müssen. Steve Biddulph führt an: " Wir können sagen: " Ich bin wütend auf dich und will, dass du jetzt sofort dein Zimmer aufräumst" und brauchen uns keine Sorgen über irgendwelche langfristigen Folgen zu machen." Wer sein Kind allerdings beschimpfe, nach dem Motto: "Du räumst nie auf, Du gehorchst mir nie“, der brauche sich über die Folgen nicht zu wundern. "Versuchen Sie nicht, sich glücklich oder liebevoll zu geben, wenn Ihnen nicht danach ist, das verwirrt Kinder nur. Wir können unserer Gefühle aber ausdrücken, ohne unsere Kinder zu beleidigen", rät Biddulph seinen Lesern.
Quelle:
Steve Biddulph. Das Geheimnis glücklicher Kinder. Neue Antworten auf die wichtigsten Fragen der Erziehung. München 1994.
