
- Wanderreitpferd mit Westernsattel - Astrid Treumann
Das Wanderreiten ist wohl eine der wenigen Sparten, die allen Pferderassen offen steht. Prinzipiell kann jedes Pferd an einem Wanderritt teilnehmen, das gesund, ausgewachsen und vorbereitend trainiert ist. Je mehr ein Pferd dem Ideal eines Wanderreitpferdes entspricht, um so besser wird es die speziellen Anforderungen erfüllen können.
Anatomie und Körperbau eines Wanderreitpferdes
Oft haben Pferde während eines Wanderritts Probleme mit dem Satteldruck oder mit Lahmheiten. Diese Situation lässt sich nicht nur auf ungenügende Vorbereitung zurückführen. Auch die Anatomie eines Pferdes gilt als entscheidender Aspekt für die Eignung als Wanderpferd. So sollte die zu tragende Last von Reiter, Sattel und Satteltaschen etwa 15 Prozent des Pferdegewichts nicht überschreiten. Weiterhin auch Körpergröße des Reiters und Stockmaß des Pferdes in Einklang stehen.
Der Körperbau eines Wanderreitpferdes ist quadratisch ideal. Somit sollte ein sogenanntes “Quadratpferd” vom Halsansatz bis zur Schweifrübe die gleiche Länge aufweisen, wie die Höhe vom Widerrist zum Boden beträgt. Pferde mit diesem Körperverhältnis sind kompakter und haben einen kurzen Rücken, der wesentlich belastbarer ist. Sie treten mit ihren Hinterbeinen vermehrt unter den Rumpf, gehen mehr auf der Hinterhand und entlasten die schwächere Vorderhand. Eine schräge Schulter bietet Vorteile, da so der Schritt länger ausgreift. Der Widerrist des Pferdes sollte ein mittleres Maß besitzen, weder zu niedrig noch zu hoch sein.
Geistige Reife und Psyche eines Wanderreitpferdes
Neben körperlichen Anforderungen stellt ein mehrtägiger Wanderritt auch erhebliche Ansprüche an charakterliche Eigenschaften und die Anpassungsfähigkeit eines Pferdes. Grundlegend sollte es nervenstark, ausgeglichen und gehorsam sein. Es muss täglich neue Eindrücke auf der Strecke und im Quartier verarbeiten. Dazu kommen unbekannte Gerüche und Geräusche. Täglich sind neue Herausforderungen zu bewältigen. Anstrengende Wegpassagen, Steilhänge und lange Reitzeiten.
Je höher ein Pferd im Blut steht, desto sensibler und feinfühliger reagiert es auf Unbekanntes. Rassebeschreibungen können eine gewisse Orientierung geben. Ausschlaggebend ist jedoch die Pferdepersönlichkeit selbst, geprägt durch Aufzucht und Lebensbedingungen. Die geistigen Anforderungen kann jedes Pferd erfüllen, das als Grundvoraussetzung eine artgerechte Ausbildung und Erziehung bietet. Weiterhin sind bedürfnisgerechte Haltung und Fütterung wichtige Faktoren.
Reiter und Pferd sollten für das Wanderreiten harmonieren
Ein Reiter muss sich seinem Pferd gegenüber immer ranghöher verhalten. So kann das Tier dem Menschen vertrauen und auch bei Verunsicherungen folgen. Gelassen dem LKW auf einer Straße begegnen und sich entspannt im ungewohnten Umfeld bewegen. Bei sensiblen Pferden, die leicht in Panik geraten, hilft nur jahrelanges Üben und viel Geduld. Ängstliche oder zu harte Reiter machen Pferde in schwierigen Situationen nervös und unruhig.
So gehört ein junges und aufgeregtes Pferd eher in die Hand eines sicheren und gelassenen Reiters. Ist der Reiter selbst angespannt und schnell unsicher, eignet sich für ihn eher ein träges Pferd. Das durch diese Nervosität erst aufmerksam wird. Hengste können nur an einem Wanderritt teilnehmen, wenn sie wirklich zuverlässig ausgebildet und erzogen sind. Da sonst der ausgeprägte Sexualdrang eines Hengstes die ganze Gruppe in viele problematische Situationen drängen kann. Hengste brauchen sehr erfahrene Reiter, die viel Zeit im Vorfeld für die Anpassung investieren müssen.
Die Vorbereitungsphase für ein Wanderreitpferd
Zeigen Pferde häufig Angst vor Unbekanntem, ist der Wanderritt in einer Sicherheit gebenden Gruppe mit mehreren Pferden empfehlenswert. Zur Vorbereitung des Pferdes dient eine intensive Gymnastizierung. Je biegsamer und beweglicher der Pferderücken ist, desto besser lassen sich Verspannungen und Schmerzen vermeiden. Pferde müssen für einen Mehrtagesritt konditionell intensiv trainiert sein. Auch im Training an das Laufen auf verschiedensten Bodenbeschaffenheiten gewöhnt werden.
Da die Unterbringung für das Pferd bei einem Wanderritt täglich wechseln, sollte auch die Übernachtung im Freien schon im Vorfeld bekannt sein. Diese Übernachtung muss man schrittweise üben. Zunächst in einem Paddock aus dicken Holzstämmen von etwa 16 Quadratmeter Fläche. Für Wanderreitpferde ist der ganzjährige Koppelgang eine gute Voraussetzung. So sind sie an die sich verändernden Jahreszeiten angepasst. Muskulös und durchtrainiert ist ein Pferdekörper den Anforderungen eines Wanderrittes gewachsen.
Quelle: Robert Claus, Sabine Schmitt, Handbuch Wanderreiten - Im Rhythmus der Pferde, Hildesheim, Olms Verlag AG, 1999, 224 Seiten, ISBN 3-487-08413-9
